Price-Edwards, E.: Schallsignale,
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bekannten schallerzeugenden Apparate verhängnifsvoll war. Als Ergebnifs
dieser Erfahrung sprach Professor Tyndall die Ansicht aus, dafs man sich nicht
darauf verlassen kann, ein Signal zu allen Zeiten und unter allen Wetterver-
hältnissen auf gröfsere Entfernungen als 2 oder 3 Sm zu hören, ;
In Gebrauch befindliche Apparate. a) Glocken. Als schall-
erzeugende Apparate für Signalzwecke waren zu jener Zeit die meisten Leucht-
thürme mit ‘3. bis 4 Centner schweren Glocken ausgestattet. Der Anschlag
wurde ‘durch ein Uhrwerk bewirkt. Der so erzeugte Ton erschien einem in
grofser Nähe der Glocke befindlichen Beobachter sehr mächtig, aber das Gebiet,
in dem der Ton wirksam blieb, war aufserordentlich beschränkt, denn Glocken-
töne werden durch jeden schwachen Wind verweht. In den meisten Fällen
verblieben die Glocken bei den Leuchtthürmen, um von ihnen bei nebligem
Wetter Gebrauch zu machen, wenn kein anderer, mächtigerer Schallerreger auf
der Station vorhanden war.
; b) Gongs. Der Gong war früher in Gebrauch als ein besonderes Nebel-
signal für ein Feuerschiff, aber seine Tonschwäche und seine geringe durch-
dringende Kraft haben veranlafst, dafs er durch andere Apparate verdrängt wurde.
c) Pfeifen. Weder Dampf- noch Luftpfeifen scheinen viel Gunst in
England gefunden zu haben. An den Küsten der Vereinigten Staaten Nord-
amerikas waren und sind sie noch in Anwendung. Auch wurden verschiedene
Muster bei den Versuchen im Jahre 1874 geprüft, doch wurden sie als ver-
schwenderische Apparate angesehen, da sie 70 Pfund (engl.) Dampfdruck erfor-
derten. Ihre Leistung scheint keinen günstigen Eindruck auf britische Ohren
gemacht zu haben, und die Sirene erwies sich als ein viel wirksamerer Apparat,
d) Kanonen. Die Explosion einer 3 Pfund-Ladung Schiefspulver aus der
Mündung einer Kanone ist häufig als eine nützliche Art Schallsignal aufgenommen
worden und an verschiedenen Stationen während vieler Jahre in praktischem
Dienst gewesen. Als nachtheilig hat sich die kurze Dauer des Schalles erwiesen,
infolgedessen kann dieser Schall durch ein lokales Geräusch übertönt oder durch
einen Gegenwind auf eine sehr kurze Entfernung ausgelöscht werden, In die
Versuche zu South Foreland waren zwei Arten von Kanonen eingeschlossen,
nämlich der lange Achtzehnpfünder und eine kurze Haubitze.‘
e) Zungenhörner. Als im Jahre 1874 die Versuche in Angriff genommen
wurden, war während einiger weniger Jahre ein Zungenhorn in Thätigkeit ge-
wesen; dasselbe wurde angeblasen durch komprimirte Luft, die von einer
Ericesonschen Heifsluftmaschine erzeugt wurde. Der ganze Nebelsignalapparat
war C. L. Dobell in New York patentirt. Typen dieses Apparates wurden zu
South Foreland versucht. .
f) Sirenen. Als Ergebnifs des Besuches der Vereinigten Staaten. im
Jahre 1872 durch ein Trinity House Committee wurden Anordnungen getroffen,
nach denen ein neuer Apparat, „Sirene“ genannt und von A. F. Brown in
New York konstruirt, zur Prüfung nach England gesandt werden sollte. Der-
selbe wurde ebenfalls in die Versuche zu South Foreland eingeschlossen. Auf
das Princip dieses Apparates wird später zurückgekommen werden.
Ergebnisse der Versuche von 1874. Im Allgemeinen kann in Bezug
auf die im Jahre 1874 geprüften Instrumente gesagt werden, dafs die Sirene
ihre Ueberlegenheit über alle anderen Schallerreger, mit denen sie verglichen
worden war, klar zeigte. Sie erwies sich ihnen überlegen in Schallstärke, in
durchdringender Kraft und in der Fähigkeit, entgegenstehende Einflüsse zu
überwinden. Demzufolge ist das Sirenenprincip seither für die grofse Mehrzahl
der Nebelsignale an den britischen Küsten angenommen worden, ebenso für die
Küsten Frankreichs und anderer europäischer Länder, während in den Ver-
einigten Staaten Nordamerikas ihre Anwendung sehr erheblich ausgedehnt
worden ist.
Aenderungen seit 1874.
Die vorhergehende Darstellung zeigt den ‚Stand der Frage der Nebel-
signale beim Abschlufs der Versuche des Jahres 1874; -Seit dieser Zeit haben
verschiedene Aenderungen und Entwickelungen von gröfserer” vodor geringerer
Wichtigkeit in ‚Verbindung mit den angewandten Apparaten stattgefunden.
Mechanische Aenderungen, von denen weiter gesprochen werden soll, wurden
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