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Volltext : Annalen der Hydrographie und maritimen Meteorologie, 30 (1902)

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Annalen der Hydrographie und Maritimen Meteorologie, Juli 1902,

Versuche vom Jahre 1874.
So konnte bereits vor zwanzig Jahren über einige sehr wichtige Versuche
berichtet werden, die in den Jahren 1874/75 auf Veranlassung der „Trinity
House Corporation“ mit der unschätzbaren Beihülfe von Professor Tyndall,
dem damaligen wissenschaftlichen Berather der Korporation, ausgeführt worden
waren.
Fortpflanzung des Schalles im Nebel. Damals war nachgewiesen
worden, dafs, entgegen der allgemein gefafsten Meinung, das Bestehen von
Nebel der Fortpflanzung des Schalles durch die Luft nicht ungünstig war; dies
war von sehr grofser Bedeutung, da sich somit zeigte, dafs gerade zu der Zeit,
zu der keine andere Art des Signalisirens zur Geltung kommt, der Schall anwendbar
 ist und die besten Wirkungen geben würde, und ferner auch, dafs die
Ergebnisse von Versuchen bei klarem Wetter auch für nebliges Weiter, wahrscheinlich
 sogar noch in erhöhtem Grade. als zutreffend angenommen werden
konnten. !)
Akustische Wolken. Professor Tyndall verkündete damals die
Theorie der akustischen Wolken in der Atmosphäre, welche nachtheilig auf die
Fortpflanzung des Schalles in der Atmosphäre wirken. Solche Wolken sollen
durch Luftströme von verschiedener Temperatur oder Dunstsättigung gebildet
werden; Schallwellen, die diese Schichten von verschiedener Dichtigkeit treffen,
sollen mehrfach reflektirt werden, so dafs ihre Kraft zerstreut wird und verloren
geht. Diese Theorie, obwohl sehr geistreich, scheint nicht einmüthige Annahme
in den wissenschaftlichen Kreisen gefunden zu haben, und es bestehen noch
Zweifel, ob sie eine wahre Erklärung abgiebt für gewisse Erscheinungen in
Bezug auf das Verschwinden des Schalles bei schönem, sichtigem und ruhkigem
Wetter, welches Verschwinden während der Versuche bei South Foreland festgestellt
 wurde, Indessen, wie dem auch sein mag, die Frage des Sendens von
Schallsignalen durch Nebel wird dadurch nicht wesentlich berührt, da als Regel
bei herrschendem Nebel die Temperatur und Sättigung der Luft über dem Nebelgebiet
 gleichförmig!) und diese Gleichartigkeit für die Bildung akustischer
Wolken nicht günstig ist.
Schallschatten, Unter anderen bei den Versuchen von 1874 beobachteten
 Thatsachen, betreffend die Fortpflanzung des Schalles, zeigte es sich,
dafs der Schall, der von einem an der Küste aufgestellten Apparate ausgeht,
erheblich durch hervorspringende Landspitzen gestört und somit ein Schallschattengebiet
 gebildet werden kann. Ferner war ein ähnlicher Effekt darauf
zurückzuführen, dafs die Schallwellen die ihnen zugewandte Seite einer benachbarten
 Klippe trafen; die dadurch reflektirten Wellen erzeugten dann, wenn sie
in anderer Richtung als die direkten Wellen liefen, eine solche Interferenz, dafs
der direkte Schall stark geschwächt und selbst ganz ausgelöscht wurde.
Windwirkung. Die allgemeine Annahme einer hindernden Wirkung
des Windes, wenn er in einer Richtung, entgegengesetzt der Schallfortpflanzung,
weht, wurde vollständig bestätigt;®) es wurde auf Grund der Untersuchungen
anerkannt, dafs ein Gegenwind von gewisser Stärke für die mächtigsten damals

1) Die Herren Professor Mohn („Ann. d. Hydr. etc.“, 1393, S. 251) und Professor Henry
(„Ann. d. Hydr, ete.“, 1895, S. 187) haben ihrerseits gefunden, dafs Nebel an sich keinen Unterschied
in der Hörbarkeit des Schalles macht. Mohn spricht sich (a. a. O.) insbesondere folgenderweise
aus: „Im Nebel und dicken Wetter, wenn die Nebelsignale gegeben werden, sind die Hörweiten
dieser ebenso schwankend wie in den Beobachtungstagen, an welchen die Luft rein war.“ Es dürfte
auch in der That nicht für alle Fälle aus dem Bestehen des Nebels auf Gleichmäfsigkeit der Temperatur
 mit Sicherheit zu schliefsen sein, da manche Nebelbildung eben durch 'Temperaturunterschiede
bewirkt wird und jedenfalls in der Zeit der Entwickelung oder der Abnahme des Nebels beträchtliche
 Unterschiede auch in der Sättigung der einzelnen Luftschichten mit Wasserdampf bestehen.
Ferner hat Mohn („Ann. d, Hydr. etc.“, 1892, S. 125) darauf hingewiesen, dafs eine hohe Temperatur
 und Feuchtigkeit in den niederen Schichten der Atmosphäre, aber mit rascher Abnahme mit
der Höhe auffallend kurze Hörweiten geben. Dies ist nun bei manchen Nebelbildungen der Fall,
so auch bei dem am 22. Februar 1901 am Goldenen "Thor („Ann. d. Hydr. ete.“, 1902, S. 306)
herrschenden Nebel, dessen Höhe wahrscheinlich nicht viel über 100 m betrug. Dieser Umstand trug
also jedenfalls. mit zur Unhörbarkeit der Nebelsignale an diesem ‘Tage bei, D. Red.
2) Indefs sind Fälle beobachtet, in denen der Schall gegen den Wind weiter gehört wurde
als in der Richtung des Windes. Diese Erscheinung ist einem dem Unterwind entgegengesetzt
wehenden Oberwinde zuzuschreiben („Ann, d. Hydr. ete.“, 1895, S. 187). D. Red.
            
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