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Full text: Annalen der Hydrographie und maritimen Meteorologie, 30 (1902)

Price-Edwards, E.: Schallsignale, 
BR 
Schallsignale. 
Vortrag, gehalten in der „Society of Arts“ in London 
von E., Priee-Edwards. 1) 
Die Navigirung nahe dem Lande ist ohne Zweifel schwieriger und ge- 
fährlicher als auf dem offenen Ozean. Mit weitem Seeraum um sich ist ein 
fähiger Schiffsführer, selbst wenn der Wind als schwerer Sturm bläst und die 
Wellen berghoch laufen, weniger besorgt, als er dies nahe dem Lande zwischen 
angen Kanälen, Felsen und Untiefen und mit Küsten in Lee, die ihn auf allen 
Seiten bedrohen, sein würde. Seit den frühesten Zeiten der Schiffahrt ist man 
bestrebt gewesen, Seezeichen aufzurichten, durch die der Seefahrer unterstützt 
werden sollte, sein Schiff durch die Kette von Gefahren, welche die Küste um- 
geben, sicher hindurchzubringen. In den alten Zeiten boten sich zu diesem 
Zwecke Schlösser, Kirchthürme, Festungsthürme, Baumgruppen und andere her- 
vortretende Gegenstände von selbst dar und wurden von dem Seemann am Tage 
als Marken benutzt, und hier und da wurde von. einem Thurm zur Nachtzeit 
ein loderndes Feuer gezeigt. Seit diesen frühen Tagen hat sich die Lage der 
Dinge in der Schiffahrt vollständig geändert; heute werden die Gewässer an 
den Seeküsten in jedem Theile des Erdballes von. Schiffen aller Art durch- 
schnitten, von den dampfenden und segelnden Leviathans an, die den Seehandel 
aller Völker tragen, bis zu den kleinen Küstenfahrern, die den lokalen Schiffs- 
verkehr bilden. Um diesem ungeheuren Verkehr zu dienen, um beizutragen zum 
Schutze der Tausende von kostbaren Menschenleben und der unermefßlichen 
Werthe an Bord dieser unzählbaren Schiffe, werden mit grofser Mühe kost- 
3spielige Leuchtthürme errichtet, die bei Nacht mächtige Lichtstreifen entsenden; 
Feuerschiffe werden verankert an Stellen, wo sie am Tage wie Schildwachen 
auf See stehen und in der Nacht mit ihren Strahlen die umgebenden Gewässer 
bestreichen; Tausende schwimmender Tonnen von verschiedener Gestalt und 
Farbe (viele von ihnen erleuchtet durch komprimirtes Gas, das in ihren Hohl- 
räumen aufgespeichert ist) sind verlegt, um das Fahrwasser zu bezeichnen oder 
naheliegende verborgene Gefahren zu kennzeichnen. 
Unter gewöhnlichen atmosphärischen Verhältnissen leisten diese zahl- 
reichen Land- und Seezeichen dem grofsen Zuge der Schiffe, die die Küsten- 
gewässer durchfahren, unschätzbaren. Dienst. Aber sobald wie Nebel auf See 
einsetzt, werden die Leuchtthurmsterne erster Gröfse, die freundlichen Strahlen 
der Leuchtschiffe und der grofse Haufe schwankender Tonnen mit ihren schwach 
schimmernden Lichtern alle überwältigt und nutzlos gemacht. Nichts ist sicht- 
bar als der Nebel allein; die Gefahren der Seefahrt werden sehr vergröfsert, 
und der Kapitän ist allein angewiesen ‚auf Kompafs, Karte und Loth, um seinen 
Weg zu machen, so gut er kann. 
Zu einer solchen Zeit kann der Seemann mit angespannter Aufmerksam- 
keit nur langsam seinen Weg durch das verdächtige Unbekannte weitertappen, 
in ängstlicher Sorge, aus seinem Kurs zu kommen, auf einer Sandbank zu 
stranden, auf eine Klippe aufzulaufen oder mit einem anderen Schiffe zu kolli- 
diren. Um den Seeleuten unter solchen Verhältnissen Hülfe zu gewähren, war 
es nothwendig, ein System zu schaffen, durch das Warnungs- oder Leitsignale 
einem von Nebel besetzten Schiffsführer zukommen zu lassen möglich war, 
Signale, die ihm sagen sollten, wo er sich befände, und ihm auf seinen Weg 
helfen sollten. Bis zur neueren Zeit hat man gefunden, dafs der Schall das 
einzige Mittel ist, das zu diesem Zwecke praktisch dienstbar gemacht werden 
kann. Daher ist schon vor vielen Jahren der Herstellung Schall erzeugender 
Apparate von großer Wirkung, die auf zweckdienliche Entfernung zu hören sind, 
ernsteste Beachtung geschenkt worden. 
4) Dieser Vortrag stellt die Entwickelung und den derzeitigen Stand der Frage der Schall- 
signale, insbesondere in England, dar. Er ist veröffentlicht in „Journal of the Society of Arts“, 
1902, Vol. L, S. 315 u, £ 
Ans. d, Hydr. etc., 1902, Hoft VII.
	        
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