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Volltext: Annalen der Hydrographie und maritimen Meteorologie, 30 (1902)

Schwalsmann, A.:. Der. Stereocomparator. 
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spricht er von dem wunderbaren Eindruck, den die stereoskopische Erkennung 
der gewölbten Meeresoberfläche zu machen im Stande sei. i 
Aber, die. Basis über die Dimensionen unseres Erdkörpers erweiternd, 
kann der Stereocomparator,. wie wir bereits gesehen haben, zur Bestimmung 
von Fixsternparallaxen benutzt werden. Was allein dieser eine Vortheil be- 
deutet, erkennt man am deutlichsten, wenn man sich vergegenwärtigt, von wie 
wenigen Sternen man heutzutage die Parallaze nur kennt. ; Es giebt nur etwa 
50 sicher bestimmte Sternparallaxen, deren Werthe sämmtlich innerhalb einer 
Bogensekunde liegen; nur vier dieser Werthe sind gleich 0,5“ oder gröfser, 
und nur 20 erreichen einen Betrag von 0,2“ bis 0,5“. Der Grund für die 
geringe Zahl der uns bekannten Fixsternparallaxen liegt zum Theil .in..der 
Umständlichkeit der Methoden, sie durch die Beobachtung zu finden. Mühevoll 
mufs durch. ein ganzes Jahr hindurch die Distanzdifferenz eines wegen gröfserer 
Parallaxe verdächtigen Sternes gegen die Nachbarsterne bestimmt, werden; um 
endlich aus einer großen Zahl von Beobachtungen. ersehen zu ‘können, ob. sich 
die Dimensionen. .der ungeheuer kleinen Ellipse, welche der betreffende Stern 
als Spiegelbild der Erdbahn beschreiben mufs, eruiren lassen. Sehr oft, ja 
meistens ist das Resultat negativ und alle Mühe vergeblich, nicht zum Seltensten 
aus dem Grunde, weil gerade einer oder mehrere der als fest angenommenen 
Nachbarsterne sich selbst stark bewegt hat. 
Mit dem Stereocomparator betrachtet, erhält man aus den photographischen 
Aufnahmen jedoch einen sofortigen Aufschlufs darüber, ob eine etwa vermuthete 
starke parallaktische Verschiebung vorhanden ist oder nicht. ‘In diesem Falle 
muß der betreffende Stern‘ aus der fernen Ebene, in der sich die übrigen 
Sterne zu gruppiren scheinen, heraustreten, und das stereoskopische Meßprincip 
gestattet auch, den ungefähren Betrag. der Parallaxe sofort anzugeben. ‘ Zum 
Mindesten wird also der Stereocomparator eine Entscheidung darüber geben, 
ob die. mühevolle Arbeit einer exakt am Himmel durchzuführenden Parallaxen- 
bestimmung lohnen würde. ' 
Jedoch es ist nicht nur diese hohe praktische Bedeutung für die exakte 
Messung, welche den Stereocomparator auszeichnet, sondern er besitzt auch einen 
hohen didaktischen Werth und erweitert unsere ganze Anschauung..über die 
räumliche Anordnung der kosmischen Materie. Es ist eine wunderbar genuls- 
volle Sache, zum ersten Male eine solche räumliche Vertheilung der Himmels- 
körper mit eigenen Augen zu schauen. Es kann sich jetzt Jeder hiervon über- 
zeugen, weil die Firma Zeifs allen Interessenten Stereoskopbilder vom Saturn 
und seinen Monden zur Verfügung stellt, welche eine Reproduktion von Auf- 
nahmen des Herrn Professor Wolf in Heidelberg sind. Die Aufnahmen: sind 
am 9. bezw. 10, Juni 1899 gemacht. Als Basis hat also — abgesehen von den 
Eigenbewegungen des Saturns und seiner Monde — der von der Erde im Laufe 
eines Tages zurückgelegte Theil der Erdbahn gedient. Der so erhaltene Augen- 
abstand genügt, um, im gewöhnlichen Stereoskop betrachtet, den Saturn mit 
seinen Monden freischwebend im Raume vor der dahinter liegenden Fixstern- 
ebene erscheinen zu lassen. Dieses Stereoskopbild wurde auf der Astronomen- 
Versammlung in Heidelberg im August 1900 zum ersten Male gezeigt, und. es 
zeigte schon damals, dafs man auf diesem stereoskopischen Wege noch weit in 
das Weltall zu dringen vermöge. 
‚In der That gehen die Ziele des Stereocomparators noch weit über die 
Grenzen unseres Sonnensystems hinaus. Die Sonne bewegt sich bekanntlich 
mitsammt dem Planetensysteme mit einer Geschwindigkeit im Weltall weiter, 
welche von nahezu gleicher Gröfsenordnung ist, wie die Geschwindigkeit der 
Erde in ihrer Bahn um die Sonne. Vorläufig kennen wir die Bewegungsart 
noch nicht genau genug. Wir müssen sie daher vorerst als geradlinig annehmen, 
Lassen wir nun statt eines halben Jahres zwischen den photographischen Auf- 
nahmen einer bestimmten Himmelsgegend eine Zwischenzeit von 1, 2, 3 u.8.w, 
Jahren liegen, so erhalten wir eine Basis von nicht nur — wie vorhin — zwei 
Sonnenweiten, sondern von rund 6, 12, 18 u. s. w. Sonnenweiten, wenn wir die 
Geschwindigkeit des Sonnensystems zu 30 km annehmen. Theoretisch ist also 
die Möglichkeit gegeben, dafs wir mit Hülfe des Stereocomparators unter An- 
wendung der Photographie im Laufe der Zeit einen völligen Einblick in die 
räumliche Vertheilung der Fixsterne und vor Allem auch der ungeheuren kos-
	        
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