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Annalen der Hydrographie und Maritimen Meteorologie, Juli 1902,
regulirung der Oculare, welche bei t ablesbar ist, und vor Allem auch auf die
Mikrometerschraube m, welche die Gröfse der Bildverschiedenheiten zu messen
gestattet. Die Mefsmarken selbst bestehen aus je einem kurzen vertikalen Striche.
Was der Stereocomparator principiell leistet, ist im weitesten Sinne zunächst,
dafs er ermöglicht, zwei unter sich gleicher Bilder irgend welcher Art durch gleich-
zeitige Erweckung von Bildeindrücken im Gehirn miteinander zu vergleichen und
hierdurch die geringsten Bildverschiedenheiten sofort ins Auge fallen zu lassen,
Diese Bildverschiedenheiten können zweierlei Art sein, erstens zufällige, welche
mit der räumlichen Vertheilung nichts zu thun haben, oder zweitens parallaktische
Verschiebungen infolge der Basis der beiden Aufnahmen. Die hohe Bedeutung
der Erkennung der erstgenannten Verschiedenheiten erhellt sofort aus folgenden
Beispielen der Anwendung. Die Prüfung von Kassenscheinen und Münzen
zwecks Feststellung von Fälschungen, die Unterscheidung von Nachdruck und
Originaldruck, die Erkennung von Theilungsfehlern von Mafsstäben sowie die
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Auffindung von Plattenfehlern bei photographischen Aufnahmen, insbesondere
bei Himmelsaufnahmen, bei welchen die Fehler oft den Sternen täuschend
ähnlich sind, ferner die Wahrnehmung einer. veränderlichen Sternhelligkeit von
einer photographischen Aufnahme zur anderen u. v. A. mehr, alle diese Dinge
ermöglicht der Stereocomparator zu erfassen.
Jedoch noch bedeutungsvoller ist seine Anwendung auf die durch die
räumliche Vertheilung der photographirten Objekte bedingten Bildverschieden-
heiten. Auch hier ist die Fülle der Aufgaben so grofs, dafs die ganze Leistungs-
fähigkeit des Apparates noch gar nicht abzusehen ist. Er kann topographischen
und photogrammetrischen Zwecken in der Landschaft so gut dienen wie der Be-
stimmung der Höhen von Wolken und Sternschnuppen. Insonderheit sei hier
auf die Bedeutung hingewiesen, welche der Apparat für die Nautik besitzt,
indem er zur Anfertigung von genauen Küstenbildern aus zwei geeignet auf-
genommenen Aufnahmen benutzt werden kann. Herr Dr. Pulfrich schildert
z. B. ein wie wunderbar fein ausgearbeitetes Hochgebirgsmodell einige
Photographien aus den Steiner-Alpen mit der Ojstrica-Spitze dargestellt hätten,
welche er vom Militär-Geographischen Institut in Wien empfangen hatte; auf
2000 m Entfernung waren mit Hülfe des Mikroskop-Stereoskops Tiefenunter-
schiede im Betrage von 1’% m als solche noch deutlich erkennbar. Ebenso