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Full text: Annalen der Hydrographie und maritimen Meteorologie, 30 (1902)

Schwafsmann, A.: Der Stereocomparator, 
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bei den Zeifsschen Entfernungsmessern im äufsersten Falle bis zu 1!/2 m er- 
weitert worden, so dafs der Radius des stereoskopischen Feldes bereits durch 
die Basisvergröfserung allein sich um das 30fache des Feldes bei freiem ‚Sehen 
erweitert hat, also bis zu dem hohen Werthe von ‚rund 10 km gewachsen ist. 
Es ist aber zu bedenken, dafs das stereoskopische Feld noch in einer 
zweiten Weise erweitert werden kann, indem man nämlich das betrachtete Bild 
optisch vergröfsert. Durch die lineare Vergröfserung des. Bildes werden alle 
Bildverschiedenheiten entsprechend mitvergröfsert, und dementsprechend wächst 
naturgemäfs die Empfindlichkeitsgrenze für die Wahrnehmung der kleinsten 
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Unterschiede durch das Auge. Der Entfernungsmesser leistet . entsprechend 
seiner Vergröfserung also noch mehr, und auch beim Stereocomparator ist die 
Bildvergröfserung von höchster Bedeutung für die Genauigkeitsgrenze der 
Beobachtung. 
Theoretisch steht nun nichts dem im Wege, die Dimensionen der Basis 
beliebig, selbst bis zu Fixsternfernen, zu erweitern, und eben diese Möglichkeit 
zu realisiren, hat der um die. ganze Ausbildung des stereoskopischen Mef(sver- 
fahrens hochverdiente Mitarbeiter der Firma Carl Zeifs, Herr Dr. Pulfrich, 
in kühner Weise unternommen. Der grundlegende Gedanke ist hierbei, sich die 
Himmelsphotographie nutzbar zu machen. Man photograpbirt eine Himmels- 
gegend heute und nach einem halben Jahre wieder, legt diese beiden Platten 
richtig justirt dieses Mal nicht unter ein stereoskopisch angeordnetes Fernrohr, 
sondern Mikroskop und betrachtet nun die beiden Himmelsgegenden wie von 
zwei Punkten der Erdbahn aus, welche sich diametral gegenüberliegen, also um 
die doppelte‘ Sonnenentfernung voneinander entfernt sind, mithin 40 Millionen 
Meilen auseinander liegen. Das Instrument, mit welchem man diese kosmischen 
Stereoskopbilder betrachtet und ausmilst, ist der Stereocomparator. 
Die umstehende Fig. 4 zeigt die äufsere Ansicht des Stereocomparators, 
dessen Einrichtung nach dem Vorangehenden sofort verständlich sein wird. Die 
beiden Platten P, und P, liegen auf einem in der Art eines Lesepultes auf- 
gebauten Schlitten D, welcher ermöglicht, gleichzeitig beide Platten seitlich 
auf dem Rahmen E zu verschieben. Eine Verschiebung in der dazu senkrechten 
Koordinate von oben nach unten wird dadurch gewährt, dafs dieser ganze 
Rahmen E als solcher auf zwei Schienen vermittelst der Kurbel V auf- und 
niederbewegt werden kann. So ist es möglich, jede beliebige Stelle der Platten 
anter das — an. dem über die Platten gebogenen Träger befestigte — 'stereo- 
skopische Mikroskop zu bringen, dessen Objektivöffnungen bei K., bezw. K, und 
dessen Oculare bei OÖ, bezw. 0, sich befinden. Um nun weiterhin eine genau gleiche 
Lage jeder Platte gegen das zugehörige Mikroskop erzielen zu können, ist ihre 
Distanz voneinander, sowie ihre gegenseitige Höhenlage justirbar, und schliefslich 
ist auch vorgesehen, dais jede der Platten um ihren Mittelpunkt im Positions- 
winkel gedreht werden kann. ‚Alle Justirvorrichtungen gestatten selbstverständlich 
eine genaue Ablesung an den in der Figur sichtbaren linearen Skalen bezw, 
Kreistheilungen. Die Beleuchtung der Platten geschieht von unten her durch 
die beiden Spiegel S. Auf die optische Konstruktion der stereoskopischen 
Miskroskope näher einzugehen, würde zu weit gehen; sie enthält naturgemäfs 
ähnliche Prismenkonstruktionen wie der Entfernungsmesser, Hingewiesen sei 
nur auch: hier wieder auf die stets für jeden Beobachter nothwendige Distanz-
	        
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