350 Annalen der Hydrographie und Maritimen Meteorologie, Juli 1902,
liegt die Pfeilspitze dann in p„,‘). Dieses Messungsprincip wird mit dem Princip
der „wandernden Marke“ bezeichnet.
Es ist gewissermafsen die Verfeinerung des Prineips der festen Marken,
welche bei den Entfernungsmessern benutzt wird. Bei diesen ist eine gröfsere
Reihe von künstlichen Marken in den Gang der Lichtstrahlen gesetzt, welche
sich infolge ihres paarweise gröfser werdenden Abstandes immer weiter in die
Ferne der Landschaft hineinprojiciren. Da die Marken so gewählt sind, dafs
sie anfangs einer Entfernungsänderung von 10 m, später von 100 m entsprechen,
so ist die Ablesung der gesuchten Entfernung eines Objektes direkt im Gesichts-
felde und daher sehr schnell möglich, so dafs man selbst die Distanz kurz
dauernder Erscheinungen z. B. eines Geschofseinschlags oder eines vorüber-
fiegenden Vogels genau erfassen kann.
fs mag hier wenigstens erwähnt werden, dafs der Grundgedanke dieser
Mefsmethode von dem verstorbenen Ingenieur Hector de Grousilliers in
Charlottenburg der Firma Carl Zeifs mitgetheilt wurde, dafs es aber das Ver-
dienst der Firma ist, das Princip in einer ausgezeichnet praktischen Weise ver-
wirklicht zu haben.
Es fragt sich nun vor Allem weiter, wie klein der Winkel bei P sein
darf, damit man gerade noch eine Abweichang von der Parallelenstellung wahr-
nehmen kann; denn nur dann kann man natürlich noch von einer Entfernungs-
bestimmung reden, Es ist ohne Weiteres klar, dafs der Winkel bei P abhängt
ainerseits von der Augendistanz A,, d.h. von der Basis des stereoskopischen
Sehens, und andererseits von der durch die Erfahrung festzustellenden Em-
pfindlichkeitsgrenze der Sehthätigkeit.
Es sei daher zunächst bemerkt, dafs der Augenabstand der Menschen im
Allgemeinen zwischen 58 und 72 mm beträgt, also immerhin eine ziemlich
varlirende Basis bietet.
Als Empfindlichkeitsgrenze hat sich für das freie Sehen bei einem
mittleren Augenabstande der Winkelwerth von !/2 Bogenminute ergeben, mit
anderen Worten, der Radius des „stereoskopischen Feldes“, innerhalb dessen
man bei unbewaffneten Augen und mittlerem Augenabstande von 65 mm noch
Entfernungen messen kann, beträgt bei normal veranlagten Augen 450m. Herr
Dr. Pulfrich hat jedoch gefunden, dafs es Beobachter giebt, welche bei freiem
Sehen Tiefenunterschiede bis zu 10“ und noch weniger wahrzunehmen vermögen.
Zusammenfassend kann man also sagen: DasPrincipderstereoskopischen
Entfernungsmessung besteht also nach dem Gesagten in der Möglich-
keit, zweiirgend wie markirte Punktein die Gegend hineinzuprojiciren,
sie durch Variation ihres Abstandes mit einem beliebig entfernten
Objekte P des Raumes zur Deckung zu bringen und aus ihrem gegen-
seitigen Abstande die Entfernung des anvisirten Objektes berechnen
zu können. Der kleinste, normalsichtigen Augen wahrnehmbare
Convergenzwinkel beträgt dabei '/4‘, und der Radius der Kugel,
innerhalb welcher man mit normalen Augen stereoskopische Kin-
drücke noch wahrnehmen kann. ist mithin gleich dem 7000 fachen
der Basis.
Es ist nun ohne Weiteres klar, dafs man mit dieser Methode weite Räume
stereoskopisch beherrschen kann, wenn man im Stande ist, die durch den Augen-
abstand gegebene Basis künstlich zu erweitern, und alle Erfolge des stereo-
skopischen Entfernungsmessers beruhen insofern mit auf einer Helmholtzschen
Erfindung, auf seinem Telestereoskup, welches durch Einschaltung von Prismen
in den Gang der Lichtstrahlen gestattet, die Objektive eines Doppelrohres weiter
als den Abstand der Oculare auseinanderzurücken. Die beistehende Fig. 3 giebt
den Verlauf der Lichtstrahlen im Entfernungsmesser wieder. Die Lichtstrahlen
kommen in der Richtung des Pfeiles, werden durch das Prisma P, bezw. P, in
die eigentlichen Fernrohrobjektive 0, bezw. O0, gesandt. Durch das Porrosche
Umkehrprisma U, bezw. U, werden dann die Strahlen nach dreimaliger Total-
ceflexion unter 45° Einfallswinkel dem Ocular Oc. bezw. dem Auge A, und A,
zugeführt. Dabei ist noch zu bemerken, dafs das Instrument die Möglichkeit
bietet, den Ocularabstand zwischen 58 und 72 nun beliebig einzustellen. Die vom
Auge aufgefangenen Bilder entsprechen so den Ansichten, welche die Landschaft
von den Prismen P, und P, aus gewährt. Auf diese Weise ist z. B. die Basis