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Full text: Annalen der Hydrographie und maritimen Meteorologie, 30 (1902)

Kleritj, L.: Konstruktion der Paralle]lkreisbilder im Netze der Mercator-Projektion. 
folglich ist 
N 
= u 
= r, Sin — 
rt 
347 
(10) 
oder 
a U— 
‚4x 
Diese Gleichung (11) zeigt die eigenthümliche Verwandtschaft der Ab- 
stände u und %” in den beiden Projektionen. 
Der Stereocomparator. : 
Von Dr. A. Schwafsmann, Öbservator an der Sternwarte in Hamburg. 
Es ist eine allgemein bekannte Thatsache, .dafs beim Sehen mit nur 
einem Auge alle Gegenstände — die näheren wie die entfernteren — in einer 
Ebene zu liegen scheinen... Nur die durch das tägliche Sehen mit zwei Augen 
und durch die. eigene Ortsveränderung erhaltene Erfahrung ermöglicht es, dal 
eventuell auch bei einäugigem Sehen im Gehirn eine Vorstellung von der räum- 
lichen Vertheilung der Dinge zu Stande kommt... Betrachtet man aber.z. B. in 
einem unbekannten Gelände bei Nacht ein mit einer grofsen Zahl von Lichtern 
besätes Gebiet, etwa auf einem Eisenbahnterrain der.Grofsstadt, so wird es bei 
Benutzung nur eines Auges nicht möglich sein, eine richtige Vorstellung über 
die räumliche Vertheilung der Lichter zu erhalten, es sei denn, dafs man die 
Erfahrung zu Rathe ‚zieht, dafs die heilsten Lichter im Allgemeinen die nächsten 
sein werden... Einen Entfernungsunterschied wird man bei einäugiger Betrach- 
tung nur dort konstatiren können, wo.ein näher gelegener Gegenstand einen 
entfernteren zum Theil verdeckt, wie z. B. etwa wenn der. Merkur oder die 
Venus vor der Sonnenscheibe vorüberzieht. 
Ganz anders gestaltet. sich aber die räumliche Auffassungsweise, wenn 
man mit zwei Augen gleichzeitig beobachtet. Es kommen hierbei zwei. infolge 
des Augenabstandes nicht congruente, sondern mehr oder weniger verschiedene 
Bilder auf der Netzhaut zu Stande. ‘Durch die Verschmelzung dieser. beiden 
gleichzeitig von den Sehnerven aufgenommenen Bilder im Gehirn gelingt es, 
eine wirkliche Raumvorstellung zu. erhalten, und auf Grund dieser Raumvor- 
stellung werden wir befähigt, Entfernungen zu schätzen.. 
Obwohl nun. die Fähigkeit des Entfernungsschätzens auf Grund des 
stereoskopischen Sehens eine allgemein bekannte Thatsache ist, und man auch 
durch Stereoskope längst verstanden hat, aus dem Anschauen zweier künstlich her- 
gestellter, unter sich verschiedener Bilder .die räumliche Vorstellung nachträglich 
wieder künstlich zu erwecken, 80 ist doch die hohe Bedeutung dieser menschlichen 
Fähigkeit des stereoskopischen Sehens für die Lösung einer grofsen Reihe von 
Problemen erst in dem letzten Jahrzehnt in ihrem vollen Umfange erkannt 
worden. Es hat zwar in früherer Zeit nicht an Hinweisen auf die mögliche 
Ausnützung dieser Fähigkeit gefehlt, auch nicht an solchen auf die Anwendbar- 
keit für astronomische Zwecke; aber es ist zumeist bei dem Gedanken allein 
geblieben, oder, wo eine Realisirung desselben eingetreten ist, wie z. B. vor 
43 Jahren durch Warren de la Rue, welcher‘ seine Mondaufnahmen stereo- 
skopisch betrachtete, ist ihr keine weitere Beachtung geschenkt worden. 
Es ist das. Verdienst der Firma Carl Zeifs in Jena, durch Anfertigung 
sinnreich konstruirter optischer Hülfsmittel in einer leicht handhabbaren Form 
den hohen Werth der Stereoskopie dargethan und die allgemeine Anwendung 
derselben auf eine grofse Reihe der verschiedenartigsten Aufgaben ermöglicht 
zu haben. Mitte der neunziger Jahre erschienen zuerst die sogenannten Relief- 
fernrohre, welche durch die vergröfserte Entfernung der beiden Objektive der 
Doppelrohre,. d. i. durch die künstliche Erweiterung des Augenabstandes, eine 
wunderbare stereoskopische Wirkung bei der Betrachtung von Landschaften 
gestatten. Diesen Relieffernröhren schlossen sich am Ende der neunziger Jahre 
die auf dem gleichen Princip beruhenden Distanzmesser an, welche mit dem
	        
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