Börgen, C.: Anwendung der Thomsonschen Sumner-Tafeln :zur Ermittelung. der. Gestirnshöhe, 339
Da die Tafel nur spitze. Winkel giebt, so ist.in solchen Fällen, wo
nach der. Natur der Aufgabe ein stumpfer Winkel auftritt; die Er-
gänzung des. Tafelwerthes zu 180° zu nehmen. . ;
_ Die Regeln für die Ermittelung der Gestirnshöhe mit Hülfe der Thomson-
schen Tafeln sind dann folgende: . .
. 1. Man sucht eine der mit a überschriebenen Columnen auf, in welcher
nebeneinander genäherte Werthe für die gegebene Deklination (unter co — hyp)
und. den ebenfalls gegebenen, in Winkelwerth ausge-
drückten, Stundenwinkel (unter A) sich vorfinden. —
Um diese. Columne rascher auffinden..zu können, ist in
der. deutschen Ausgabe der Tafeln am. Schlusse der Er-
läuterungen eine kleine Tabelle angefügt, welcher mit
den Argumenten Deklination und Stundenwinkel diese
Columne oder mindestens eine benachbarte entnommen
werden kann. — Ist die Columne a gefunden, so inter-
polire man zwischen den Tafelwerthen co— hyp = 0,
A = | = dem genäherten Stundenwinkel und b derart,
dafs die interpolirte co— hyp = der gegebenen Dekli-
nation wird. Der Gröfse bh ist für: t—>90° das
negative Vorzeichen zu geben, weil in diesem
Falle der Punkt A (s. Figur) jenseits des Pols P fällt. Wenn Breite und
Deklination ungleichnamig sind,. so wäre nach dem Vorhergehenden für b,
welches dann, wie man mit Hülfe einer Figur leicht erkennt, > 90° wird, die
Ergänzung des Tafelwerthes zu 180° zu nehmen, es ist aber wohl bequemer,
anstatt dessen zwei Regeln aufzustellen, durch welche die beiden Fälle: Breite
und Deklination gleich- oder ungleichnamig, unterschieden werden.
2. Man bilde: .
a) wenn @ und d gleichnamig: B = 90° — (g + b) wenn g +b < 90°
. . = d-+b — 90° »„ g+b> 90°
b) wenn & und d ungleichnamig: B = 90° + —b
entnehme aus derselben Columne a für den Werth von b==B die Größen
co —.hyp = h‘ == der genäherten Gestirnshöhe und A — A‘== dem genäherten
Azimut. Wenn @ und d gleichnamig sind, so ist das Azimut > 90°, wenn
g+b<90° ist, weil dann der Punkt A zwischen Pol und Zenit bezw. über
den Pol hinaus fällt, wo b negativ ist.
3. Der unter 1‘der Tabelle entnommene Stundenwinkel t‘ wird in der
Regel nicht genau mit dem gegebenen Werthe t desselben übereinstimmen; es
müssen daher an h‘ und A’ noch Korrektionen angebracht werden, um die
wahren Werthe h und A zu erhalten. Diese Korrektionen sind:
4b =— —cosg sin A' 4t ; At=t—ft
dA = sing 4t— tg h‘cot A'2h
= AD 4t2) . p = parallaktischer Winkel
Ist A > 90°, so erhält AA das entgegengesetzte Vorzeichen, wenn man
es anstatt an A. selbst an den Tafelwerth, der = 180°— A ist, anbringt.
Die Koefficienten von At und Ah können kleinen Tabellen mit doppeltem
Eingange entnommen werden, und.da sich namentlich der Koefficient cos sin A‘
nur langsam ändert, so macht seine Entnahme nur wenig Mühe. Da man bei
der Methode von Marcq St. Hilaire das Azimut nur angenähert braucht, so
wird man die Verbesserung des genäherten Azimuts nur dann berechnen, wenn
man die Gestirnspeilung zur Deviationsbestimmung benutzen will.
Man ersieht hieraus, dafs die Benutzung der Thomsonschen Tafel die
folgenden kleinen Vortheile vor der russischen darbietet: 1, man bleibt bei
beiden Eingängen in derselben Rubrik a, während man in der russischen an
verschiedenen Stellen des Werkes suchen mufs; alles Blättern fällt also weg,
sobald einmal die richtige Columne a gefunden ist, was, auch wenn man es
verschmäht die Hülfstabelle zu benutzen, sicher nicht. mehr Zeit erfordert als
.
1) Die zweite Formel für 4A (und die analoge, später abzuleitende für Ap) wird man in
der Regel nicht benutzen, weil dieselbe den cosinus eines Winkels (p bezw. A) enthält, welcher sich
nicht unmittelbar ergiebt, sondern eine besondere Ableitung nöthig macht.
Ann. d. Hydr. ete., 1902, Heft YII