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Annalen der Hydrographie und Maritimen Meteorologie, Juli 1902.
gesuchten Gröfsen in derselben (mit a überschriebenen) Columne, was als eine
nicht zu unterschätzende Bequemlichkeit anzusehen ist.
Bei der russischen Tafel dagegen ist in dem Dreieck PAS das Horizontal-
argument == APS = Stundenwinkel (von Zeitminute zu Zeitminute) und das
Vertikalargument == 90°— PS = Deklination, und es werden gegeben die Werthe
der beiden Katheten SA = a und 90°— PA =b. In dem Dreieck ZSA ist
dagegen das Horizontalargument = ZA = 90° — p + b = B (von Viertelgrad zu
Viertelgrad) und das Vertikalargument = SA = a (also wie bei den Thomson-
schen Tafeln die beiden Katheten), gegeben werden in der Tafel 90° — ZS =
Höhe (Columne a) und AZS == Azimut des Gestirns (Columne b).
Aus diesen Angaben ergiebt sich leicht die bei beiden Tafelwerken für
die Ableitung der Höhe zu befolgende Methode. Das Verfahren der russischen
Tafel sei zuerst dargelegt, weil die Thomsonsche Tafel, dem Zwecke dieses
Aufsatzes entsprechend, ausführlicher behandelt und mit Beispielen erläutert
werden soll. Wir geben die Regeln so, wie sie sich aus den Formeln und
Beispielen des Buches ergeben.
l. Man geht mit dem auf volle Zeitminuten abgerundeten Stundenwinkel t
und der Deklination d in die Tabelle ein und entnimmt ihr für den genauen
Werth von d die entsprechenden Tafelwerthe a und b, was durch Angabe der
Gröfsen 13 und 42 für jede Zeile sehr erleichtert wird. Die Differential
quotienten gelten für die mittlere Columne; es würden demnach, streng ge-
nommen, für die äufseren Columnen etwas andere Werthe anzuwenden sein,
doch sind die Unterschiede so gering, dafs sie vernachlässigt werden können.
2. Man bildet B= 90° — 4b, wenn t<6", + je nachdem d + oder —
ist, oder B= 90°— + (180°— b), wenn t => 6* ist, Hierbei ist # um 4 so
zu ändern, dafs B auf den nächsten Viertelgrad abgerundet wird. Dann geht
man mit den Argumenten a und B (a ist in der mit d überschriebenen Columne
zu suchen, die Werthe von B stehen am Fulse der Tafel) in die Tafel ein und
antnimmt der Columne B die entsprechenden Gröfsen h und A. Das Azimut A
ist von {}} zu zählen, je nachdem B <= 90° ist.
3. Um die Wirkung der Fehler, welche durch Abkürzung des Stunden-
winkels auf volle Zeitminuten und der Breite, um B auf Viertelgrade abzurunden,
begangen wurden, wieder gut zu machen, hat man noch die Korrektionen
hinzuzufügen:
dh = Feos Adp— 7% cos co sin A At
dA = FtghsinA 4
worin das { obere } Vorzeichen zu nehmen ist, wenn A von | S } gezählt wird.
4g ist in Bogenminuten, At in Zeitsekunden auszudrücken. Kleine Hülfstafeln
am Schlusse des Buches ermöglichen die rasche Entnahme der Koeffcienten.
Man sieht aus dieser Darlegung, dafs man zweimal, und zwar an ver-
schiedenen Stellen derselben, in die Tafel eingehen mufs (einmal mit t und 0,
dann mit a und B), man hat also ziemlich viel zu blättern, eine kleine Un-
bequemlichkeit, die bei der Thomsonschen Anordnung wegfällt.
Ehe wir die Anwendung der Thomsonschen Tafel beschreiben, möge
bezüglich der Zählung der Winkel und der Vorzeichen Folgendes bemerkt werden:
L. Breite und Höhe werden stets als positiv angesehen.
2. Sind Breite und Deklination gleichnamig, so erhalten beide das Vor-
zeichen +, sind sie ungleichnamig, so erhält die Deklination das
Vorzeichen —; die Regeln für die Bildung des Argumentes B sind
daher für beide Fälle verschieden; sonst kommt die Verschiedenheit
les Vorzeichens nicht weiter in Betracht.
Stundenwinkel und Azimut zählen von dem Theile des Meridians aus,
welcher oberhalb des Horizontes vom Aequator geschnitten wird,
beiderseits von 0° bis 180° (auf der Nordhalbkugel also von Süd,
auf der Südhalbkugel von Nord aus).
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