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Full text: Annalen der Hydrographie und maritimen Meteorologie, 30 (1902)

29 Annalen der Hydrugraphie und Maritimen Meteorologie, Januar 1902, 
und für das östliche Fahrwasser vom Großen Belt nach der Ostsee an der Süd- 
seite von Seeland. Im ersten Theile des folgenden Abschnitts sind das Kattegat, 
seine Küsten, Inseln und Häfen beschrieben, während im letzten Theile An- 
weisungen für die Fahrt durch das Kattegat von Kopenhagen und den Grofsen 
Belt bis nach Skagen, sowie für den entgegengesetzten Weg bei klarem und bei 
unsichtigem Wetter gegeben werden. Der letzte Abschnitt endlich behandelt 
das Skagerrak, seine Küsten und Häfen von Marstrand bis zum Kap Lindesnaes 
und den Christianiafjord. Angaben über die für die Schiffahrt wichtigen Hülfs- 
mittel der hauptsächlichsten Häfen, über Eis- und Gezeitenverhältnisse, Leucht- 
feuer, Betonnung, Signale u. 8. w. und die Entfernungen von Kronstadt bilden 
den Schlufs dieses Bandes, 
Wie erwähnt, beschränkt sich die Küstenbeschreibung dieses Werkes im 
Gegensatz zu den alten Segelanweisungen hauptsächlich auf Angaben über die 
wichtigsten Landmarken, die für die einzelnen hier behandelten Fahrten in Frage 
kommen. Die Landmarken und wichtigen Küstenpunkte sind zum gröfsten Theil 
im Text und auf besonderen Tafeln bildlich dargestellt, wodurch dem Schiffs- 
führer die Orientirung wesentlich erleichtert wird. Ob die im Vorhergehenden 
geschilderte Art der Anweisung, die bei der Fülle des zu behandelnden Stoffes 
und um dem beabsichtigten Zwecke zu entsprechen, dem Dampferkapitän jeder- 
zeit ein schnelles Orientirungsmittel an die Hand zu geben, kurz sein mufs, 
der Praxis genügen wird, mufs die Erfahrung lehren. Zweifellos wird das Werk 
als Ersatz für die ausführlichen Küstenbeschreibungen in fremden Sprachen von 
Jen russischen Dampferkapitänen freudig begrüfst werden. Der bier betretene 
Weg scheint geeignet, die Bedürfnisse der Dampferfahrt besser als jeder früher 
beschrittene zu decken. Die einzigen bis jetzt vorhandenen derartigen englischen 
Quellen „Ocean Passages“ sind in ihren Angaben, die sich hauptsächlich auf die 
Wahl des Weges in den verschiedenen Jahreszeiten und die Entfernungen zwischen 
den einzelnen Häfen beschränken, zu dürftig, um besondere Dampferhandbücher 
zu ersetzen. Die Hauptsache für die Navigirung bleibt immer die Karte, deren 
Angaben durch die Segelanweisungen nur ergänzt werden sollen. Nach diesem 
Prinzip hat auch die Seewarte schon ihre neuen Handbücher eingerichtet und 
damit viel an Uebersichtlichkeit gewonnen. Auch der Plan zur Herausgabe eines 
ähnlichen Werkes für die Dampferfahrt, wie das vorliegende, ist bereits vor 
Jahren von der Seewarte erwogen und in der letzten Zeit auch in Angriff ge- 
nommen worden. Für die deutschen Dampfer kommen natürlich andere Wege 
in Frage, als der in dem russischen Werke gewählte, z. B. von Hamburg durch 
den Suez-Kanal nach Ostafrika, Ostasien und Australien, von Hamburg nach der 
Ost- und Westküste Amerikas u. A. m. Auch bei den deutschen Dampferkapi- 
tänen und Rhedereien ist volles Verständnifs für derartig durchgeführte Hand- 
bücher vorhanden, das beweist die beifällige Aufnahme des Entwurfes „Der Pilote, 
ein Handbuch für Dampfer in der Südamerikanischen Fahrt“, wie er im Jahre 
1900 dem Deutschen Nautischen Verein vom Direktor der Seewarte, Herrn 
Wirkl. Geh, Admiralitätsrath Professor Dr. Georg Ritter von Neumayer, vor- 
gelegt wurde. 
Bei der Begründung des Entwurfs betonte Dr. von Neumayer ausdrücklich: 
„Da die grofsen Segelhandbücher der Ozeane hauptsächlich, der Natur der Sache 
nach, für die Segelschiffahrt zugeschnitten sind, wenngleich auch bei ihnen schon 
allgemeine Bedürfnisse der Dampferfahrt berücksichtigt wurden, so glaubt die 
Direktion diese grundlegenden Arbeiten in ihrem vollen Umfange für die Segel- 
schifahrt auch fernerhin beibehalten zu müssen, während es vielleicht angezeigt 
erscheinen dürfte, für die Dampferfahrt die Erfahrungen und Lehren aus den 
grofsen ozeanischen Segelhandbüchern in einer andern, den besonderen Verhält- 
nissen der Dampferreisen angepafsten Form zu verwerthen. Diesem Gedanken, 
sowie der Ueberlegung, dafs es zweckmäfsig sei, die für Dampfer (welche in der 
Regel auf jeder Reise ungleich viel mehr Häfen anlaufen als Segelschiffe zu thun 
pflegen) besonders wichtige Küstenbeschreibung in innigen Zusammenhang mit 
den Anweisungen für die Ozeanfahrt zu bringen, entsprang der hier folgende 
Entwurf zu einem „Handbuch für die Südamerikanische Fahrt“. 
Auch Deutschland wird auf diesem neuen Wege, wie die Ausführungen 
des Direktors der Seewarte Dr. von Neumayer beweisen, nicht zurückbleiben; die 
Vorarbeiten für derartige Werke sind bereits seit Jahren im Gange, und es ist
	        
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