Der Bora-Sturm im nördlichen Adriatischen Meere am 31. Jan. u, 1. Febr, 1902. 381
nachlassende Bora am 2. Februar um 1% N. nach 0SO und am 3. nach Ab-
trennung einer flachen Theildepression über der Adria. unter strömendem Regen
nach NW.
Die folgenden Tage hatten bei schwachen variablen Briesen fortgesetzt
regnerisches, mäßig kühles Wetter.
Im Anschluß an den. vorstehend wiedergegebenen Bericht führt Herr
Kefslitz als Ursache der vorerwähnten ungewöhnlichen Bewegung des Baro-
meterminimums das Verhalten des Hochdruckgebietes an. . Letzteres setzte
nämlich den am 29. Januar gegen Centraleuropa begonnenen Vormarsch nicht
weiter fort,‘ sondern es trennte sich‘ am 2. Februar ein Theilmaximum ab,
welches, südostwärts wandernd, hohen Druck über der Balkanhalbinsel an-
häufte und hier somit einen dem normalen Fortschreiten der Depression hinder-
lichen Wall bildete. 'Thatsächlich sehen wir am 3. Februar den SO des
Kontinents mit einem Barometermaximum bedeckt, während sich quer über
dem Kontinent eine Rinne tieferen Druckes ausbildete.
Die stürmische Bora vom 1. Februar hatte somit keine Ausheiterung
gebracht und auch die normale durchgreifende Temperaturabnahme war aus-
geblieben, es hatte sich vielmehr eine mit fortgesetzt schlechtem Wetter ver-
bundene Drehung des Windes nach OSO und Temperaturabnahme eingestellt.
Sucht man aus den meteorologischen Aufzeichnungen am Hydrographischen
Amte zu Pola im letzten Jahrzehnt sämmtliche stürmischen Borawetter heraus,
bei welchen vom Beckleyschen Anemographen mindestens ein Maximum der
stündlichen Windgeschwindigkeit von 22 m p. Sek. registrirt wurde, 80 ist in
der Regel eine Fortdauer der Bora bis zur völligen Ausheiterung zu konstatiren,
während nur zweimal, nämlich am 2. Oktober 1894 und am 15. Oktober 1896,
eine ausgesprochene Drehung des Windes nach OSO erfolgte und nach vorüber-
gehender theilweiser Ausheiterung neuerdings regnerisches Wetter einsetzte.
Der Verlauf der Wetterlagen in den vorerwähnten Fällen ist auch mit
der Druckvertheilung beim Borawetter des 1. Februar d. J. sehr ähnlich. Sowohl
die Wetterkarte vom 1. Oktober 1894 als auch jene vom 15. Oktober 1896
lassen. die Ausbreitung des Barometermazimums über der Balkanhalbinsel er-
kennen, wodurch dem östlichen Abziehen der Depression ‚ein unüberwindliches
Hindernifs entgegengesetzt wurde. ;
Herr Kefslitz folgert daraus weiter: Sobald daher bei Borawetter das Hoch-
druckgebiet im Nordwesten die Tendenz zeigt, einen Ausläufer nach Südosten zu
entsenden (wie dies in der Wetterkarte vom 1. Februar, Tafel 13, durch die nach
Süd gerichteten Ausbuchtungen der Isobaren über Centraleuropa allerdings nur
schwach ‚angedeutet ist), so wird nach dem Abflauen der. Bora nicht-.auf Aus-
heiterung und Temperaturabnahme, sondern auf Fortdauer nassen, mehr milden
Wetters bei schwachen, in der Richtung unbeständigen Winden zu rechnen sein.
Schliefslich. sei noch erwähnt, dals in.Pola während des Bora-Sturmes
vom 1. Februar d. J. in den Bewegungen des Wasserspiegels keinerlei Anomalien
zu bemerken waren, Hr.
Mittheilungen über die Carolinen-, Palau- und Marianen - Inseln.
Aus dem Bericht S. M. S. „Cormoran“, Komdt. K-Kapt. Grapow, Januar 1902.
(Hierzu Tafel 14)
A. Segelanweisung.
1. Yap. Durch die neu ausgelegten Spierentonnen vor der Einfahrt ist
letztere gefahrfrei zu passiren; das innere Fahrwasser ist sehr klar und über-
sichtlich ausgebakt, der Anstrich der Seezeichen war in guter Ordnung.
Zwecks schnellerer. Uebernahme der Kohlen verholte der Kreuzer am
6. Januar an die steinerne Mole der .Kohlenstation auf der Insel Tarrang; die