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Annalen: der Hydrographie und Maritimen Meteorologie, Juli 1902.
Vormittag I Nachmittag
—5'5—6'6—77—8'8—gl9—10110—11 1119 12—1]1—2l2—33—4
Pola:
Stundenmittel . .......+..
Momentane Windgeschwindigkeit
Triest: . ı 1
Stundenmittel. ..........)26|27 | 27 | 30 | 29 | 28
26 28
31 | 22
24 618 [5
139 | 2224 19
i 31 | 84 | 34 | 30 | 28 | 25
Eine stündliche Windgeschwindigkeit von 28 m p. Sek. ist für Pola in-
sofern sehr bemerkenswerth, als in der seit 1890 völlig homogenen Beob-
achtungsreihe eine dieser sich annähernde Windgeschwindigkeit bisher nur am
25. November 1895 von 4* bis 5* V. bei Ostnordoststurm notirt worden ist.
Um zu einer stündlichen Windgeschwindigkeit von über 28 m p. Sek. zu ge-
langen, muß man bis zum 18. Dezember 1884 zurückgreifen; es ist jedoch zu
bemerken, dafs diese letztere Aufzeichnung (29,5 m p. Sek.) sich auf ein
Anemometer älterer Konstruktion (Osnaghi) bezieht und eine völlig sichere
Umrechnung auf den Beckleyschen Anemographen wegen der örtlich ver-
schiedenen Aufstellung beider Apparate nicht durchführbar ist.
Um 8° 15V, des 1, Februar begann leichter Schneefall, wobei die Flocken
zu dichten Klumpen zusammengeballt waren. Nach zweistündiger Unterbrechung
von 9* 45min V, bis 11 45win V, wurde gegen Mittag der Schneefall dichter und
fiel das Thermometer um 3°, ohne die Frostgrenze zu überschreiten. Um 3"N.
liefs der Schneefall an Stärke nach und hörte um 5"N. ganz auf.
Nach Erreichung der gröfsten Windstärke zwischen 11* V. und Mittag
nahm die Windgeschwindigkeit successive ab und der Wind bekam eine mehr
ostnordöstliche Richtung; die bis dahin völlig einförmige Alto-Stratus-Decke
lockerte sich um 4" N. etwas und einzelne Frakto-Nimbi wurden sichtbar, die
im raschen Fluge aus NO kamen; um 7"N. trat aber neuerdings dichte Be-
wölkung mit Schnee und Regen ein, während der Thermograph von 9 bis 12" N,
wieder ein Ansteigen der Temperatur von 3° verzeichnete.
Aus der Wetterkarte des 1. Februar ist ein Vordringen des Barometer-
minimums in nordnordöstlicher Richtung zu erkennen, wodurch eine erhebliche
Verschärfung der Gradienten über Mitteleuropa verursacht wurde. Um ih V.
lagerte das Depressionscentrum 753,4 mm über dem Golf von Genua.
Der Bora-Sturm erstrekte sich in der Nord-Adria ungefähr bis zur Ver-
bindungslinie Pesaro-Zara. Südlich hiervon herrschte stürmischer Scirocco.
Ueber Italien waren bereits am 30, Januar sehr ergiebige Niederschläge
und zwar in Norditalien zum Theil in Form von Schnee niedergegangen, die
auch noch die folgenden Tage anhielten, so verzeichnen u. A. Niederschlags-
höhen für den 30. Januar: Parma 55 mm, Reggio 42 mm, Modena 42 mm,
Bologna 42 mm; für den 31. Januar: Domodossola 51 mm, Parma 51 mm,
Reggio 55 mm, Bologna 47 mm, Forli 57 mm, Urbino 89 mm, Macerata 50 mm,
Ascoli Picena 42 mm. Der tägliche italienische Wetterbericht giebt folgende
grofsen Windgeschwindigkeiten in Metern per Sekunde aus den beistehenden
Richtungen: am 31. Januar Venedig NNO 23,5, Padua NO 32, Ferrara NO 30,
Ravenna NO 25, Pisa NO 27,5, Messina SO 22,5; am 1. Februar: Mantua
0 28,5, Ferrara O 25, Ravenna O0 23,5.
Die für diese Wetterlage gewöhnliche Erscheinung, dafs die Theil-
depression vom Golf von Genua aus in östlicher‘ oder südöstlicher Richtung
weiter zieht, trat nun im vorliegenden Falle nicht ein, wie bereits oben er-
wähnt und aus den Wetterkarten auf Tafel 13 ersichtlich; das Barometer-
minimum verblieb vielmehr, langsam an Intensität verlierend, einige Zeit über
dem Golf von Genua und zog sich dann weiter westwärts, wodurch eine vom
Normalen gänzlich verschiedene Wetterfolge eintrat.
Nachdem am 2. Februar das Centrum der Depression eine mehr nord-
westliche Position erhalten hatte, drehte sich die an Stärke schon erheblich