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Full text: Annalen der Hydrographie und maritimen Meteorologie, 30 (1902)

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Annalen der Hydrographie und Maritimen Meteorologie, Juli 1902, 
bleibt einer späteren Zeit vorbehalten, nachdem eine Aenderung der Wind- 
richtung eingetreten ist (oder auch nicht). Dann ist aber das Halsen in dieser 
Gegend und Jahreszeit bei Südoststurm nicht nur milfslich, sondern in der Regel 
anmöglich geworden. Ebenso kommt in anderen Fällen die alte Regel häufig 
zu spät, und zwar gerade in den unangenehmsten Lagen. Der Seemann verliert 
bei dem Abwarten der Windänderung kostbare Zeit, die er dann besser ver- 
wenden könnte. 
Die neue Anweisung stützt sich auf die Erfahrung, dafs man hier im 
September mit Bahnen nach Nordost und grofser Geschwindigkeit zu rechnen 
hat. Sie giebt dem Seemann sofort die Halsen an, auf denen er liegen bleiben 
kann, und warnt vor dem Lenzen, was bei diesem Wind, SO 7, in dieser Gegend 
and im Herbst die Lage nur verschlechtern kann. Dem Dampfer wird gerathen, 
wie er sich von der Bahn und der Mitte noch entfernen kann, wenn er genug 
Maschinenkraft hat. 
In ähnlicher Weise sind für die japanischen Gewässer die Anweisungen 
auf den Hauptschiffswegen und für im Charakter verschiedene Taifunzeiten an- 
zegeben. Die Anweisungen selbst übernehmen natürlich auch die Berücksichti- 
zung der jeweiligen Abweichungen in der Peilung vom Durchschnitt, die nach 
den alten Regeln dem Seemann aufgebürdet werden müfsten. 
An Einfachheit lassen diese neuen Anweisungen wohl wenig zu wünschen 
übrig; sie sind fast immer einfacher als die alten und ermöglichen sofortiges 
Handeln ohne Abwarten. In den 15 Jahren seit dem ersten Erscheinen dieser 
Anweisungen ist es nicht nöthig gewesen, auch nur eine dieser ersten neuen 
Anweisungen zu berichtigen oder zu ändern. 
Diese rein geographische Behandlung der Wirbelstürme mit Rücksicht 
auf die seemännische Praxis beruht auf der Voraussetzung, dafs Ort und Jahres- 
zeit einen mafsgebenden Einflufs «uf die Bahnen der Wirbelstürme ausüben. Je 
einfacher und einseitiger die Verhältnisse liegen, wie z. B. in dem ostasiatischen 
Monsungebiete, um so zuverlässiger sind auch die Anweisungen, die man geben 
kann, selbst für ziemlich ausgedehnte Meeresstriche, wenn nur eine genügende 
Zahl von sicheren Bahnen bekannt ist. Allerdings müssen die Bahnen erst 
kritisch gesichtet sein. Für die japanischen Gewässer genügten die täglichen 
Wetterkarten des K. japanischen Central-Observatoriums in Tokio für vier 
Jahre, um endgültig mit einer ganzen Reihe von unsicheren Bahnrichtungen 
aufzuräumen. 
Im Segelhandbuch für den Stillen Ozean sind solche oder ähnliche prak- 
tische Anweisungen am Schlusse eines jeden Kapitels über Stürme zu finden. 
Ihre Durchsicht erfordert in keinem Falle mehr als ein paar Minuten zur Zeit 
der Noth, obwohl es empfehlenswerther ist, sie vorher anzusehen. 
Erreichung desselben Zieles auf statistischem Wege, Vorher ist der 
Weg angegeben worden, auf dem die neuen Anweisungen zunächst gefunden 
wurden. Es war ein günstiger Umstand, dafs sich die Untersuchung über 
Meerestheile erstreckte, die in klimatischer Beziehung eine grofse Einförmigkeit 
aufwiesen. Ohne diese Einförmigkeit, die eine sehr grofßse Regelmäfsigkeit der 
Taifunbahnen in den einzelnen Monaten auf ausgedehnten Gebieten bedingt, 
hätte es nicht so nahe gelegen, diesen Weg einzuschlagen. In solchen Meeren, 
wo eine weniger grofse Einförmigkeit herrscht, kann man auch nicht mit der- 
selben Zuversicht für ähnlich grofse Gebiete Anweisungen aufstellen, wohl 
aber für kleinere. Man hat aber doch Mittel an der Hand, um auch hier ein- 
fachere Anweisungen zu geben, als sie bisher zur Verfügung standen oder in 
den alten Regeln enthalten waren, obwohl es sich hier in vielen Fällen garnicht 
uam ausgeprägte Wirbelstürme handelt. !) 
Wenn sich ein Schiff im Winterhalbjahre in 48° N-Br., 17° W-Lg. befindet, 
z. B. auf dem Wege vom Kanal nach Nordamerika, gut frei vom Kanal, und 
es von SW zu stürmen anfängt mit sehr drohenden Anzeichen, so sagt uns eine 
statistische Untersuchung, dafs der anfängliche Südweststurm in 95% aller 
Fälle rechts drehte, nur in 5°o nach links. Wenn man also das Schiff auf die 
rechten, St. B.-Halsen legt, kann man 19: 1 setzen. dafs man auf den raumen- 
i) Siehe Fülfsnote 1 auf S. 325.
	        
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