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Full text: Annalen der Hydrographie und maritimen Meteorologie, 30 (1902)

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Annalen der Hydrographie und Maritimen Meteorologie, Juli 1902. 
acht Strich, sondern durchschnittlich nur sechs Strich.!) Bei Ostwind auf 
Nordbreite z. B. liegt demnach die Mitte nicht südlich, sondern südsüdwestlich 
vom Schiff; bei Ostwind auf Südbreite nicht nördlich, sondern nordnordwestlich 
vom Schiff. 
Die einzige wesentliche Aenderung in den Manöverregeln betraf 1. An- 
statt platt vor dem Sturme lenzen, lautete die Regel für diesen Fall jetzt, den 
Wind backstags ein lenzen, so dafs der Abstand von der Mitie vergröfsert 
wird. Auf Ostwind in Nordbreite angewandt, würde dies heifsen, nach Nord- 
west lenzen (statt nach West, wie früher); auf Ostwind in Südbreite angewandt, 
nach Südwest lenzen (statt nach West, wie früher), vorausgesetzt natürlich, 
dafs Wind und See es noch erlauben, 
Ebenso wie man in der ersten Periode der Einfachheit der Regeln zu- 
liebe die Abweichungen des Windes von Kreisbahnen unberücksichtigt gelassen 
hatte, obwohl man sie kannte, liefs man in der zweiten Periode die Abweichungen 
von regelmäfsigen Spiralen in den Regeln aufser Acht, obwohl man auch diese 
kannte. In beiden Fällen war man der Ansicht, dafs durch das Hereinziehen 
von Feinheiten, die man in der Praxis vernachlässigen zu dürfen glaubte, der 
Werth der Regeln überhaupt in Frage gestellt werden würde, da man dem See- 
mann nicht, wie dem Meteorologen, zumuthen durfte, aufser den Hauptregeln 
auch noch die Abweichungen zu behalten und zu berücksichtigen, selbst wenn 
man im Stande gewesen wäre, diese Abweichungen allgemein und bestimmt 
anzugeben. 
Eine andere Ausnahme, Aber auch in Bezug auf Punkt 2 ergaben 
weitere Untersuchungen noch Ueberraschungen. Es kamen Fälle vor, wo ein 
beigedrehtes Schiff eine Windänderung bis zu drei Strich nach rechts beob- 
achtete, z. B. auf Nordbreite von ONO bis O0zS, und wo dann später der Wind 
doch von OzS nicht nur nach ONO zurückging, sondern endgültig über NO 
nach NW, und die Mitte in unmittelbarer Nähe des Schiffes in nordöstlicher 
Richtung vorbeiging. Unter solchen Verhältnissen mufste jedes Schiff trotz 
„regelrechten“ Manövrirens auf die falschen Halsen und in die Nähe der Mitte 
kommen. Kin derartiges unsicheres Schwanken der Windrichtung zeigt sich 
nämlich in gewissen Gegenden besonders auf der Bahn selber vor der Mitte, 
Auch auf Südbreite sind ähnliche Beobachtungen gemacht worden bei Ostsüd- 
ostwind und einer südöstlich gerichteten Bahn, Es ist so gut wie ausgeschlossen, 
dafs diesen Schwankungen der Windrichtung eine entsprechende Schwankung 
der Bahn selber zu Grunde liegen sollte, es sind vielmehr Aenderungen der 
eilung. 
Schwierigkeit des Ausbaues der bisherigen Regeln. Die Schwierigkeit, 
eine neue Auflage von allgemeinen Regeln zur Bestimmung der Peilung in 
Wirbelstürmen für jeden besonderen Fall zu geben, liegt nicht etwa in einem 
Mangel an Kenntnissen, sie genügen vollkommen dazu, sondern darin, dafs man 
sie für Praktiker nicht einfach genug wiedergeben kann. Für Seeleute würden 
sie unbrauchbar sein, weil sie bei der Benutzung eine zu eingehende Sachkennt- 
nißs verlangen. Zum besseren Verständnifs seien hier die Hauptgesichtspunkte 
hervorgehoben, die das eben Gesagte bestätigen werden. 
Bei sehr hohen Windstärken, Beaufort 10 bis 12, zwischen 30° N-Br. 
und $S-Br., ist die Peilung meist 7 bis 7!/a Strich. — Hier sehen wir, in welchen 
Fällen die alte Acht-Strich-Regel noch brauchbar ist. 
Bei Windstärken unter Beaufort 7 ist die Peilung sehr grofsen 
Schwankungen unterworfen, von 1 bis zu 12 Strich. —- Dies ist die Erklärung 
für eine Menge falscher, irreführender Bahnen in der Litteratur, die noch nicht 
alle ausgemerzt sind. Man hat nämlich früher bei allen Bahnbestimmungen und 
allen Windstärken die Peilung als unveränderlich angenommen. 
Die Peilung nimmt mit der Breite zu, in 10° bis 15° Breite beträgt sie 
durchschnittlich weniger als in 30° bis 35° Breite. 
Bei geringer fortschreitender Geschwindigkeit eines Wirbelsturmes sind 
die Peilungen bei Sturmstärke auf allen Seiten ziemlich gleich, bei grofser Ge- 
schwindigkeit dagegen weist verschieden, besonders vor und hinter der Mitte. 
ly Die richtige Fassuug ist: Die Mitte liegt bei Sturmwinden vorlicher als dwars.
	        
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