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Full text: Annalen der Hydrographie und maritimen Meteorologie, 30 (1902)

Die Witterung an der deutschen Küste im April 1902, 
319 
Bis auf überall etwas zu hohen mittleren Luftdruck zeigen die Monats- 
werthe des April einen Gegensatz der Witterung an der Nord- und der Ostsee- 
Küste: dort ziemlich trübes und unruhiges, niederschlagsreiches Wetter mit 
nahezu normaler Temperatur, an der Ostsee aber. heiteres, trockenes, kühles 
und ruhiges Wetter. Dabei herrschten über dem ganzen Gebiet mit Ausnahme 
von Keitum Winde aus östlichen Richtungen, an der Nordsee etwas mehr süd- 
lich als an der Ostsee, vor, während im Allgemeinen südwestliche und zum 
Theil auch nördliche Richtungen selten auftraten. 
Steife und stürmische Winde traten in gröfserer Ausdehnung auf am 2, 
aus dem Nordwestquadranten von Rügen ostwärts, nur vereinzelt Stärke 8 er- 
reichend, am 4, ostwärts bis Pommern und am 5, an der preufsischen Küste 
aus der gleichen Richtung, fast überall bis Stärke 8, am 6. aus ESE bis ENE 
ostwärts bis zur Elbe, vereinzelt stürmisch, sowie aus dem Südostquadranten 
am If. zwischen Elbe. und Oder, über Rügen meist nur steif, sonst fast überall 
Stärke 8 erreichend, am 14. vielfach steif an der Nordsee nördlich der Elbe 
und über Rügen, am 15. ostwärts bis Rügen, an der Nordsee meist bis 8, am 
[6. an der Nordsee, im Westen stürmisch, sonst meist nur Stärke 7 erreichend, 
und am 21. an der mittleren Ostsee vielfach steif. 
Die Morgentemperaturen lagen fast durchweg. unter den vieljährigen 
Werthen; milde Morgen herrschten nur am 4. an der Ostsee, am 14. und 15. 
an der Nordsee, am 20. und 21. ostwärts bis zur Oder, sowie am 23. und 24. 
an der Nordsee. In ihrem Gange von Tag zu Tag zeigten die Morgentempe- 
raturen während der ersten Dekade wenig Aenderung, nur an der Ostsee eine 
etwas stärkere vorübergehende Erwärmung um Mitte der ersten Pentade, Die 
zweite Dekade brachte, abgesehen von Memel, meist zunächst langsames, am 
Schlusse schnelleres Steigen, worauf die. dritte Dekade vom 22. an wieder Ab- 
nahme und in den letzten Tagen etwas Zunahme herbeiführte; eine vorüber- 
gehende Erwärmuug trat. an Theilen der Ostsee um den 25. auf. — Die Tem- 
peratur lag an der Küste zwischen der niedrigsten Temperatur, — 4,0°, von 
Memel und der höchsten, 22,0°, von Keitum, sie schwankte also um 26,0°, 
während die kleinste Schwankung mit 15,5° in Rügenwaldermünde und die 
gröfste mit 21,7° in Keitum beobachtet wurde. — Die aus den Aenderungen 
der Temperatur von Tag zu Tag als arithmetisches Mittel ohne Rücksicht auf 
die Vorzeichen der Aenderungen für die drei Beobachtungstermine berechneten 
Werthe der interdiurnen Veränderlichkeit der Temperatur (I. T. V.) schwankten 
mit ihren größten Werthen zwischen 1,7° (Memel und Rügenwaldermünde) und 
2,6° (Borkum); die gröfsten Werthe erreichte sie am Nachmittag, die kleinsten 
am Morgen, abgesehen von einigen Abweichungen an der ostdeutschen Küste. 
Die monatlichen Niederschlagsmengen überschritten an der Nordsee 
vielfach 50 mm gegenüber meist unter 10 mm bleibenden Beträgen an der 
preufsischen Küste. Die gröfsten Werthe hatten Norderney und Helgoland, 
Wangeroog und Brake (56, 57 bezw. 58), die kleinsten Hela, Rixhöft und 
Pillau (6, 5 bezw. 4 mm). — Läfst man den Niederschlagstag um 8a Ortszeit 
des gleichnamigen Kalendertages beginnen und sieht man von geringfügigen 
und von vereinzelten Niederschlägen ab, so fielen diese im April am 1. an der 
ganzen Küste, am 2, an der ostdeutschen Küste, am 3, bis S. an der ganzen 
Küste, am 6. und 7. an der Nordsee, am 8. an der nördlichen Nordsee- und 
der pommerschen Küste (nachts 7/8), am 1l. und 12, an der westdeutschen Küste, 
am 13, an der Ostsee ostwärts bis zur Oder, am 20, und 21. an der westdeutschen 
Küste, am 22, bis 24. an der westlichen Nordsee, am 25. zwischen Weser und 
Elbe und an der Ostsee ostwärts bis zur Oder, am 29, ostwärts bis zur Kieler 
Bucht und am 30. an der ganzen Küste. — Sehr erhebliche, in 24 Stunden 
20,0 mm übersteigende Niederschläge traten nicht auf. — Gewitter wurden in 
grofßser Ausdehnung an der Nordsee am 20, spät abends beobachtet und sonst 
noch vereinzelt am 4. an der Nordsee wie an der pommerschen Küste. — Aus- 
gebreiteter Nebel trat am 3., 13. und 14,, 18., 19,, 22. und 25, an Theilen der 
Nordsee-Küste sowie am 22, über Rügen auf. — Als heitere Tage, an denen 
die Bewölkung im arithmetischen Mittel aus den dreimal täglichen Beobachtungen 
nach der Skala 0 bis 10 kleiner als 2 war, charakterisirten sich über gröfserem 
Gebiete der 2, an der Nordsee, der 6. bis 8. an der ostdeutschen Küste, der 9. 
an der ganzen Küste, der 10. an der westdeutschen und der preußischen Küste.
	        
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