Die Witterung an der deutschen Küste im April 1902,
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Bis auf überall etwas zu hohen mittleren Luftdruck zeigen die Monats-
werthe des April einen Gegensatz der Witterung an der Nord- und der Ostsee-
Küste: dort ziemlich trübes und unruhiges, niederschlagsreiches Wetter mit
nahezu normaler Temperatur, an der Ostsee aber. heiteres, trockenes, kühles
und ruhiges Wetter. Dabei herrschten über dem ganzen Gebiet mit Ausnahme
von Keitum Winde aus östlichen Richtungen, an der Nordsee etwas mehr süd-
lich als an der Ostsee, vor, während im Allgemeinen südwestliche und zum
Theil auch nördliche Richtungen selten auftraten.
Steife und stürmische Winde traten in gröfserer Ausdehnung auf am 2,
aus dem Nordwestquadranten von Rügen ostwärts, nur vereinzelt Stärke 8 er-
reichend, am 4, ostwärts bis Pommern und am 5, an der preufsischen Küste
aus der gleichen Richtung, fast überall bis Stärke 8, am 6. aus ESE bis ENE
ostwärts bis zur Elbe, vereinzelt stürmisch, sowie aus dem Südostquadranten
am If. zwischen Elbe. und Oder, über Rügen meist nur steif, sonst fast überall
Stärke 8 erreichend, am 14. vielfach steif an der Nordsee nördlich der Elbe
und über Rügen, am 15. ostwärts bis Rügen, an der Nordsee meist bis 8, am
[6. an der Nordsee, im Westen stürmisch, sonst meist nur Stärke 7 erreichend,
und am 21. an der mittleren Ostsee vielfach steif.
Die Morgentemperaturen lagen fast durchweg. unter den vieljährigen
Werthen; milde Morgen herrschten nur am 4. an der Ostsee, am 14. und 15.
an der Nordsee, am 20. und 21. ostwärts bis zur Oder, sowie am 23. und 24.
an der Nordsee. In ihrem Gange von Tag zu Tag zeigten die Morgentempe-
raturen während der ersten Dekade wenig Aenderung, nur an der Ostsee eine
etwas stärkere vorübergehende Erwärmung um Mitte der ersten Pentade, Die
zweite Dekade brachte, abgesehen von Memel, meist zunächst langsames, am
Schlusse schnelleres Steigen, worauf die. dritte Dekade vom 22. an wieder Ab-
nahme und in den letzten Tagen etwas Zunahme herbeiführte; eine vorüber-
gehende Erwärmuug trat. an Theilen der Ostsee um den 25. auf. — Die Tem-
peratur lag an der Küste zwischen der niedrigsten Temperatur, — 4,0°, von
Memel und der höchsten, 22,0°, von Keitum, sie schwankte also um 26,0°,
während die kleinste Schwankung mit 15,5° in Rügenwaldermünde und die
gröfste mit 21,7° in Keitum beobachtet wurde. — Die aus den Aenderungen
der Temperatur von Tag zu Tag als arithmetisches Mittel ohne Rücksicht auf
die Vorzeichen der Aenderungen für die drei Beobachtungstermine berechneten
Werthe der interdiurnen Veränderlichkeit der Temperatur (I. T. V.) schwankten
mit ihren größten Werthen zwischen 1,7° (Memel und Rügenwaldermünde) und
2,6° (Borkum); die gröfsten Werthe erreichte sie am Nachmittag, die kleinsten
am Morgen, abgesehen von einigen Abweichungen an der ostdeutschen Küste.
Die monatlichen Niederschlagsmengen überschritten an der Nordsee
vielfach 50 mm gegenüber meist unter 10 mm bleibenden Beträgen an der
preufsischen Küste. Die gröfsten Werthe hatten Norderney und Helgoland,
Wangeroog und Brake (56, 57 bezw. 58), die kleinsten Hela, Rixhöft und
Pillau (6, 5 bezw. 4 mm). — Läfst man den Niederschlagstag um 8a Ortszeit
des gleichnamigen Kalendertages beginnen und sieht man von geringfügigen
und von vereinzelten Niederschlägen ab, so fielen diese im April am 1. an der
ganzen Küste, am 2, an der ostdeutschen Küste, am 3, bis S. an der ganzen
Küste, am 6. und 7. an der Nordsee, am 8. an der nördlichen Nordsee- und
der pommerschen Küste (nachts 7/8), am 1l. und 12, an der westdeutschen Küste,
am 13, an der Ostsee ostwärts bis zur Oder, am 20, und 21. an der westdeutschen
Küste, am 22, bis 24. an der westlichen Nordsee, am 25. zwischen Weser und
Elbe und an der Ostsee ostwärts bis zur Oder, am 29, ostwärts bis zur Kieler
Bucht und am 30. an der ganzen Küste. — Sehr erhebliche, in 24 Stunden
20,0 mm übersteigende Niederschläge traten nicht auf. — Gewitter wurden in
grofßser Ausdehnung an der Nordsee am 20, spät abends beobachtet und sonst
noch vereinzelt am 4. an der Nordsee wie an der pommerschen Küste. — Aus-
gebreiteter Nebel trat am 3., 13. und 14,, 18., 19,, 22. und 25, an Theilen der
Nordsee-Küste sowie am 22, über Rügen auf. — Als heitere Tage, an denen
die Bewölkung im arithmetischen Mittel aus den dreimal täglichen Beobachtungen
nach der Skala 0 bis 10 kleiner als 2 war, charakterisirten sich über gröfserem
Gebiete der 2, an der Nordsee, der 6. bis 8. an der ostdeutschen Küste, der 9.
an der ganzen Küste, der 10. an der westdeutschen und der preußischen Küste.