Prager: Einiges über Nauru (Pieasant Island).
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Dementsprechend sind Sprache, Sitten und Gebräuche der Bewohner
Naurus die gleichen wie die der Gilbert-Insulaner, ebenso ist die Kampf- und
Rauflust der in elf Stämme getheilten 1200 Eingeborenen eine vererbte Eigenschaft,
wodurch, ehe die deutsche Herrschaft auf Nauru zur Geltung kam, viel Unheil
und grofser Schade am Bestande der Kokosnufskultur angerichtet wurde,
Aber nicht allein den Eingeborenen jener Gegend wird die äquatoriale
Meeresströmung verhängnifsvoll, sondern fast alle Segelschiffe, die nach Nauru
bestimmt sind und an der Westseite dieser Insel mehrere Tage sich aufhalten
müssen, treiben ab. Gelingt es dann nicht, schnell auf 3° bis 4° N-Br zu ge-
langen und mit dem äquatorialen Gegenstrome gegen den oft leichten Nordost-
wind aufzukreuzen, dann können Wochen vergehen, ‚ehe Nauru wieder erreicht
wird. Im Monat April 1886 passirte es mir, als ich unter Nauru kreuzte, dafs
während der ersten Nacht der Wind sehr leicht wurde und das Schiff nahe
dem Lande nicht zu halten war; auf wenige Meilen Abstand von der Insel trat
der Strom in volle Wirksamkeit, und nach eintretender völliger Windstille trieb
ich zehn Tage lang täglich 74 Sm westwärts. Mit sehr geringem Wasservorrath
versehen (Regen war nicht auf Jaluit, auch nicht während der Reise gefallen),
war am 16. Tage die Mannschaft (Jaluit- Insulaner und dazu aufgenommene
Nauru-Leute) fast verdurstet; erst auf der Höhe der Mortlok-Gruppe (Karolinen)
erlöste ein reichlich fallender Regenschauer uns aus furchtbarer Pein; fünf
Wochen gingen hin, ehe ich Nauru wieder erreichen konnte.
Ein zweites Mal trieb ich im Juli 1887, unter Nauru kreuzend, infolge
Windstille ab. Ein Versuch, die Insel wieder zu erreichen, war nutzlos, des-
halb setzte ich sehr bald den Kurs auf Ponape, wohin meine Ordre lautete.
Vorherrschend in der Nähe Naurus ist der Nordost- bis Ostnordostwind,
dessen durchschnittliche Stärke selten 4 bis 5 übersteigt. Bemerkenswerth aber
ist, dals die kleine Insel auf die Luftströmung gewissen Einflufs ausübt, denn
in bestimmter Jahreszeit, Mai bis August, sind in der Aequatorialgegend Wind-
stillen oder sehr leichte Winde vorherrschend; in der näheren Umgebung der
Insel findet man jedoch fast immer eine stärkere Luftströmung vor. Auch des
Nachts ist eine Windstärke bis 3 meistens zu erwarten, seltener sind plötzlich
eintretende Windstillen. Von Januar bis Juni kann man von 160° W-Lg bis
155° O-Lg einen stündlich 3 bis 4 Sm westlich setzenden Strom voraussetzen,
mit dem bei Ansegelung der unter dem Aequator liegenden Inseln gerechnet
werden mufs. Die Aequatorialgegenströmung auf 2° bis 5° N-Br setzt durch-
schnittlich 1 bis 2 Sm ostwärts; bei frischem Nordostpassat tritt deren Wirkung
aber erst auf 2° bis 3° N-Br in Kraft.
Um die Insel Nauru sicher zu erreichen, sollte während der Monate
Januar bis Juni ein weit östlich von Nauru liegender Punkt angesteuert und
dann auf der Breite von Nauru westwärts gesegelt werden, Prager.
Die elektrischen Anlagen des Schnelldampfers „Deutschland“ der
Hamburg-Amerika-Linie.
(Hierzu Tafel 12) 5
Kein anderer Betrieb zieht in so hohem Maße alle Zweige der Technik
und der Industrie zur Benutzung für sich heran, als dies vom Schiffsbetrieb
geschieht. Bald nachdem die elektrische Beleuchtung praktische Verwerthbar-
keit in größerem Umfange gestattete, suchten auch der Schiffbau und die Schiff-
fahrt die Vortheile aus dieser neuen Beleuchtungsart für sich zu gewinnen. Die
überall, hauptsächlich für die Räume unter der Wasserlinie sowie für die
Maschinen- und Kesselräume, mangelhafte alte Beleuchtung durch Oellampen mit
ihrer Wärmeausstrahlung und ihrer unvermeidlichen Qualm- und Raucherzeugung
konnte bei neueren Schiffsbauten zur Wohlthat für die in jenen Räumen
. 1) Die Cliches zu Tafel 12 und den Textfiguren sind von der Allgemeinen Elektricitäts-
Aasellschaft zu Berlin der Redaktion freundlichst zur Benutzung überlassen worden. D. Red.