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Full text: Annalen der Hydrographie und maritimen Meteorologie, 30 (1902)

Prager: Einiges über Nauru (Pieasant Island). 
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Dementsprechend sind Sprache, Sitten und Gebräuche der Bewohner 
Naurus die gleichen wie die der Gilbert-Insulaner, ebenso ist die Kampf- und 
Rauflust der in elf Stämme getheilten 1200 Eingeborenen eine vererbte Eigenschaft, 
wodurch, ehe die deutsche Herrschaft auf Nauru zur Geltung kam, viel Unheil 
und grofser Schade am Bestande der Kokosnufskultur angerichtet wurde, 
Aber nicht allein den Eingeborenen jener Gegend wird die äquatoriale 
Meeresströmung verhängnifsvoll, sondern fast alle Segelschiffe, die nach Nauru 
bestimmt sind und an der Westseite dieser Insel mehrere Tage sich aufhalten 
müssen, treiben ab. Gelingt es dann nicht, schnell auf 3° bis 4° N-Br zu ge- 
langen und mit dem äquatorialen Gegenstrome gegen den oft leichten Nordost- 
wind aufzukreuzen, dann können Wochen vergehen, ‚ehe Nauru wieder erreicht 
wird. Im Monat April 1886 passirte es mir, als ich unter Nauru kreuzte, dafs 
während der ersten Nacht der Wind sehr leicht wurde und das Schiff nahe 
dem Lande nicht zu halten war; auf wenige Meilen Abstand von der Insel trat 
der Strom in volle Wirksamkeit, und nach eintretender völliger Windstille trieb 
ich zehn Tage lang täglich 74 Sm westwärts. Mit sehr geringem Wasservorrath 
versehen (Regen war nicht auf Jaluit, auch nicht während der Reise gefallen), 
war am 16. Tage die Mannschaft (Jaluit- Insulaner und dazu aufgenommene 
Nauru-Leute) fast verdurstet; erst auf der Höhe der Mortlok-Gruppe (Karolinen) 
erlöste ein reichlich fallender Regenschauer uns aus furchtbarer Pein; fünf 
Wochen gingen hin, ehe ich Nauru wieder erreichen konnte. 
Ein zweites Mal trieb ich im Juli 1887, unter Nauru kreuzend, infolge 
Windstille ab. Ein Versuch, die Insel wieder zu erreichen, war nutzlos, des- 
halb setzte ich sehr bald den Kurs auf Ponape, wohin meine Ordre lautete. 
Vorherrschend in der Nähe Naurus ist der Nordost- bis Ostnordostwind, 
dessen durchschnittliche Stärke selten 4 bis 5 übersteigt. Bemerkenswerth aber 
ist, dals die kleine Insel auf die Luftströmung gewissen Einflufs ausübt, denn 
in bestimmter Jahreszeit, Mai bis August, sind in der Aequatorialgegend Wind- 
stillen oder sehr leichte Winde vorherrschend; in der näheren Umgebung der 
Insel findet man jedoch fast immer eine stärkere Luftströmung vor. Auch des 
Nachts ist eine Windstärke bis 3 meistens zu erwarten, seltener sind plötzlich 
eintretende Windstillen. Von Januar bis Juni kann man von 160° W-Lg bis 
155° O-Lg einen stündlich 3 bis 4 Sm westlich setzenden Strom voraussetzen, 
mit dem bei Ansegelung der unter dem Aequator liegenden Inseln gerechnet 
werden mufs. Die Aequatorialgegenströmung auf 2° bis 5° N-Br setzt durch- 
schnittlich 1 bis 2 Sm ostwärts; bei frischem Nordostpassat tritt deren Wirkung 
aber erst auf 2° bis 3° N-Br in Kraft. 
Um die Insel Nauru sicher zu erreichen, sollte während der Monate 
Januar bis Juni ein weit östlich von Nauru liegender Punkt angesteuert und 
dann auf der Breite von Nauru westwärts gesegelt werden, Prager. 
Die elektrischen Anlagen des Schnelldampfers „Deutschland“ der 
Hamburg-Amerika-Linie. 
(Hierzu Tafel 12) 5 
Kein anderer Betrieb zieht in so hohem Maße alle Zweige der Technik 
und der Industrie zur Benutzung für sich heran, als dies vom Schiffsbetrieb 
geschieht. Bald nachdem die elektrische Beleuchtung praktische Verwerthbar- 
keit in größerem Umfange gestattete, suchten auch der Schiffbau und die Schiff- 
fahrt die Vortheile aus dieser neuen Beleuchtungsart für sich zu gewinnen. Die 
überall, hauptsächlich für die Räume unter der Wasserlinie sowie für die 
Maschinen- und Kesselräume, mangelhafte alte Beleuchtung durch Oellampen mit 
ihrer Wärmeausstrahlung und ihrer unvermeidlichen Qualm- und Raucherzeugung 
konnte bei neueren Schiffsbauten zur Wohlthat für die in jenen Räumen 
. 1) Die Cliches zu Tafel 12 und den Textfiguren sind von der Allgemeinen Elektricitäts- 
Aasellschaft zu Berlin der Redaktion freundlichst zur Benutzung überlassen worden. D. Red.
	        
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