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Volltext: Annalen der Hydrographie und maritimen Meteorologie, 30 (1902)

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Annalen der Hydrographie und Maritimen Meteorologie, Juni 1%°02. 
Strandung im Goldenen Thore, zurückgeführt auf Störung der 
Schallsignale durch Nebel. 
Am 22. Februar 1901 lief der Dampfer „Rio de Janeiro“ der „Pacific 
Mail Steamship Company“ im Nebel auf das Fort Point-Riff am Eingang der 
Bucht von San Francisco und sank innerhalb 15 bis 20 Minuten. Im Februar- 
heft von „Monthly Weather Review“, Washington 1901, führt Herr Professor 
Alexander G. Me Adie in San Francisco diesen Unfall auf den Umstand zu- 
rück, dafs infolge durch den Nebel hervorgerufener eigenartiger Refraktion des 
Schalles die Nebelsignale des Goldenen Thores an Bord des Dampfers nicht 
gehört wurden. Auch das nach der Strandung mit der Dampfpfeife gegebene 
Nothsignal ist an Land wahrscheinlich nicht vernommen worden. Wir geben 
in Folgendem die Darstellung von Professor Mc Adie über die Vorgänge selbst 
und die Verhältnisse, unter denen sie stattfanden, wieder, Der Schilderung der 
Vorgänge an Bord des Dampfers liegt hauptsächlich der Bericht des Lootsen 
F. W., Jordan zu Grunde, da der Kapitän des Schiffes mit dem Schiff selbst 
unterging. 
Der Lootse kam an Bord des Dampfers bei der 9 Faden-Tonne und liefs 
kurz vor 6 Uhr abends des 21. Februar in 13 Faden Wasser ankern. Da das 
Wetter neblig war, blieb das Schiff vor Anker bis gegen 4 Uhr morgens, zu 
welcher Zeit sich der Nebel hob; doch war das Feuer von Point Bonita nicht 
zu sehen. Es wurden Vorbereitungen getroffen, in den Hafen zu dampfen; als 
ein dichter Nebel aus dem Goldenen Thore herauskam und Alles verdunkelte. 
Das Schiff setzte sich auf Nordostkurs in Fahrt mit Lime Point gerade voraus; 
die Ruderkommandos wurden mit der Pfeife gegeben. Der Lootse erwartete 
ein Echo der Schiffspfeife von Point Diablo: zu hören, doch trat dies nicht ein. 
Der Kurs wurde dann auf NNO gesetzt in der Absicht, nahe an Lime Point 
heranzulaufen. Das Schiff lief nicht mit voller Kraft und war einem starken 
Querstrom ausgesetzt, der, anscheinend im rechten Winkel zur Länge des Schiffes 
wirkend, das Schiff weit aus seinem eigenen Kurse nach Süden versetzte. Der 
erste Offizier stand auf der St. B.-Seite, nach der Glocke von Fort Point aus- 
horchend. Indefs wurden keine Töne gehört. Das Schiff lief auf in kurzer 
Entfernung südwestlich von dem Fort Point-Feuer, Im Augenblick der Strandung 
sah der Lootse das weifse Licht von Fort Point und hörte die Fort Point- 
Glocke, Als das Schiff um ungefähr 5'/s Uhr morgens strandete, gab der 
Kapitän das Nothsignal mit einem langen Ton der Dampfpfeife. Gewöhnliche 
Nebelsignale waren bereits vorher mit der Dampfpfeife gegeben worden. 
Danach scheint es, dafs selbst nach der  ttandung des: Schiffes der Ton 
der Dampfpfeife auf dem nicht mehr als eine halbe Seemeile entfernten Fort 
Point nicht deutlich gehört wurde; dort war aber ein Ausguck der Rettungs: 
station auf Posten, und von dort hätte eine Rettungsmannschaft zu Hülfe eilen 
können, die wahrscheinlich das Schiff in 5 Minuten erreicht und noch: viele 
Menschenleben hätte retten können. Aufserdem stand eine Schildwache in 
kurzer Entfernung von dem Ausguck, Kinige Soldaten haben zwar Stimmen 
and Pfeifen gehört, aber es ist unwahrscheinlich, dafs der lange Nothpfiff 
deutlich gehört worden ist, ohne dafs ihm Aufmerksamkeit geschenkt worden 
sein sollte. 
Aus dem Bericht des Weather Bureau ergiebt sich, dafs zur Zeit des 
Unfalls ein starker Nebel über der Bucht von San Francisco vorherrschte; zu 
Mount Tamalpais auf der nördlichen Seite des Goldenen Thores war das Wetter 
bei schwachem bis mäfßfigem Nordwestwind klar, Zu San Francisco herrschte 
bei nahezu Windstille dichter Nebel. Die Höhe des Nebels überstieg wahr- 
scheinlich nicht viel 100 m, und der Nebel war mehr ein Land- als- ein See- 
nebel. Professor Mc Adie kommt danach zu dem Schlufs, dafs als erster 
Faktor, der den Verlust des Schiffes verursachte, der Nebel anzusehen sei. 
Nicht allerseits wird man der Ansicht sein, dafs trotzdem der Unfall nicht 
bätte vermieden werden können; jedenfalls wird aber zuzugeben sein, dafs 
bei voller Wirksamkeit der Nebelsignale der Unfall schliefslich vermieden 
worden wäre. Wegen der Abweichung der Schallwellen in dem Nebel
	        
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