Koldewey: Magnetische Beobachtungen an Bord der „Valdivia“,
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Aus den je 22 Gleichungen, die von den ermittelten Werthen von B
und € gebildet werden können (die letzte Bestimmung im Kanal ist als zu
ungenau ausgelassen), sind unter Zugrundelegung der den neuesten magnetischen
Karten entnommenen. Werthe der magnetischen. Horizontalintensität H: und der
Inklination die Unbekannten
<£P SQL
AO0R AO ROR OA
nach der Methode der kleinsten Quadrate berechnet und folgende Werthe gefunden:
© ! Lin P RL NY NL A
zT + 0,029: a 0,002 x = — 0,153 > 0,047 % -+ 0,007 1 + 0,014
oder in Graden ausgedrückt
SO oo fo Page Ss zg IL 0 Vz °
x +17 X 0,1 (Sn 8,9 x = 2,8 x = + 0,4 x = +08
so dafs. der: Werth: der Koeffizienten B. und: C für jeden Schiffsort dargestellt
wird durch die Formeln: ;
B = 4 1,7° tang J — 8,9° x — 0,4° sec S cos $p
C = — 0,1° tang J — 2,8° x +4 0,8° sec J cos &p
Berechnet man hiernach B und € für jeden Orf einer Rundschwaiung und
vergleicht die so erhaltenen Werthe mit den wirklich beobachteten, so ergeben
sich folgende Differenzen, Beobachtung—Rechnung; in Graden ausgedrückt:
fürB: —11 +04 +04 —03 +14 +03 +1L2 +02 +03 —08 TE
—03: +08 +02 —02. +03. —07 —02 —01 —038 —06 #07. —08
mit einem wahrscheinlichen Fehler einer. Bestimmung‘ von +4 0,44
für Cr: +03: +05 —09 +03 —08 H+01 —06 +08 —09 —02 —1,2
—03 —01 +02 +18 +05 +03 —04 +02 +10 +05 +08
mit einem wahrscheinlichen Fehler einer Bestimmung von. + 0,48:
Aus diesen Abweichungen, die keinen regelmäfsigen Gang mehr erkennen
lassen, geht zunächst hervor, dafs eine Aenderung im magnetischen Zustande
des‘ Schiffes;. so weit es. sich um.den permanenten Magnetismus handelt,. in Bezug
auf seine Wirkung‘ auf den Kompafs während der ganzen Reise nicht, statt-
gefunden. hat: Wenn der wahrscheinliche Fehler etwas gröfser ist, als er nach
der Genauigkeit, mit‘ der die Koeffizienten B und C bestimmt wurden, sein
sollte, so- ist dies‘ lediglich dem Umstande zuzuschreiben, dafs das’ Glied der
Formeln über den‘ remanenten‘ Magnetismus, wegen‘ der‘ verschiedenen KEr-
schütterungen, denen das Schiff während der Reise ausgesetzt ist und einer
gewissen. Unsicherheit. wegen des vorher gesteuerten. Kurses: nun als. eine An-
näherung‘ zu betrachten ist.!) Unter Berücksichtigung dieser Verhältnisse zeigt
die Untersuchung, dafs es sich. in: der That nur um kleine, erst. nach. längerem
Zeitraume;auftretende Schwankungen: im Schiffsmagnetismus-handelt, die während
der kurzen. Zeit. einer Umdrehung: des Schiffes: für einen so: gut aufgestellten
Kompafs, wie: im. vorliegenden: Falle;, nicht. zur. Wirkung gelangen..
Die Schlufsfolgerung erscheint demnach nicht unberechtigt, dafs Be-
stimmungen der magnetischen Deklination. auf einem eisernen Schiffe durch
Kompafsbeobachtungen, wenn man in der Lage ist, durch vollständige Um-
drehungen: des Schiffes:den störenden Einflu(s des Schiffsmagnetismus zu‘ eliminiren,
innerhalb weniger Zehntel; Grade: sehr wohl möglich sind. Iw der That‘ zeigen
auch die vorliegenden: Beobachtungen auf der‘ Valdivia“ an: denjenigen: Orten;
wo fortgesetzte Untersuchungen an den Küsten die Genauigkeit‘ der‘’magnetischen
Karten verbürgen, eine fast vollständige Uebereinstimmung mit den Isogonen.
Südlich vom Kap der Guten Hoffnung wurde indefs die westliche Deklination
um 2 bis 3° kleiner und auf den östlichen Längen im Indischen. Ozean um
1 bis 2° gröfser beobachtet, als die Karten angeben.‘ Wenn’diese Beobachtungen
auch nicht zahlreich genug sind, um: danach die magnetischen Karten zu ver-
4) Vgl. Koldewey: „Ueber die Veränderungen des Magnetismus im eisernen Schiffe,“
„Archiv der Seewarte“, Heft 4, Seite 12.