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Full text: Annalen der Hydrographie und maritimen Meteorologie, 30 (1902)

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Annalen der Hydrographie und Maritimen Meteorologie, Juni 1902, 
Dem Navigationsoffizier wurde durch eine besondere Instruktion der 
Direktion der Seewarte anempfohlen, aufser den gewöhnlichen Deviationsbeob- 
achtungen auf den zu steuernden Kursen des Schiffes, zum Zwecke der genauen 
Bestimmung der Deviationskoeffizienten und der magnetischen Deklination (Mifs- 
weisung) von Zeit zu Zeit, etwa von 10° zu 10° Breite, wenn die Hauptaufgaben 
der Expedition es gestatteten, vollständige Rundschwaiungen, womöglich einmal 
rechts, einmal links herum, vorzunehmen, Diese Beobachtungen sollten zugleich 
dazu dienen, den Grad der Genauigkeit zu ermitteln, mit der es möglich sein 
würde, magnetische Bestimmungen auf einem eisernen Schiffe mittelst eines 
guten genau gearbeiteten und justirten Kompasses auszuführen. 
Dieser Aufgabe hat sich Herr Sachse, wie die wohlgefüllten Journale 
beweisen, mit anerkennenswerthem Eifer unterzogen, und liefert die innere 
Uebereinstimmung der zahlreichen Beobachtungen zugleich den Beweis für die 
Sorgfalt und das Verständnifs, mit der diese Arbeiten ausgeführt wurden. Die 
Resultate von 23 vollständigen Rundschwaiungen des Schiffes, die für die vor- 
liegende Untersuchung genügen, sind in der umstehenden Tabelle enthalten. 
Es ist dabei zu bemerken, dafs die 32 Einzelbeobachtungen jeder Schwaiung 
direkt zur Berechnung der Deviationskoeffizienten und der Mifsweisung benutzt 
worden sind, ohne dafs erst ein Ausgleich durch Zeichnung einer Kurve vor- 
genommen wurde. Mit den auf diese Weise bestimmten vier Koeffizienten jeder 
Rundschwaiung wurde dann zur Ermittelung der Beobachtungsfehler die Deviation 
für jeden Kurs berechnet und von den beobachteten Werthen abgezogen. 
Danach stellt sich, wie die Tabelle zeigt, der durchschnittliche Fehler einer 
Beobachtung im Mittel auf +0,44°, der mittlere auf +0,59° und der wahr- 
scheinliche Fehler auf + 0,38°. Dementsprechend fällt auch die Hälfte der Ab- 
weichungen vom Mittelwerthe unter 0,4°, und Abweichungen über 1° kommen 
bei jeder Rundschwaiung im Durchschnitt nur zwei vor, also nur 6%. Diese 
Werthe sind in vollständiger Uebereinstimmung mit den Erfahrungen, die die 
Seewarte bei den Regulirungen der Kompasse auf der Unterelbe gemacht hat; 
auch hier ist es selbst unter den günstigsten Verhältnissen und bei den besten 
Kompassen nicht möglich gewesen, den durchschnittlichen Fehler einer Beob- 
achtung unter 0,4° zu bringen. Dafs bei den vorliegenden Beobachtungen auf 
hoher See und schwankendem Schiffe die übrig bleibenden Fehler keinen 
gröfseren Betrag erreicht haben und dieselben Resultate beim Schwaien rechts und 
links herum erzielt wurden, ist der beste Beweis sowohl für die Sorgfalt der 
Beobachtungen wie auch für die Güte des Kompasses selbst und das genaue 
Funktioniren desselben. Ein Nachschleppen der Rose infolge von Reibung der 
Pinne am Hütchen bei den Drehungen des Schiffes hat sich an keiner Stelle 
nachweisen lassen, 
Diesen Resultaten entsprechend mufs der Fehler in den Deviations- 
koeffizienten und der ermittelten magnetischen Deklination ein noch geringerer 
sein. Bei den auf horizontaler Induktion des Erdmagnetismus in weichem Eisen 
beruhenden, für alle Breiten, abgesehen von kleinen Schwankungen durch 
Temperatureinflüsse, konstanten Koeffizienten D und H beträgt die durch- 
schnittliche Abweichung vom Mittelwerthe bei D +0,28°, bei H nur + 0,16°, 
so dafs mit ziemlicher Sicherheit geschlossen werden kann, dafs auch der Werth 
der Koeffizienten der halbkreisartigen Deviation und der Mifsweisung durch- 
schnittlich um keinen gröfseren Betrag von der Wahrheit abweichen kann. 
Um hierüber sowie über die Konstanz oder die Veränderung des magne- 
tischen Zustandes des Schiffes zu einem weiteren Urtheile zu gelangen, ist es 
nöthig, die Koeffizienten B und C in ihre einzelnen Theile zu zerlegen, d. h. 
die Koeffizienten des durch vertikale Induktion hervorgerufenen, des permanenten 
und des remanenten Magnetismus in ihrer Wirkung auf den Kompafs aus den 
ermittelten Werthen von B und € zu berechnen nach den bekannten Formeln: 
Bm Stang I +7 ET sec J cos $p 1) 
SC = £ungI+2 1 + Tse0J sin &p 
:‚ Vgl. „Der Kompafs an Bord“. Seite 139.
	        
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