Konkurrenz-Prüfung von Marine-Chronometern im Winter 1901—1902, 991
In dieser Formel sind die algebraischen Vorzeichen von B’ und A zu berück-
sichtigen. — Endlich erhält man den Werth der täglichen Acceleration C des
täglichen Ganges, indem man die Differenz der Gänge bildet, welche während
zweier zur Mitte der Untersuchungszeit symmetrisch gelegener Dekaden beob-
achtet worden sind, und alsdann diese Differenz durch die Anzahl der zwischen
der Mitte beider Dekaden liegenden Tage dividirt. Nachdem man in dieser Weise
die tägliche Acceleration aus den beiden äufsersten Dekadenpaaren der Prüfung
berechnet hat, ist der Mittelwerth beider Bestimmungen gleich C zu setzen.
Innerhalb der einzelnen Klassen werden die Chronometer nach dem Werth
der Summe A + 2B + C geordnet, wobei die Vorzeichen der Summanden nicht
zu berücksichtigen sind.“ |
Aus der umstehenden tabellarischen Uebersicht ergiebt sich, dal sich die
konkurrirenden Chronometer procentisch in folgender Weise auf die einzelnen
Klassen vertheilen:
Klasse I H I IV vV!)
31% 28% 19% 20% 29%
Unmittelbar nach Schlufs der Prüfung wurden die Chronometer wie in
den früheren Jahren durch die an der Prüfung betheiligten Chronometermacher
E. Bröcking in Hamburg, A. Kittel in Altona und A, Meier in Firma
Th. Knoblich in Hamburg im Beisein des Herrn Direktors der Seewarte
und der Beamten der Abtheilung IV einer Untersuchung auf ihren gegen-
wärtigen Zustand unterzogen. Auf besonderen Wunsch der Direktion der See-
warte betheiligte sich auch Herr E. Sackmann sen. aus Altona an dieser In-
augenscheinnahme. Es wurden weder an den Unruhen noch an den Spiralen
der Chronometer Rostspuren gefunden, deren Entstehung auf die Zeit oder auf
den Modus der Prüfung zurückgeführt werden konnte. Bei einigen Instrumenten
zeigte sich eine geringe Farbenveränderung des Oels am Sekundenradszapfen, und
zwar war statt der rein gelben Farbe bei einigen Uhren ein Stich ins Bräunliche,
bei anderen ein Stich ins Grünliche bemerkbar. Derartige Farbenveränderungen
pflegen, wie die Sachverständigen ausdrücklich betonten, auch unter normalen
Verhältnissen im Laufe der Zeit stets einzutreten.
Die ausgesetzten Prämien konnten nicht zur Vertheilung gelangen, da
die Chronometer deutschen Ursprungs die Bedingungen der ersten Klasse
nicht vollständig erfüllt hatten. Ausnahmsweise wurde von dem Herrn Staats-
sekretär des Reichs-Marine-Amts für jedes deutsche Chronometer, welches in die
zweite Klasse gelangt war (im Ganzen 7 Instrumente), eine Gratifikation von je
M. 100 bewilligt. — Die sämmtlichen Chronometer der ersten Klasse sowie
11 Chronometer der zweiten Klasse (im Ganzen 28 Instrumente) wurden für die
Kaiserliche Marine angekauft.
Nach Beendigung der Konkurrenz-Prüfung sind für sämmtliche Chrono-
meter von Herrn Hülfsarbeiter Heuer die Temperatur-Koefficienten abgeleitet
worden. Es wurde hierbei die gewöhnliche Gangformel
g= go +al(lt— 15°C) + b(t— 15°C)?
zu Grunde gelegt. Die numerische Rechnung ist unter Anwendung der Methode
der kleinsten Quadrate mit Benutzung der vom Unterzeichneten mitgetheilten
rechnerischen Abkürzungen („Annalen der Hydrographie etc.“, 1895, Seite 388)
De ührt worden. Die an der genannten Stelle definirten Größen A und
auten:
\. = + 0,0223
'- 0,0258
0,0105
- 0,0237
- 0,0565
By = — 0,00537
3 = — 0,00784
Ba = —0,00741
By = — 0,00408
Ba = — 0,00035
(Fortsetzung des Textes S, 294.)
l) Der Kürze wegen sind, wie in früheren Fällen, diejenigen Chronometer als zur Klasse V
gehörig bezeichnet worden, welche die für die Klasse IV festgesetzten Maximalwerthe der charak-
teristischen Zahlen überschritten haben.
Ann. 4. Hyär. ete., 1902, Heft VI.