Zur Frage der Löthablenkung in dem Gebiete Vorderindiens.
die Thatsache, dafs der beobachtete Einflufs der Attraktion des Himalaya auf
die Lothlinie in Kaliana (in Breite 29° 30‘ 48“) des nördlichen Endpunktes des
indischen Meridianbogens 5,236“ beträgt, während die Anziehung des sichtbaren
oder auflagernden Massengebirges des Himalaya an jenem Punkte nach den
Berechnungen des: Archdeacon Pratt genügt, um eine Ablenkung von 27,853“
zu erzeugen. Allein wir werden später sehen, wie Major Burrard in dem uns
vorliegenden und der Untersuchung unterworfenen Bericht zeigt, dafs infolge
unserer gründlicheren Kenntnifs des Gebirgssystems in Nordindien und infolge
einer vollständigeren Bekanntschaft mit der Tiefe des Indischen Ozeans, in
Verbindung - init anderen Gründen alle Beweisführungen noch einmal‘ durch-
geführt und die Berechnungen nochmals wiederholt werden müssen. Wenn dies
geschehen sein wird, so: kommt Burrard zur Schlufsfassung, dafs in der
That kein Grund für die Annahme besteht, dafs der Einflufs des Himalaya auf
die Richtung der Lothlinie sich nicht bis zum südlichen Theile von Indien er-
streckt, und selbst bei Kap Comorin kann die Gebirgsmasse eine Ablenkung
von. 1 öder 2 Sekunden- verursachen.
Die Frage der Ablenkung der Lothlinie in Indien ist mit vielfachen
Schwierigkeiten umgeben und verdunkelt. durch anscheinende‘ Widersprüche;
auch nimmt Major Burrard nicht in Anspruch, dafs er die Sache endgültig
aufgeklärt hat, obgleich sein. Werk für eine Wiederaufnahme des Studiums dieses
Gegenstandes auf Grund der neuesten Thatsachen höchst bedeutsam ist. KEhe
man ‚an eine durchaus befriedigende Beschlufsfassung herantreten kann, mufßs
noch eine viel gröfsere Anzahl von Beobachtungen gemacht und weitere
Information erhalten werden, allein, wie Major Burrard in der Vorrede sagt,
„ist eine periodische Erforschung durchaus nothwendig, wenn wir das in jeder
Hinsicht nützlichste Progamm für die zukünftige Arbeit niederlegen wollen“.
Während einer ganzen Reihe von Jahren kann man den Gegenstand als ver-
nachlässigt gewesen erachten, mit Ausnahme der stets sich anhäufenden Be-
weise, die sich nothwendigerweise aus dem Fortschritt der indischen trigono-
metrischen Vermessung ergaben, und es wurde derselbe erst wieder ernstlich in
Angriff genommen infolge einer Abhandlung, welche der verstorbene General
J; T. Walker (Surveyor-General of India) der Royal Society im Jahre 1895
vortrug. Ehe es möglich werden wird festzustellen, um welchen Betrag der
Himalaya die Lothlinie durch Indien ablenkt, ist es natürlich nothwendig, die
Beobachtungsstation von dem Einflusse der Lokalattraktion zu befreien, und
um dieses auszuführen, schlägt General Walker in seiner Abhandlung ein System
der Gruppirung vor, d. h., dafs jede Station von anderen von ihr in geringer
Entfernung liegenden Stationen umgeben werden soll und dafs Beobachtungen
an allen diesen Stationen zu machen sind, mittelst welcher die Lokalattraktion
abgeleitet werden könnte. In derselben Abhandlung versuchte er das Ueber-
wiegen‘ von nördlichen Ablenkungen durch Indien zu erklären, indem er an-
nimmt, daß Lokalattraktion eine südliche Ablenkung in Kaliänpur hervorbringt,
welche Station als Referenzstation für die indische Vermessung angenommen wird,
; Diese Abhandlung stellt die Frage wieder in den Vordergrund, und es
wurde durch die indische Landesvermessung ‚beschlossen, die Vorschläge
General Walkers in Ausführung zu bringen und eine „Gruppirung“ von Beob-
achtungsstationen einzurichten rund um Kaliänpur, um die Lokalattraktion an
diesem Platze festzustellen, Ä |
Das Resultat der an diesen Stationen. gemachten Beobachtungen ist in
Major Burrards: Bericht enthalten, auf dessen Seite 17 die nachfolgenden
Werthe der Breite von Kaliänpur mitgetheilt sind:
In der Berechnung der Triangulation angenommener Werth 24° 7‘ 11,20“.
Mittlerer beobachteter Werth von sechs verschiedenen Beobachtungen
in Kaliänpur selbst ausgeführt von verschiedenen Beobachtern
zwischen 1824 und 1899 (die pröfste Differenz. . |
” =... zwischen diesen ist 0,85“)... 24° 7 10,97”
Von der „Gruppirung“ ‚abgeleiteter Werth ............24° 7‘ 11,57“
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Unter der Annahme, ‚dafs der letzte der drei, durch die „Gruppirung“
abgeleitete Werth, von Lokaleinflufs befreit ist, wird ‚gefolgert, dafs das
astronomische Zenit von Kaliänpur um 0,60“ nach Norden verschoben ist.