accessibility__skip_menu__jump_to_main

Full text: Annalen der Hydrographie und maritimen Meteorologie, 30 (1902)

u 
a 
Annalen der Hydrographie und Maritimen Meteorologie, Juni 1902, 
Die Ablenkung des Lothes in Indien. 
Von E. A. Reeves.) 
(„The Attraction of the Himalaya Mountains upon the Plump-Iline in India.“ 
Considerations of Recent Data by Major S. G. Burrard, R. E. Superintendent 
Trigonometrical Surveys. Published by direction of Colonel Lt, G. C. Gore, 
R. E. Surveyor-General of India. Professional Paper No. 5. Dehra Dun: printed 
at the Office of the Trigonometrical Branch, Survey of India 1901.) 
Die Frage der Ablenkung der Lothlinie von der wahren vertikalen 
Richtung, die abhängig ist von der ungleichen Einwirkung der Schwerkraft, 
veranlafst durch Unregelmäfsigkeiten in der Bildung der Erdrinde, ist von der 
ernstesten Erwägung, wenn immer eine vollständige trigonometrische Vermessung 
eines Landes ausgeführt werden soll. Solche Unregelmäfsigkeiten verursachen 
Fehler in der astronomischen Bestimmung von Positionen, deshalb weil sie ein- 
wirken auf die Niveaux des Theodolits, mit welchem die Beobachtungen aus- 
geführt werden. Selbst in vergleichsweise flachen Ländern, wie in Russland, 
kann der Gegenstand nicht ohne Beachtung bleiben, und in der Nähe von 
Moskau, auf einer 60 Meilen langen Linie, die nahezu Ost--West über eine 
Ebene läuft, sind nördliche Ablenkungen von 8 Bogensekunden konstatirt, 
während längs einer parallelen Linie, die 9 Meilen im Süden davon liegt, die 
Lothlinie vertikal herabhängt. Längs einer dritten Linie, 9 Meilen weiter nach 
Süden, findet sich eine südliche Ablenkung von 8 Bogensekunden. Es ist dies 
sicherlich ein Ausnahmefall, und giebt es wahrscheinlich nur wenige Orte auf 
der Oberfläche der Erde, welche einen so grofsen Wechsel in der Direktion 
der Lothlinie auf so kurze Entfernungen zeigen. Und doch, wie es wohl er- 
wartet werden darf, ist die Frage in Iudien, wo der mächtige Gebirgszug des 
Himalaya sich längs der nördlichen Grenze hinzicht, durchaus nicht unbedeutend, 
and zu einer sehr frühen Zeit der trigonometrischen Landesvermessung in Indien 
war man zur Erkenntnifs gelangt, dafs dieselbe sorgfältigst geprüft werden müfste. 
So war beispielsweise gefunden worden, dafs die geographische Breite von Orten, 
die sich aus Beobachtungen mit den besten Instrumenten und berechnet mit der 
äufsersten Sorgfalt ergaben, mit den Resultaten aus einer Triangulation nicht 
übereinstimmten. Ganz ähnliche Differenzen wurden wahrgenommen in Beziehung 
auf Längen und Azimute. Obgleich nun diese Differenzen nirgends mehr als 
wenige Bogensekunden betrugen, wurde es bald klar, dafs dieselben nicht zu- 
fällig noch weniger Fehler der Rechnungen zuzuschreiben seien und nur auf die 
Ablenkung der Lothlinie zurückgeführt werden konnten, verursacht durch Un- 
regelmäfsigkeiten in der Anziehung der Schwerkraft. Naturgemäfs wurde die 
große Masse des Himalaya - Gebirgszuges als Hauptursache dieser abnormen 
Verhältnisse angenommen, und in den früheren Tagen der Landesvermessung 
von Indien wurde erheblich über diesen Gegenstand mit der Absicht geschrieben, 
eine weitere Untersuchung zu veranlassen. Umfangreiche Berechnungen, u. A, 
ausgeführt im Jahre 1852 von dem verstorbenen Archdeacon Pratt von Calcutta, 
sind später auf Verlangen von Sir Andrew Waugh, der damals Chef der 
Landesvermessung in Indien war, in den „Philosophical Transactions of the 
Royal Society“ veröffentlicht worden. Als Folge dieser Untersuchungen wurde 
allgemein angenommen, dafs der Einflufs des Himalayas auf die Richtung der 
Lothlinie in Indien durch einen Mangel an Materie unter diesem Gebirgszuge 
ausgeglichen wurde, oder durch eine andere Ursache, und es wurde in den 
letzten 40 Jahren als unmöglich angenommen, dafs der mächtige Gebirgszug 
irgend einen Einfluls äufsern könnte auf die Richtung der Lothlinie bis zum 
Süden von Centralindien. So kam es, dafs man annahm, dafs alle beobachteten 
Differenzen zwischen den astronomischen und geodätischen Positionen von Orten 
in einer erheblichen Distanz vom Himalaya nur lokalen Unregelmäfsigkeiten 
zugeschrieben werden könnten. Der Hauptgrund zur Annahme, dafs die An- 
ziehung des Himalaya ausgeglichen werde von einer unsichtbaren Ursache, war 
„The Geographieal Journal“, May 1902, p. 615—618.
	        
Waiting...

Note to user

Dear user,

In response to current developments in the web technology used by the Goobi viewer, the software no longer supports your browser.

Please use one of the following browsers to display this page correctly.

Thank you.