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Full text: Annalen der Hydrographie und maritimen Meteorologie, 30 (1902)

Zur Frage der Lothablenkung in dem Gebiete Vorderindiens. 
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Die Koefficienten der aus der indischen Messung angesetzten Gleichungen 
sind aber derart, dafs die Resultate der Rechnungen diese Gleichungen 
möglichst genau erfüllen müssen und an denselben nur kleine Amplitud- 
fehler ergeben können. 
Die aus den übrigen Gradmessungen angesetzten Gleichungen haben 
keine so bedeutenden Koeffieienten, um den Werthen, welche die 
Gleichungen der ostindischen befriedigen, auch .wenn sie nicht unbe- 
deutend fehlerhaft sind, einen Widerstand durch die Gröfse ihrer Fehler 
entgegenzusetzen, 
Wenn man die übrigen Gradmessungen mit Ausschlufs der ostindischen 
für sich allein in Rechnung zieht, erhält man für w (Abplattung der 
Erde) beträchtlich von denjenigen abweichende Werthe, die unter Mit- 
wirkung der ostindischen Messung errechnet werden. 
Diese Ergebnisse der übrigen Gradmessungen für g° und w vermitteln 
an den Stücken der ostindischen Messung nicht unbeträchtliche Werthe 
für die Amplitudfehler. 
Man hat durchaus kein Hülfsmittel, um die wahren Polhöhefehler der 
Punkte zu bestimmen, und aus den Werthen, welche man willkürlich 
berechnet und als Polhöhefehler bezeichnet hat, folgt durchaus kein 
Grund, um anzunehmen, die Lothablenkungen an den astronomisch be- 
stimmten Punkten der ostindischen Gradmessung seien in Wirklichkeit 
nicht so grofs, als sie nach den Lokalitäten und nach dem unter 1 Ge- 
sagten mit allem Grunde vermuthet werden müssen. Jene Werthe haben 
auch nicht einen Schein von Wahrheit und Wahrscheinlichkeit für sich. 
Wie schon erwähnt, gelangte Stokes auf einem anderen Wege zu ganz 
ähnlichen Schlufsfolgerungen. Auch H. Bruns hat sich mit dem Gegenstande 
in einer Abhandlung,. betitelt: „Die Figur der Erde“, 1878, Seite 15, befafst 
und gewisse Schlufsfolgerungen gezogen. Es kann hier nicht des Näheren auf 
die mathematischen Ausführungen von Bruns, indem er die Resultate aus den 
Arbeiten der beiden genannten Forscher Fischer und Stokes!) zusammenfafst, 
eingegangen werden. Wichtig ist noch für das Verständnils dieser Frage, was 
Helmert in seinem Werke über die mathematischen und physikalischen Theorien 
der höheren Geodäsie, I. Band, Seite 610 u. ff., sagt; er erörtert die hierbei zu 
berücksichtigenden Grundgedanken in der ihm eigenthümlichen scharfen und 
bündigen Weise, worauf hier nur verwiesen werden mag. In dem letzten Be- 
richte der Internationalen Erdmessung,?) wo in einem Berichte von Major 
Burrard das Wesentlichste der geodätischen Operationen in Indien in den 
letzten Jahren in deren Ergebnissen niedergelegt ist,°) finden sich für das Ver- 
ständnifs des in Uebersetzung hier vorliegenden Berichtes wichtige Ausführungen, 
auf welche hier im Besonderen aufmerksam gemacht sein soll. Wenn es auch 
nicht zu verkennen ist, dafs die Frage des Betrages und des Wesens der Loth- 
ablenkung in Vorderindien noch nicht als endgültig beantwortet anzusehen ist, 
so mufßs doch anerkannt werden, dafs durch die nun vorliegenden Arbeiten ein 
wesentlicher Schritt voran geschehen ist, und zwar nicht allein mit Bezug auf 
die einschlägigen Erscheinungen in Vorderindien, sondern mit Bezug auf die 
Wirkungen grofser Gebirgsmassen auf geodätisch-astronomische Operationen 
überhaupt. Von diesem Gesichtspunkte aus erscheint die Aufnahme des er- 
wähnten Berichtes in den „Annalen der Hydrographie und Maritimen Meteoro- 
logie“ von Interesse und deshalb gerechtfertigt. 
1) Stokes: „On the variation of gravity on the surface of the Earth.“ Trans. of the 
Cambridge Phil, Soc. Vol. VIHL ; 
2) „Verhandlungen der vom 25. September bis 6. Oktober 1900 in Paris abgehaltenen 
XII. allgemeinen Konferenz. der Internationalen Erdmessung“, redigirt vom ständigen Sekretär 
HE. G. van de Sande Bakhuyzen. 1901. Seite 115 bis 139. 
3) „An Analysis of the Kalianpur astronomical observations of 1898—1899 and a consequent 
reconsideration of the errors of the initial elements of the Indian Survey.“
	        
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