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Full text: Annalen der Hydrographie und maritimen Meteorologie, 30 (1902)

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Annalen der Hydrographie und Maritimen Meteorologie, Juni 1902. 
Zur Frage der Lothablenkung in dem Gebiete Vorderindiens. 
Aus Anlafs eines jüngst erschienenen über die Frage der Lothablenkung 
in dem Gebiete Vorderindiens sich verbreitenden Werkes werden nachfolgende 
historische Bemerkungen einiges Interesse haben. Das in Rede stehende Werk 
liegt uns nicht im Original vor, aber eine Besprechung des Inhaltes desselben 
im „Geographical Journal“, London, vom Monat April dieses Jahres aus der 
Feder des Herrn Reeves giebt ein so klares Bild über den jetzigen Stand der 
Frage, dafs es von Interesse sein wird, auch in dem Leserkreise dieser Zeit- 
schrift eine Kenntnifs davon erhalten zu können. Wir geben daher im Nach- 
folgenden eine Uebersetzung des erwähnten Aufsatzes und schicken derselben 
nur einige Bemerkungen über die Entwickelung dieser Frage voraus. 
Wie bekannt, wurden in Ostindien zwei Messungen eines Meridianbogens 
ausgeführt. Die erste dieser Messungen geschah zu einer so frühen Zeit 
mangelnder Einsicht in das Wesen der in Rede stehenden Arbeiten und ge- 
diegener Instrumente, dafs es dem Einsichtigen nicht auffallen kann, wenn die 
Ergebnisse dieser Messung nicht allzu hoch angeschlagen wurden, d. h. einem 
geringen Grade von Zutrauen begegneten. Anders verhält es sich mit der 
zweiten ostindischen Gradmessung, die vom Kap Comorin bis zum Fulse des 
Aimalaya sich erstreckte. Mit der Durchführung dieser grofsen Arbeit sind 
Fragen von so einschneidender Bedeutung verknüpft, dafs man sich nicht wundern 
kann, wenn wissenschaftliche Diskussion sich mit der Frage der Lothablenkung 
in Indien befafste. Es begann die geodätische Operation in Indien im Jahre 1800 
und wurde fast obne Unterbrechung bis an das Ende des 19. Jahrhunderts 
durchgeführt. Gewisse Widersprüche in den Ergebnissen der Kalkulation ver- 
ursachten Zweifel in die Zuverlässigkeit der auf die Ergebnisse der Vermessung 
beruhenden Schlufsfolgerungen. Allein es dauerte eine geraume Zeit, bis man 
es wagte, der gründlichen Prüfung der Frage näher zu treten, und ist es als 
das Verdienst des Archdeacon (Archidiakonus) Pratt zu bezeichnen, dals Ge- 
lehrte von der Bedeutung des Engländers Stokes und des Deutschen 
Ph. Fischer sich mit Untersuchungen über die Lothablenkungen in Indien be- 
fafßsten. Der „Astronomer Royal“ von Grofsbritannien, Sir G. B. Airy, erörterte 
in verschiedenen Abhandlungen den Grundsatz, dafs ein Einflufs der Massen des 
Himalaya und des Hochplateaus von Tibet auf das Loth aus von ihm erörterten 
Gründen nicht stattfinden könne. Da die theilweise Hinfälligkeit dieser Argu- 
mente Airys wohl als erwiesen anzusehen ist, so verlohnt es sich nicht, hier 
nochmals darauf zurückzukommen; überdies ist in jüngster Zeit bei der Erörte- 
rung der Ergebnisse der neuesten Vermessungen in Indien vereinzelt wieder von 
Airys Einwänden gegen die Berechnungen von Pratt die Rede gewesen, so in 
einem Aufsatze in „Nature“ (May 22 1902, No. 1699, p. 80—81). Wie schon 
erwähnt, mufs es als ein Verdienst Fischers anerkannt werden, dafs er in dem 
von ihm herausgegebenen Werke „Untersuchungen über die Gestalt der Erde“ 
(Darmstadt 1868) auf die theilweisen Irrthümer der bisher angenommenen Fol- 
genungen hinwies und für die Ansichten Pratts?!) eintrat. Auf Seite 213 und 
14 des genannten Werkes faßst Fischer die Grundgedanken seiner Forschungen 
zusammen; es mögen dieselben in abgekürzter Form hier eine Stelle finden, 
wenn sie auch durch die neueren Beobachtungen und Untersuchungen vielfach 
berichtigt worden sind. 
Fischer stellt die von ihm vertretenen Ansichten in einer Linie in fol- 
gender Weise nebeneinander: 
Ist es unzweifelhaft, dafs die Verhältnisse der Halbinsel Vorderindiens 
durch den Gegensatz von Kontinent und Ozean und wegen der gewal- 
tigen Masse des Himalaya und des tibetanischen Hochlandes von solcher 
Art sind, dafs durch sie Lothablenkungen von sehr bedeutender Gröfse 
and damit auch grofse Amplitudfehler der geodätisch gemessenen Bogen 
hervorgerufen werden müssen. *?) 
) „A Treatise on attractions ete, and the Figur of the Earth“. Cambridge 1860, S. 56. 
2) Amplitude ist hier der Winkel am Mittelpunkt der Erde zwischen den Radien. die nach 
den Endpunkten der gemessenen Basis gehen.
	        
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