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Annalen der Hydrographie und Maritimen Meteorologie, Juni 1902.
Gelegentlich und sofern allgemeineres Interesse für die Seefahrtskreise
dafür spricht, ganz besonders aber dann, wenn die Navigirung oder die Sicher-
heit und der allgemeine Schiffsbetrieb damit in Verbindung stehen, werden noch
berücksichtigt werden:
VIII. Seerecht und Straßenrecht auf See.
IX. Schiffs- und Maschinenbau.
X. Handelsgeographie und Statistik.
Neben der Veröffentlichung sachgemäfser Originalabhandlungen und Mit-
theilungen wird eine besondere Aufmerksamkeit auch anderwärts erscheinenden
Artikeln dieser Gebiete zu schenken sein.
fs wird mit der vorstehenden Aufzählung das Arbeitsgebiet der „Annalen
der Hydrographie“ als einer Zeitschrift der Seefahrts- und Meereskunde noch
nicht vollständig erschöpft sein, sondern es mögen wohl gelegentlich auch noch
Fragen auftauchen, die in die aufgezählten Gebiete nicht einzureihen sind und
doch für eine Bearbeitung in den „Annalen der Hydrographie etc.“ sich
empfehlen. Politische Gesichtspunkte irgendwelcher Art werden aber natur-
gemäfs von hier unbedingt ferngehalten werden müssen.
Allerdings umfalst der Name der „Annalen der Hydrographie und Mari-
timen Meteorologie“ bei Weitem nicht mehr den Inhalt dieser Zeitschrift,
Dieser Name ist jedoch so eingebürgert und hat sich einen so guten Klang
auch im Auslande erworben, dafs eine Aenderung desselben nicht rathsam erscheint.
Um das hier gesteckte Ziel der geistigen Verbindung aller an der See-
fahrt interessirten Kreise zu erzielen, bedarf es der Mitwirkung aller dieser
Kreise. Es darf wohl hier die Hoffnung ausgesprochen werden, dafs die vor-
stehenden Darlegungen erneut zur Mitarbeit auch in den wissenschaftlichen und
technischen Kreisen anregen mögen. Die reiche, nicht hoch genug anzuer-
zennende Mitarbeit, weiche die Offiziere der Kriegs- und die deutschen Kapitäne
und Offiziere der Handelsmarine seit Begründung der Seewarte diesem Institut
haben zu Theil werden lassen, läfst an der weiteren Mitarbeit auch an den be-
sonderen Zwecken dieser Zeitschrift nicht zweifeln. Wenn es gestattet ist, in dieser
Beziehung noch einen Wunsch zu äufsern, so ist es der, dafs die praktisch
;hätigen Seefahrer mehr als bisher sich über die Anwendbarkeit und Zweck-
mäligkeit einzelner Methoden, Instrumente und Apparate, sowie in dieser Be-
ziehung oder auch sonstwie gemachte Erfahrungen äufsern und Mittheilungen
hierüber machen möchten.
Als ein überaus erfreuliches Nebenergebnifs der gemeinsamen Mitarbeit
der technischen, wissenschaftlichen und praktisch-nautischen Kreise an dieser
Zeitschrift zum Zwecke der Förderung deutscher Seefahrt, deutscher Seeinter-
essen und deutscher Wissenschaft wird es zu betrachten sein, wenn dadurch
immer mehr die Erkenntnifs sich verbreitet, dafs Theorie und Praxis nicht in
dem so oft fälschlich behaupteten Gegensatze stehen, sondern dafs die im Grunde
doch nur alle früheren Erfahrungen darstellende und zusammenfassende Theorie
mit der Praxis, d. i. dem Ergebnifs einzelner Erfahrungen, dem gleichen Ziele
zustrebt. Hr.
Ebbe und Flut
3owie verwandte Erscheinungen im Sonnensystem.
Von George Howard Darwin!).
Einführende Worte zur deutschen Uebersetzung.
Von Dr. v. Neumayer, Wirklicher Geheimer Admiralitätsrath und Direktor der Seewarte.
Wenn ich auf Wunsch des Verlegers das vorliegende Buch, eine Ueber-
setzung des Werkes von G. H. Darwin: „The Tides and Kindred Phenomena
in the solar system“, mit einigen Worten bei dem deutschen gebildeten Publikum
1) Die nach der zweiten englischen Auflage von Agnes Pockels in Braunschweig aus-
geführte autorisirte deutsche Ausgabe dieses Werkes ist in diesen Tagen bei B. G. Teubner in
Leipzig erschienen und darf als eine Bereicherung unserer einschlägigen Litteratur bezeichnet werden,
4, H. Darwin’s „The Tides and Kindred Phenomena in the solar system“ kann als ein Werk von