Die Ziele der „Annalen. der Hydrographie und Maritimen Meteorologie“. 977
Unter Berücksichtigung aller dieser Umstände erscheint der Wunsch nach
einer Zeitschrift wohlbegründet, welche den gesammten Interessen der Schiffahrt
Rechnung trägt und aufklärend und belehrend in weiteren Kreisen wirkt und
so ein geistiges Band bildet, das jene verschiedenen zur Seefahrt in Beziehung
stehenden Interessenkreise verbindet. .
Dies ist schon bisher immer das Bestreben der Behörden gewesen, welche
die „Annalen der Hydrographie ete.“ herausgegeben haben, wenn auch die Um-
stände zeitweise veranlafsten, die Grenzen des in dieser Zeitschrift zu behan-
delnden Stoffes enger zu ziehen. Den äufseren Anlafs, die Ziele der „Annalen
der Hydrographie etc.“ hier darzulegen, giebt, wie bereits bemerkt, das jetzige
Ausscheiden gewisser Berichte, die in der letzten Zeit einen sehr erheblichen
Theil des Inhaltes dieser Zeitschrift ausmachten. Der innere Grund hierfür
liegt aber in dem Wunsche, bei Gelegenheit zum Ausdruck zu bringen, wie die
veränderten Verhältnisse auf die Ausgestaltung der „Annalen der Hydrographie etc.“
hingewirkt haben und wohl auch noch ferner hinwirken werden. Dazu tritt der
Umstand, dafs selbst gewisse Arbeitsgebiete der Seewarte nicht mehr von
dieser allein gepflegt werden, sondern dafs in deren Grenzen liegende Unter-
suchungen und Forschungen mit der weiteren Verbreitung des Interesses an
Seefahrt‘ und Meereskunde auch von aufserhalb der Seewarte liegenden Stellen
unternommen werden. Es soll hiermit darauf hingewiesen werden, wie wün-
schenswerth es im allgemeinen Interesse ist, wenn aufser den Ergebnissen der
Forschungen der Seewarte, zu deren Veröffentlichung die „Annalen der Hydro-
graphie. etc.“ natürlich stets dienen werden, auch die Errungenschaften anderer
Stellen auf denselben Arbeitsgebieten durch diese Zeitschrift zur weiteren
Kenntnifs gebracht werden und dadurch einer sowohl für die einzelnen Leser
als auch für die Autoren nachtheiligen Zersplitterung vorgebeugt wird.
Als einer solchen Zeitschrift der Seefahrts- und Meereskunde mit den
bereits dargelegten Zielen würde den „Annalen der Hydrographie etc.“ also die
Aufgabe zufallen, die Fortschritte, die Forschungen, die Methoden, die Instru-
mente und sonstige technische Einrichtungen, sowie anderweite Verhältnisse,
Erfahrungen und Beobachtungen, welche die Seefahrt und die Meereskunde be-
treffen, .dem. unmittelbar oder mittelbar daran interessirten oder dem sich aur
allgemein dafür interessirenden Theile der deutschen Bevölkerung in möglichster
Vollständigkeit zur Kenntnifs zu bringen sowie deren Anwendung und die
daraus sich ergebenden Folgerungen für den Seeverkehr weiter zu besprechen.
Insbesondere wird sich der in einer Zeitschrift der Seefahrts- und Meeres-
kunde zu: behandelnde Stoff über folgende Gebiete zu erstrecken haben (vgl.
auch „Hydr. Mitth.“ 1875, S. 106):
I.: Maritime Meteorologie.
1. Wind- und Wetterbeobachtungen zur See und deren Diskussion
im Allgemeinen sowie in Bezug auf die Navigation.
Klimatologie von Inseln und Küstenpunkten. .
Küstenmeteorologie und Sturmwarnungen,
Berichte über aufsergewöhnliche Witterungserscheinungen, insbe-
sondere über Stürme und Orkane.
Ozeanographie: Strömungen und Gezeiten, sowohl in Darstellung ihres
Wesens als auch in ihrer Beziehung zur Navigation, Temperatur, physi-
kalische Erscheinungen (z. B. Salzgehalt, Eisverhältnisse u. dgl.), Topo-
graphie der Meere sowie die Fauna und deren Beziehungen zu den
physikalischen Verhältnissen der Meere u. 8. W.
Physik, soweit sie zur Seefahrt in Beziehung steht, wie Erdmagnetismus,
Sog, Winddruck u..dgl.
Nautische Astronomie. |
Instrumenten- und Apparatenkunde, sowie Signalwesen: Theorie, Be-
schreibung, Anweisung der Handhabung und Beleuchtung der Wirkungs-
weise.
Küsten- und Hafenbeschreibung in einzelnen Fällen von ganz. besonders
allgemeinem Interesse. (Für diese ist sonst, wie bemerkt, die Veröffent-
lichung „Der Pilote, neue Folge“, bestimmt.) .
Schiffshygiene.
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