Annalen der Hydrographie und Maritimen Meteorologie, Januar 1902,
Rockingham,”)
Nach Fragebogen No. 1851 des Kapt. E. Oertel, Bark „Edith“, vom Juli 1901.
Ansteuerung, Der Rottnest-Leuchtthurm überragt die Insel weit; weder
südlich noch nördlich davon befindet sich eine ähnliche Insel, die einen Leucht-
thurm hat. Es scheint dies nicht immer berücksichtigt zu werden, denn zwei
Wochen vor Ankunft der „Edith“ war die englische Bark „Highland Forrest“
etwa 32 Sm südlich von Rottnest gestrandet, da um 2" bei klarem Wetter der
Kapitän Kap Peron oder Garden-Insel mit Rottnest verwechselt hatte. Für
fremde Kapitäne ist die südliche Durchfahrt nicht zu empfehlen. Der Lootse
kommt erst, wenn man sich nordöstlich von Rottnest befindet, an Bord. Kapitän
Oertel umsteuerte, von Süd kommend, die Nordspitze von Rottnest in etwa
1'/a Sm Abstand. Nördlich vom Leuchtthurm zeigte er Lootsensignal, das am
Fuße des Leitfeuer-Leuchtthurmes durch Flackerfeuer beantwortet wurde. Dies
kann leicht irreführen und nicht genug gerügt werden, da man in dunkler Nacht
das Flackerfeuer leicht für das Feuer eines Lootsenbootes hält und darauf zu-
steuert. Da nur ein Schlepper, der gröfsere Schiffe schleppen kann, vorhanden
war, mußte „Edith“ vier Tage warten, um nach dem 22 Sm entfernten Rocking-
ham geschleppt zu werden. Vor der Owen-Rhede liegt eine Barre, auf der nur
3,7 m Wasser ist. Tiefer gehende Schiffe müssen daher durch die südliche und
die Challenger-Durchfahrt in den Cockburn-Sund einsteuern.
Lootsenwesen. Als Lootsenboote dienen kleine Segelboote; ein Lootsen-
dampfer soll beschafft werden. Es besteht Lootsenzwang für See- und Hafen-
lootsen. Lootsenwechsel fand auf Fremantle-Rhede statt. An Lootsengeld zahlte
„Edith“ bei einem Tiefgange von 4,4 m von See nach Gage-Rhede 4 £ 19 sh.
von da nach Rockingham 5 £,
Hafeneinrichtungen; Der Bau der Nordmole wird fortgesetzt, desgl.
die Spreng- und Baggerarbeiten für Kaianlagen. Gröfsere Schiffe liegen an der
grofsen nördlichen Landungsbrücke. Man läßt beide Anker in der Verlängerung
ler Seitenlinie der Brücke fallen und liegt dann mit 75 bis 90 Faden Kette
längsseit. Ketten kann man zum Festmachen nicht verwenden, da bei starken
nordwestlichen Winden stets etwas Dünung im Hafen steht und dann Poller,
Klüsen oder Ketten leicht brechen. Laden ist bei jedem Wetter möglich. Man
ladet bis 5,5 m Tiefgang, den Rest der Ladung erhält man in Fremantle. Hafen-
abgaben und Brückengeld werden nicht erhoben.
Ballast wird etwa 1 bis 1!/2 Sm nördlich von der grofsen Landungsbrücke
über Bord geworfen. Steinballast muß an Land gelöscht werden, was aus
Mangel an Wagen sehr zeitraubend ist. Man hat gewöhnlich nur zwei Wagen
zur Verfügung; wenn einer davon beladen ist, wird er mit Pferden etwa 1 Sm
weit auf der Bahnstrecke fortgeschafft und mufs dann von den Schiffsleuten ent-
leert werden.
Proviant. Nur Schaffleisch, 7 d das Pfund, war zu haben. Grünes Gemüse
wurde zeitweise von Fremantle gebracht und war sehr theuer, z. B. weifser Kohl
4d das Pfund.
Trinkwasser in Rockingham war gut, Preis 2% per cbm. Das Trink-
wasser in Fremantle ist fast unbrauchbar, es wird daher von einigen Schiffen
aus Perth bezogen. Gesundheitspals, eine genaue Proviantliste, zwei Mannschafts-
listen wurden verlangt. Postverbindung zweimal wöchentlich mit Fremantle
yeschieht durch Postwagen, die auch Passagiere gegen 10 sh befördern.
Norfolk, Va.“
Nach Fragebogen No, 1834 des Kapt, Carl Sander, D. „Hermann“, vom September 1901,
Lootsenwesen. Die Looisendampfer führen bei Tage die Flagge P mit
Sternen und nachts ein weilses und rothes Licht, auch zeigen sie Blaufeuer.
Dampfersignal für die Norfolk-Lootsen ist ein langer Ton mit darauffolgendem
') Letzte Veröffentlichung in den „Ann. d, Hydr, etc.“, 1884, Seite 62, Kngl. Adm-Karte
No. 1058, Rottnest Island to Warnbro Sound. .
2) Letzte Veröffentlichung in den „Ann, d. Hydr. etc.“, 1877, Seite 451. Engl, Adın-Karte
No. 355a. Chesapeake bay, No. 2818. Humpton Ruads and Elizabeth river.