274 Annalen der Hydrographie und Maritimen Meteorologie, Mai 1902.
nach den Alpen hin aus und hatte am 7. bis 9. an der ganzen Küste Regen im
Gefolge. Kräftige Winde aus nördlichen Richtungen im Rücken. dieser nach
Südosteuropa schreitenden Theildepression leiteten einen starken Temperatur-
rückgang an der Küste ein. ;
Nachdem am 10. trockene Witterung bestanden hatte, brachte eine am
Il. südostwärts über Südschweden nach Polen schreitende Depression wieder
der Ostsee-Küste Niederschläge. Dann gelangte hoher Luftdruck zwischen der
Depression über Osteuropa und einer über dem Ozean lagernden Depression
zur Entwickelung. Ein am 12, bis 14, fast ganz Europa bedeckendes Hoch-
druckyebiet führte an der Küste wesentlich trockenes und theilweise heiteres
Wetter bei schwachen nach SO drehenden Winden und die niedrigsten Morgen-
temperaturen, für ganz Deutschland Nachtfröste und in Ostdeutschland Kistage
mit unter dem Gefrierpunkte liegenden höchsten Temperaturen herbei.
Alsdann gelangte die in diesen Tagen anhaltend im Nordwesten über
dem Ozean lagernde Depression zur Herrschaft. Ein am Abend des 14. süd-
östlich von Irland erschienenes Theilminimum schritt am 15. und 16,, von
stürmischen Winden aus westlichen Richtungen an der Küste begleitet; über
Jütland und Südschweden nach der südlichen Ostsee und am 17. weiter nach
Westrussland; die Zufuhr ozeanischer Luft brachte Erwärmung und. für die
ganze Küste Niederschläge. Die Winde aus westlichen Richtungen hielten bis
zum Abend des 22. an.
Eine sich bereits am 16. nordwestlich von Schottland andeutende neue
Depression schritt unter Zunahme an Tiefe heran und lag am Morgen des 20.
mit ihrem Minimum unter 720 mm nördlich von der Nordsee. Nachdem sie
ihren. Einflufs an diesem Tage fast über ganz Europa ausgebreitet hatte, blieb
die Küste bis Ende des Monats im . Bereiche von Depressionen. Zunächst
traten im Gefolge des genannten ungewöhnlich. tiefen Minimums am 20,
stürmische südwestliche Winde an der westdeutschen Küste auf; dann glichen
sich die Luftdruckgegensätze aus, und es folgten schwache, im Osten unter der
Einwirkung von Theilminima späterhin . veränderliche Winde. Diese Tage
lieferten die höchsten Temperaturen des Monats und täglich Niederschläge .fast
für die ganze Küste. Im Rücken eines am. 25. und %6. ostwärts längs der
Küste schreitenden tiefen Minimums, das dem Gebiete westlich der Weser
steife bis stürmische Winde zunächst aus SO und dann aus NW und der
ganzen Küste Niederschläge brachte, ‚stieg. der Luftdruck über der Biscaya-See
und erhielt sich bis Monatsende hoch, so dafs ozeanische Winde aus niedrigeren
Breiten ausgeschlossen blieben und anhaltend kühlere Witterung bestand. Fort-
dauer der Niederschläge führte ein flaches am 27, auf der Südseite der Küste
ostwärts fortschreitendes Theilminimum herbei. Am 28, war es meist trocken,
jedoch hatte am 29. und 30. wieder die ganze Küste, besonders aber das Gebiet
von der Elbe bis Mecklenburg am 29, sehr ergiebige Regenfälle im. Bereiche
eines an diesen Tagen von Westen her über Jütland und Pommern nach Polen
schreitenden tiefen Theilminimums. In seinem Gefolge traten in dem eingangs
angegebenen Umfange stürmische Winde, ostwärts: bis zur Oder meist
aus dem Nordwestquadranten, über der ostdeutschen Küste aus östlichen
Richtungen auf.
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Der Pilote, nene Folge, Beiträge. zur Küstenkunde, Band I, herausgegeben von
der Direktion der Seewarte,
erscheint demnächst in zwanglosen Heften, etwa monatlich ein Heft; Heft I wird voraussichtlich
Mitte Mai ausgegeben werden. In dem neuen Piloten sollen Künftig die bisher in den „Annalen
der Hydrographie etc,“ veröffentlichten Reiseberichte S, M. Schiffe, die Fragebogen und Berichte
deutscher Kapitäne der Handelsmarine und deutscher Konsuln in fremden Seehäfen sowie auch
aktuelle fremdländische Berichte ete. veröffentlicht werden. Der neue Pilote wird wie der früher
in den Jahren 1881 bis 1896 herausgegebene kostenfrei durch die Hauptagenturen der Seewarte an
alle Mitarbeiter zur See vertheilt werden.
tedruckt und in Vertrieb bei E.-S. Mittler & Sohn
Königliche Hofbuchhandlung und Hofbuchdruckerei
Barlin SW, Kochstralse 68-71