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Annalen der Hydrographie und Maritimen Meteorologie, Mai 1902.
Vergleichswiderstand W, mit den Einrichtungen zur bequemen Aenderung seiner
Temperatur zuzuwenden. Bezüglich des Galvanometers ist an ein Differential-
instrument nach dem Deprez-D’Arsonval- Prinzip gedacht, etwa von der
Form der Westongalvanometer. Unempfindlich gegen äulsere magnetische Ein-
füsse und keine genaue Aufstellung verlangend, ließen sich dieselben wohl auch
in für den in Rede stehenden Zweck besonders geeigneter Form von genügender
Empfindlichkeit herstellen.!) Der Widerstand W, wäre als nackte Spirale bifilar
auf ein rahmenartiges Gestell zu wickeln und in aufrechter Lage in einem
durch einen aufschraubbaren Deckel gut verschliefsbaren und eine passende
isolirende Flüssigkeit enthaltenden Gefälßs unterzubringen. Der Deckel hätte
das durch ein Gehäuse mit Glimmerfenster gegen äufsere Einflüsse zu schützende
Thermometer zu tragen, sowie eine ebenfalls bifilare Heizspule, ferner würde
das Gefäfls mit einer der eben erwähnten koncentrischen Spirale aus dünn-
wandigem Kupferrohr zu versehen sein.
Der Gebrauch der Vorrichtung wäre etwa folgender. Zunächst ist W,
and W, auf die gewählte Normaltemperatur t zu bringen und sodann mit Hülfe
von SW das Galvanometer auf Null einzustellen. Von den an geschützter Stelle
aufgestellten Apparaten ist das vieradrige Kabel zunächst zur Kabeltrommel
and deren Gleitkontakten geführt, an welche das Hauptstück desselben ange-
schlossen ist. Ist die gewünschte Tiefe erreicht, so läfst man durch die er-
wähnte Kupferrohrspirale dauernd kühles Wasser in konstantem Strome fliefsen,
während man mittelst eines passenden fein getheilten Kurbelwiderstandes den
entweder der Schiffsanlage oder einer besonderen Stromquelle entnommenen
Heizstrom regulirt und zugleich einen zweckmäfsig in dem W, enthaltenden
Gefäfse angebrachten Rührer in Thätigkeit setzt. Durch Reguliren des Heiz-
stromes kann man dann beliebig ein langsames oder rascheres Ansteigen oder
einen Stillstand der Temperatur von W, bewirken, bis das Galvanometer
wieder Null zeigt bezw. bei Umschalten in Ruhe bleibt. Bringt man nach der
Messung wieder W, und W, auf die Normaltemperatur, so kann man sofort
dieselbe auf ihre Zuverlässigkeit prüfen, denu es mufs dann wieder, wie zu
Anfang, G auf Null stehen.
Die Vortheile der vorgeschlagenen Einrichtung wären in der vergleichs-
weise kompendiösen Form, in der jeder Zeit bequem vorzunehmenden Nach-
prüfung, in der bequemen Anpassung durch Auswechseln von W, mit gleich-
zeitiger entsprechender Aenderung des zu diesem Zwecke als Stöpselrheostat
auszuführenden W,, in der einfachen Auswerthung der erhaltenen Ablesungen
sowie in der wohl ziemlich einfachen Handhabung zu suchen,
Eingänge von meteorologischen Tagebüchern bei der Deutschen
Seewarte im Monat März 1902.
Von Kauffahrteischiffen.
a. Segelschiffe.
i. Brk. „„Assel‘®, 752 R.-T., Hbg., F. Weinberg, Lizard — Callao — Manzanillo — Punta Arenas,
Cost.—Lizard.
Manzanillo ab.
Punta Arenas, Cost., an 19Tge.
Punta Arenas, Cost,, ab,
Aequator in 81,3°W-Lg 12 „
Kap Horn. .... . 53
Aequator in 27,8°W-Lg 33
Lizard an... 2... 3837 “
Punta Arenas, Cost. —
Lizard . ..0 . „135
4) Ein Westongalvanometer hat eine Empfindlichkeit von 0,000 002 Amp. bei 250 Q Wider-
stand. Nehmen wir an, es sei z. B. n-at = 200 2 [W,] und R, = 500 2%, so würde bei einer
Spannung e = 5 Volt der Strom im Mefszweige it = ie = 0,01 Amp. sein. Einem 4R, = L02
würde bei k == 0,0033 entsprechen ein At = 0,151° C und ein 4it = 0,000 02 Amp. Man könnte
demnach noch ein 4 tmin = 0,0151° C genügend zuverlässig bestimmen gegenüber 4 tmin == 0,07°C
des „Valdivia“-Apparates („Ann. d. Hydr. etc.“, 1901, S. 171). Es wäre ferner auch die Möglichkeit
zu prüfen, ob nicht das Galvanometer durch ein Kapillarelektrometer ersetzt werden kann.