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Annalen der Hydrographie und Maritimen Meteorologie, Mai 1902,
Ein Beitrag zur Frage der elektrischen Tiefenthermometer.
Von W, Biegon v. Czudnochowski, Berlin.
In dem mir leider erst jetzt zu Händen gekommenen Heft IV des vorigen
Jahrganges der „Annalen der Hydrographie etc.“*) befindet sich ein Aufsatz
über elektrische Tiefenthermometer, in welchem neben den wenig befriedigenden
Ergebnissen des s. Z. der „Valdivia“ mitgegebenen auch diejenigen des von
Professor Knudsen konstruirten Apparates nach Originalberichten wieder-
gegeben sind und aus dem hervorgeht, dafs bis dahin die Frage nach einem
durchaus sicheren und zuverlässigen Apparat für den in Rede stehenden Zweck
noch keineswegs zur vollen Zufriedenheit gelöst ist. Beide Apparate knüpfen
an den von Siemens?) gemachten Vorschlag an, die Widerstandsänderungen
von Metallen durch Temperaturänderung zu benutzen, und beruhen auf der
Wheatstoneschen Brücke, so dafs diese Widerstandsänderungen selbst direkt
gemessen werden. Die Mifserfolge des „Valdivia“-Apparates werden aus un-
genügender Stromempfindlichkeit des Galvanometers und andererseits nach
theilweiser Behebung dieses Uebelstandes zu grofser Empfindlichkeit gegen
äufsere magnetische Einflüsse und die Schiffsschwankungen erklärt, ferner aus
ungenauer Tiefenbestimmung wegen zu leichten und daher durch Windtrift und
Unterstrom stark beeinflufsten Kabels. Aufserdem stellte sich bei Vergleichs-
messungen mit einem Quecksilberthermometer eine mit der Tiefe wachsende
Abweichung gegen dieses ein. Bei dem Apparat von Knudsen wird die
Widerstandsänderung eines gelatinösen Elektrolyten mittelst Telephonbrücke
gemessen; die unter Verwendung eines veränderlichen Kondensators Vvorzu-
nehmenden Messungen erfordern ziemliche Uebung, die Bestimmung der Kon-
stanten ist recht mühsam, auch verändert sich die einer bestimmten Temperatur
entsprechende Einstellung am Mefsdraht theilweise sogar während einer Messung.?)
Fälle, in denen es sich wie bei der Messung von Tiefentemperaturen
darum handelt, indirekt Temperaturen bestimmter Orte zu messen, kommen nun
öfters vor; ein Verfahren hierfür habe ich bereits seit einiger Zeit ausgearbeitet,
ohne es indessen bisher zur Ausführung bringen zu können.*) Ich glaube jedoch,
dafs dasselbe vielleicht geeignet ist, recht brauchbare Ergebnisse zu liefern,
möchte es daher hier mittheilen in der Hoffnung, dadurch vielleicht zu Versuchen
damit anzuregen. Es knüpft dasselbe unmittelbar an den Vorschlag von Sie-
mens an, indem nicht die Widerstandsänderung gemessen, sondern eine Tem-
peratur abgelesen wird.
Der Schliefsungskreis einer Batterie besteht aus zwei parallelen Zweigen,
in deren einem sich der zu versenkende „Mefswiderstand“ W, von n-a: Ohm
bei t° C befindet; in dem anderen Zweige
liegt der „Vergleichswiderstand“ W, von
— as Ohm und ein unveränderlicher Wider-
L stand W, von (n — 1) as Ohm. Ferner ent-
> n-ya hält jeder Zweig eine der beiden einander
« W; entgegengeschalteten Spulen S,, Sp — je
Z- yır im vom Widerstande w — eines Differential-
> galvanometers, Beide Zweige haben 80-
SA a B- x mit, wenn ] der Gesammtwiderstand der
ml 2 Verbindungsleitungen eines Zweiges und
ebenfalls in beiden Zweigen gleich ist, den
Fig. 1 gleichen Widerstand w + n- a: +1 (Fig. 1).
a Aendert sich nun die Temperatur von W,
von t um At, so wird, wenn k der Temperaturkoefficient des verwendeten
Materials ist, der Widerstand R, des gesammten Mefszweiges:
4) „Ann. d. Hydr. ete.“, 1901, 167—178.
% Poggendorfs Annal. 1866, CXXIX, 647. — Siemens, Wissenschaftl. und Technische
Arbeiten, 1889, I, 206.
3) „Ann. d. Hydr. etc.“, 1901, S. 176,
4) Dasselbe sollte im Besonderen zur Messung von Temperaturen bis etwa + 600° C dienen,
an Stelle unsicherer kalorimetrischer Bestimmungen. Vgl, Physikalische Zeitschrift, 1901, IlI,
. 85. Anm. $6.