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Aunalen der Hydrographie und Maritimen Meteorologie, Mai 1902,
Bezeichnet man den Scheitelabstand mit sch (sch = 90° -— h), so ist:
sin R = sin St sinp : sin sch.
St = 5109 __—_p=—45°05 sch = 54° 20 .
Stundenwinkel St = 55t 10m ]g sin 9.990 9 990
Polabstand P=45°05 ——„ _ 9.849 9.850
. 9.839 9.840
Scheitelabstand sch = 54 20 9.910 3.910
Azimut R= 58 10 ” 9.929 R = 58° 20° 9.930
ohne Einschalten mit Einschalten
Wir erhalten so 1. nach der Sondertafel 58.5°; 2. nach Tafel k ohne
Einschalten 58° 10‘; 3. mit Einschalten 58° 20‘; 4. vierstellig 58° 19'.
Wenn man in der Sondertafel nicht oder nur nach flüchtiger Schätzung
einschaltet, ist ein ganz unbedeutender Zeitgewinn vorhanden, schaltet man aber
etwas gewissenhafter ein, so ist die direkte Rechnung nach Tafel k der Sonder-
tafel an Schnelligkeit wenigstens ebenbürtig. Dafs die Ausführung der Berechnung
nach Tafel k unter allen Umständen leichter und angenehmer ist, als das lästige,
zweifache Einschalten in der Sondertafel, ergiebt sich schon bei dem ersten
Vergleichsversuch.
Auf Seite 19 oben im Text zu der kurzen Azimuttafel von Weyer findet
sich eine Tabelle, in deren letzter Spalte die Differenzen nach trigonometrischer
Rechnung und nach der Azimuttafel angegeben sind. Sie bewegen sich bei
20 Beispielen zwischen 0’ und 7‘. Hierzu ist zu bemerken, dafs die Differenzen
selbstverständlich klein sein müssen, wenn man zwischen genauen Werthen
genau einschaltet. Damit verschwindet aber auch gleichzeitig wieder der Haupt-
vortheil, den man durch eine Sondertafel erreichen will, ;
Die Weyersche Höhenazimuttafel umfafst 15 Seiten Oktavformat, Tafel k
eine einzige Seite (die rechte Seite wird bei dieser Aufgabe nicht benutzt).
Die Bestimmung des Azimuts nimmt nach beiden Tafeln etwa die gleiche, sehr
kurze Zeit in Anspruch. Die erstere Tafel ist nur für einen Zweck bestimmt,
Tafel k allgemein brauchbar.
Ich überlasse es dem Urtheile des Lesers, durch einige vergleichende
Versuche festzustellen, ob es überhaupt vortheilhaft ist, neben Tafel k noch
eine besondere Höhenazimuttafel von obigem Umfange zu benutzen, die weder
schneller zum Ziele führt, noch so bequem ist wie die Rechnung nach Tafel k.
Beim Vergleich verschiedener Methoden oder Tafeln ist noch eine Vor-
sichtsmafsregel zu beachten; die Kürze oder Länge dessen, was im Druck oder
geschrieben erscheint, ermöglicht noch kein Urtheil über die Zeitdauer oder die
geistige Arbeit, die die Bestimmung beansprucht. Dem äufseren Schein nach
ist die Rechnung mit einer Sondertafel immer schneller auszuführen als die
logarithmische Rechnung, während die Uhrzeiten oft das Gegentheil beweisen.
Eine kurz aussehende Rechnung ist darum nicht ohne Weiteres eine schnell und
angenehm, d. h. möglichst mechanisch auszuführende Rechnung. Beim BEin-
schalten in Sondertafeln erscheint gewöhnlich in der Ausführung nur ein kleiner
Theil der aufgewandten Arbeit, beim logarithmischen Rechnen ohne Einschalten
dagegen die ganze aufgewandte Arbeit.
3. Wenn die Höhe eines Gestirns nicht gemessen werden kann oder
nicht gemessen worden ist, tritt das Zeitazimut an die Stelle des Höhenazimuts.
Von den grofsen Zeitazimuttafeln, deren jede einen stattlichen Band für sich
bildet, sei hier abgesehen. Sie liefern innerhalb gewisser Grenzen der Be-
stimmungsstücke mit Breite, Abweichung und Stundenwinkel das Azimut olıne
Rechnung. Neben diesen grofsen Tafeln giebt es eine Anzahl kleinerer Tabellen,
mit deren Hülfe die Berechnung des Zeitazimuts erleichtert und bequem gemacht
werden soll. Als besonders bequem und schnell gilt darunter die Zeitazimut-
tafel von Fulst. Sie beruht auf der Formel:
ctg R =— cosec St (cos b tg a — sin b cos St) und besteht aus drei heilen.
Tafel I enthält den Werth cosb tga Umfang 2 Seiten.
„MM % - ‘ — sinb cos St » 6
„ III giebt das Azimut aus etg R =— cosec St (I + II) ” 11,»
Summe 19 Seiten.