Ann. d. Hydr. ete., XXX. Jahrg. (1902), Heft V.
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Segelanweisung für die Kamerun-Küste von Kap Isongo bis Victoria.
Bericht von S; M, S. „ Wolf“, Komdt. Kaptlt. Louran. 1900/1901,
Grenzen. Allgemeine physikalische Beschaffenheit. Kap Isongo wird
der vor der Pflanzung Isongo belegene Küstenvorsprung benannt, in den
englischen Karten mit „Kap Lavati“ bezeichnet, ein Name, der hier an der
Küste vollkommen unbekannt ist.
Die Küste, an die sich überall mehr oder minder steil ansteigende Hügel
anschliefsen, besteht überall aus Lavaboden, theils mehr, theils weniger ver-
wittert, und trägt auf einem grofsen Theil Kakaopflanzungen, die unweit der
Küste beginnen und an den Abhang des Kleinen Kamerun-Berges sich anlehnen.
Die Pflanzungen sind von See aus nicht sichtbar. Hoher Urwald tritt überall
bis an die Hochwasserlinie heran, so dafs jegliche Aussicht nach dem Innern
versperrt ist.
Der Küstensaum trägt theils felsigen oder steinigen, theils sandigen
Charakter. Vor dem felsigen Küstensaum liegen überall, vor Allem vor den
Vorsprüngen der Küste gröfsere und kleinere Felsen unter Wasser, deren Ent-
fernungen bei den Kaps oft mehrere Hundert Meter weit von der Hochwasser-
linie reicht. So befinden sich die „Habicht“-Felsen etwa 600 m von der Strand-
linie entfernt.
Man darf sich daher der felsigen Küste nicht auf zu geringe Entfernungen,
möglichst nicht unter 1 Sm nähern. — Der Grund vor der lang gestreckten,
langsam ansteigenden Sandküste von Batoki-Dorf bis Bakingele ist hingegen
rein von Steinen.
Die Küste weist zwei Buchten auf, die ein bequemes Landen auf Sand-
strand gestatten: zwischen Kap Limboh und Isongo die Mussongo-Bucht
und südöstlich von Kap Isongo den Wete-Wete-Hafen. Im Hintergrunde der
Küste. liegt der Kleine: Kamerun-Berg, dessen Hänge und Grate zunächst steil
abfallen und dann nordwestlich bis über Kap Isongo und südöstlich bis Victoria
in Hügelketten sich verlaufen. ;
Strömung und Gezeiten. Die Strömung an dieser Küste ist eine sehr
geringe. Es wurde bei Fluth südöstlicher und bei Ebbe Nordweststrom beobachtet,
dessen Geschwindigkeit aber nur wenig über 1 Sm betrug. Die gröfste Strom-
geschwindigkeit tritt in der Nähe des Batoki-Felsens auf, woselbst der Strom
in der Regel; auch bei Ebbe, SO setzt. . ;
Die Hafenzeit an der Küste beträgt gegen 4,5", der Springhub 1,5 bis 1,7 m.
Die Brandung gestattet bei nicht zu hoher Dünung ein Landen mit
Brandungsbooten soweit Sandstrand vorhanden.
Felsen, Riffe und Landmarken. Wie schon oben ausgeführt, sind,
soweit Felsenstrand vorhanden, kleine und gröfsere Steine der Küste vor-
gelagert und iheils über, theils unter dem Niedrigwasserniveau gelegen,
besonders bei vorspringenden Punkten der Küste, so bei Kap Limbob, östlich
und westlich (Habicht-Felsen) der Mussongo-Bucht, östlich und westlich des
Batoki-Felsens vor dem Dorfe Bakingele und Kap Isongo. Es wurde ermittelt,
dafs die weiteste Entfernung von der Strandlinie etwa 600 m und zwar bei den
„Habicht“-Felsen, bei den übrigen Vorsprüngen nicht über 100 bis 200 m beträgt.
Der in den bisherigen Seekarten mit „Hulk“ bezeichnete Felsen ist hier
nur unter dem Namen „Batoki“-Felsen bekannt.
Landmarken für Peilobjekte sind folgende: Kap Limboh, Batoki-Felsen,
Kap Isongo (bezw. die auf denselben errichteten Baken, 80 lange dieselben
hoch erhalten sind; ihre Erhaltung ist aber nicht im Interesse der Schiffahrt
nothwendig), der Kleine Kamerun-Berg, der Köthe-Berg - bei Oechelhausen, der
Eoke- und Batoki-Berg. Köthe-Berg, Eoke-Berg und Batoki-Berg heben sich,
wenn man seitlich zu ihnen steht, gut von ihrem Hintergrunde ab.
_ Der Köthe-Berg gehört zur Pflanzung Oechelhausen, ist abgeholzt und
durch zwei auf seinem Gipfel stehende Wollbäume leicht auszumachen. Köthe-
Ann. d. Hvdr. etc., 1902, Heft Y.