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Full text: Annalen der Hydrographie und maritimen Meteorologie, 30 (1902)

294 Annalen der Hydrographie und Maritimen Meteorologie, April 1902, 
Wirkungsbereich eines noch so gewaltigen Schmelzprozesses nicht zu gro(s 
vorstellen. Das Mischungsprodukt, welches aus dem wärmeren, salzreichen 
Seewasser und dem kälteren, leichten Schmelzwasser des Eisberges rund um 
dessen Fufßs in der Tiefe entsteht, unterliegt seinerseits bei dem Aufsteigen zur 
Oberfläche noch wieder einer weitgehenden Vermischung mit Oberflächen wasser, 
welches an sich schon Temperaturen unter 0° aufweisen kann, so dafs es schwer 
ist, den Einflufs der Eisschmelze an solcher zu begrenzen. Ist es doch auch 
in den Gewässern, die von der Seeschiffahrt regelmäfsig befahren werden, bisher 
nicht gelungen, eine mefßbare abkühlende Wirkung der Eisberge auf nur mäfsig 
grofse Entfernungen selbst in vergleichsweise hohen Temperaturen festzustellen, 
so dafs sich aus fleifsigen Messungen der Wasserwärme für die Navigirung in 
diesen Gewässern eine Warnung vor Eisgefahr leider nicht erhoffen läfst. 
Wenn man sich die aufserordentlich große Wärmekapazität des Wassers 
vergegenwärtigt, die gröfßer ist als diejenige der festen Körper, wenn man sich 
klar macht, welche ganz gewaltigen Wärmemengen dem Meerwasser bei seinem 
geringen Leitungsvermögen entzogen werden müssen, um die Temperatur nur 
um !/10° auf weite Strecken hin in direkter Wirkung zu erniedrigen, so erkennt 
man, dafs in der Wirklichkeit der thermische Einflufs des Schmelzprozesses auf 
das Meerwasser der Oberfläche in ungemein engen Grenzen sich halten mufs. 
Pettersson, welcher die rein mechanischen Vorgänge bei dem Schmelzprozefs 
von Meereis im atlantischen Wasser mit Hinsicht auf die dabei entwickelten 
Energiemengen untersucht hat, nimmt schätzungsweise an, dafs das Wasser des 
isländischen Polarstromes zu !’/;s aus atlantischem Wasser und nur zu !/ıs aus 
Schmelzwasser bestehe.*) 
Diese Ueberlegungen bildeten auch eine Ursache, weshalb oben (S. 222£f.) 
bei der Erklärung der antarktischen, unmittelbar unter der Oberfläche herrschen- 
den Wassertemperaturen die Einwirkung der polaren Lufttemperaturen nach- 
drücklich betont wurde. 
Derselbe Gesichtspunkt verbietet es auch schliefslich, anzunehmen, daf[s 
Schmelzwasser, welches von der Oberfläche der Eisberge selbst, an den Ge- 
hängen derselben, oft in vergleichsweise grofsen Mengen herabstürzt, einen 
nennenswerthen erwärmenden Einflufs auf die Temperaturen der Meeresober- 
fläche gewinnt, wenn letztere an sich unter 0° liegt. Es ist nur die theoretische 
Möglichkeit einer Erwärmung zuzugeben. Chun meint zwar, dafs auf der 
„Valdivia“-Expedition einmal eine dieser Möglichkeit entsprechende Beobachtung 
gemacht sei,”) doch dürfte uns zu dieser letzteren Annahme ein sicherer Anhalt 
fehlen. Die Zunahme der Oberflächentemperatur von — 0,6° bezw. — 0,5° auf 
0,0° am 7. und 8. Dezember, auf welche Chun sich bezieht, vollzog sich im 
Zeitraume von vier Stunden auf einer Entfernung von 20 bezw. über 50 km 
und nicht in der Nähe eines einzelnen Eisberges, kann also hierfür nicht be- 
weisend sein. 
Durch Beobachtung lassen sich solche und ähnliche Fragen nur in 
systematischen Detailstudien lösen; im vorliegenden Falle müßten von einem 
Boote aus in unmittelbarer Nähe eines Eisberges und in regelmäfsigen Ab- 
ständen von demselben zahlreiche Messungen der Wasserwärme an der Ober- 
Aäche und unter derselben ausgeführt werden. 
Mittelmeer. 
1. Saloniki. (Nach Konsulatsfragebogen No. 1889 vom 2. Januar 1902.) 
Die Westmole ist aın 14. Dezember 1901 in Betrieb genommen; die östliche Mole 
ist gröfstentheils fertig; das östliche Ende des Wellenbrechers ist im Bau. 
Hafenunkosten. Schiffe, die an den Kaianlagen liegen, zahlen 6 Para Gold 
den Tag und Registertonne netto; die Hälfte müssen im Hafenbecken ankernde 
Schiffe bezahlen. Nach sieben Tagen, Tag der Ankunft und Abfahrt werden 
eingerechnet, werden die doppelten Gebühren erhoben. Kine türkische Lira 
= 100 Piaster = 4000 Para Gold; 3 4 = (etwa) 16'/4 Piaster Gold. 
Kleinere Mittheilungen. 
1) Peterm., Mittheil., 1900, S. 84. 
2) „Aus den Tiefen des Weltmeeres“. Jena 1900. S. 200.
	        
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