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Full text: Annalen der Hydrographie und maritimen Meteorologie, 30 (1902)

Schott, G.: Die Wärmevertheilung in dem Wasser der südpolaren Meere. 221 
ein Element vor, das mit den eigentlichen antarktischen oder überhaupt polaren 
Verhältnissen nichts zu thun hat, im Gegentheil, hierin sind die Reste oder 
letzten Ausläufer von Oberflächenströmungen zu erblicken, deren Verlauf im 
Einzelnen nicht näher bekannt ist, die aber jedenfalls von niedrigeren Breiten 
polwärts, in .unserem Falle nach Süden. vordringen. Der vergleichsweise ge- 
ringere Salzgehalt der „Challenger“-Stationen ist allerdings durch die Bei- 
mengungen von Schmelzwasser des Treibeises und Packeises zu erklären, aber 
dafs das Wasser trotzdem nicht lokal oder zeitlich vorübergehend erwärmtes 
Polarwasser sein kann, dafür.ist die bis auf 50 bezw..25 m Tiefe sich aus- 
dehnende Erwärmung ein Beweis, die in diesen Breiten nur in wirklichen Ober- 
fächenströmungen ihren Ursprung haben kann; und wie sich die Insolations- 
wirkung an der Oberfläche in polaren Meeren äufsert, zeigt die Reihe VI der 
„Fram“. Aufserdem ist ja auch, was Reihe IV bei Termination-Land betrifft, 
bekannt, dafs man hier seit Neumayers Arbeiten aus der relativen Eisfreiheit 
der Gegend und aus anderen Gründen eine südöstlich setzende Oberflächentrift 
vermuthet; am Kap Horn mag Wasser aus niedrigeren Breiten des Stillen 
Ozeans südwärts gelangen. 
Kurzum, man ist wohl berechtigt, bei der Reihe I und IV den obersten, 
anothermen Theil in Gedanken zu streichen; man erhält dann für die Besprechung 
der Wärmevertheilung in der antarktischen Tiefsee 5 untereinander generell 
ähnliche Reihen (I bis V) mit katothermer Schichtung: für diese Schichtung 
eine eingehende Erklärung aber zu geben, ist nach den Arbeiten Buchanans‘”) 
und zumal Petterssons*) unnöthig; dieses Thema ist Allgemeingut bis in 
unsere Lehrbücher?) hinein geworden. Es sei nur gestattet, auf folgende Punkte 
kurz hinzuweisen. ; 
1. Wenn man in unserer Tabelle mit den Temperaturreihen auch die 
nebenstehenden Reihen der Salzgehalte vergleicht, so wird man finden, dafs 
auf den Stationen der „Valdivia“ und des „Challenger“ an der südpolaren Eis- 
grenze der grofse Sprung der Salinität, welcher den Unterschied gegenüber den 
Öberflächenverhältnissen herbeiführt, beide Male in rund 100 m Tiefe liegt; 
wennschon das Maximum des Salzgehaltes erst in 400 m Tiefe, stellenweise 
vielleicht sogar erst in 1500 — was aber zweifelhaft ist — erreicht wird, so 
ist doch eine Salinität von über 34,25 °/%o bei der geographischen Vertheilung 
der Salzgehalte der Oberfläche ein unverkennbares Zeichen dafür, dafs be- 
deutende Wassermengen von dem. salzreichen Unterstrom in dem betreffenden 
Niveau von 100 m vorhanden sein müssen, selbst wenn die Temperatur noch 
unter 0° liegen sollte. Es ist verständlich, dafs bei dem Prozefs der Eis- 
schmelze sowohl wie bei den konvektiven Bewegungen, von welchen gleich die 
Rede sein soll, eine weitgehende Durehmischung von Oberflächenwasser und 
Tiefenwasser die Folge sein mufs, dafs daher weder die Temperatur noch der 
Salzgehalt eine klare, eindeutige Scheidegrenze beider Wasserarten werden zu 
erkennen geben. N 
Interessant sind dabei die Zahlen der „Fram“-Station vom nordpolaren 
Eismeerbecken. ‘ Den obersten 50 m ist eine beträchtlich größere Ansüfßsung 
des Meerwassers eigenthümlich, aber bereits in 75 m Tiefe ist mit genau 
34,00 %o die Uebereinstimmung mit den südpolaren Werthen eine vollkommene, 
eine. Uebereinstimmung, welche in gröfseren Tiefen von 300 m bis 1500 m _so- 
gar von einem kleinen, aber sehr charakteristischen. Ueberschuss an Salzgehalt 
zu Gunsten des nordpolaren Meeres abgelöst wird. Dieser gröfsere Salzgehalt 
der warmen Mittelschicht, bei dessen Abschätzung man auch die beträchtlich 
höhere geographische Breite der „Fram“-Station nicht vergessen wolle, darf 
als ein neuer Beweis für die oft konstatirte Thatsache gelten, dafs im Nord- 
atlantischen Ozean fast: alle Vorgänge, zumal auch diejenigen der Vertikal- 
zirkulationen, der Strömungen u. 8. w., immer ihre jeweilige gröfste Intensität 
erreichen. : Im vorliegenden Falle ist das warme Tiefenwasser der Golfstrom- 
trift in besonders kräftigem Vordringen von niederen Breiten her begriffen; der 
1) On the distribution‘ of the temperature in the antarctie ocean, Natare,. Vol, XXXV 
(London 1887), S. 516; On ice and brines, ebenda, Vol. XXXV, S. 608, und‘ Vol. XXXVI, 5. 9. 
2) On the properties of water and ice („Vega“-Expedition, wissenschaftl. Resultate, Stock- 
holm 1883, auch Peterm, Mittheil., 1900, S. 83. 
3) Vergl. z. B. Hann, Allgemeine Erdkunde, 5. Aufl. 1896. 5. 263 ff.
	        
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