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Annalen der Hydrographie und Maritimen Meteorologie, April 1902.
den Oktober, die kleinste in die Monate Juni und Juli. Die Differenz beträgt
bei der Feuchtigkeit etwa 10°o, bei der Bewölkung ungefähr 10 der zehn-
theiligen Skala. Denselben Gang, aber mit erheblich gröfserer Verschiedenheit
der Monate, verfolgen die Regenverhältnisse, Die trockensten Monate sind hier
wieder Juni und Juli, der nasseste Monat ist Oktober. Die Zahlen, welche
die Tabelle für diese Monate als Mittelwerthe giebt, sind
Regenmenge
im Monat durchschnittlich für 1 Tag Anzahl der Regentage
im Juni und Juli . . 23 mm 0,8 bis 0,7 mm 6,2 bis 5,0
im Oktober. . . . 51 ,„ 16,5 mm 28,2.
Der Unterschied zwischen Trockenzeit und Regenzeit auf der Station
Monte Cafe erscheint demnach scharf ausgeprägt. Zieht man auch die übrigen
Monatsmittel in Betracht, so umfafst die Haupttrockenzeit die Monate Juni,
Juli und aufserdem August, von welchen die beiden letzteren zugleich die
Zeit des höchsten Luftdrucks und der niedrigsten Temperatur siud, die
Hauptregenzeit der Monat Oktober und die nebenliegenden Monate November
and September. Von Dezember an bis Februar nimmt die Niederschlagsmenge,
sowie die Regenhäufigkeit allmählich ab, aber nicht in dem Mafse, dals von
einer wirklichen zweiten Trockenzeit die Rede sein kann. Dagegen kann man
die folgenden Monate März und auch April, in welchen wieder sehr viel Regen
fällt, sehr wohl als eine zweite Hauptregenzeit bezeichnen. Sie fällt in die
wärmste Zeit des Jahres. März ist auch der Monat der gröfsten Regendichte,
d. bh. der an den Tagen mit Regen durchschnittlich an einem Tage nieder-
gegangenen Regenmenge; ebenfalls fand der gröfste Niederschlag von 185 mm
in 24 Stunden an einem Märztage und zwar des Jahres 18%6 statt. Es ist
wohl anzunehmen, dafs im März und ähnlich im Oktober der Regen in den
dicksten Tropfen fällt, während im Juni und Juli bei einer Regendichte von
nur 3,7 und 4,6 mm der Niederschlag mehr aus feinem Staubregen besteht.
Möglicherweise sind auch die Regen bringenden Schauer von kürzerer Dauer,
Die mittlere Verdunstungsmenge hat ihr Minimum (34 mm) im Hauptregen-
monate Oktober, ihr Maximum (57 bis 59 nm) aber nicht in der Haupttrocken-
zeit, sondern etwas früher in den wärmeren Monaten April, Mai und Juni.
Die Monate des meisten Regens, Oktober—November und März— April,
sind in der ersten Hauptregenperiode die, welche dem Durchgang der Sonne
auf ihrem Wege nach Süden durch das Zenith von San Thome folgen. Die
Zeit der zweiten Periode zeigt sich ebenfalls von der Deklinationsänderung der
Sonne abhängig, tritt aber in Bezug auf den Uebergang der Sonne auf nördliche
Breite insofern etwas früher ein, als sie nicht in die Monate April und Mai,
sondern schon in März und April fällt. Die trockensten Monate Juni, Juli und
August sind der mit der gröfsten nördlichen Abweichung der Sonne zusammen-
fallende und die zwei ihm folgenden. Der sehr grofse Unterschied zwischen
der Regenhäufigkeit in diesen und den übrigen Monaten des Jahres mag auch
darin seine Ursache haben, dafs die in der Gegend vorherrschenden südlichen
bis südwestlichen Winde von Juni bis August am kräftigsten und beständigsten
sind und ferner zur selben Zeit der kalte Aequatorialstrom bis zur Insel San
Thome hinanreicht oder sie vielleicht ganz umgiebt. Der kühle, vom kalten
Wasser und von höheren Breiten berwehende Wind trägt wahrscheinlich nicht
viel Feuchtigkeit mit sich und setzt das Wenige zumeist wohl noch an der
Luvseite der Berge ab, während die an der Leeseite liegende Station Monte
Cafe und die Stadt San Thome fast nichts davon erhalten. In den Monaten
Oktober bis April kommt der Wind durchgehends schwächer und veränderlicher,
als Seebriese von NW oder NO, so dafs er die nördliche Küste der Insel als
Luvseite trifft, auch ist die Insel jetzt nicht vom kalten Wasser, sondern vom
warmen Guinea-Strom umspült: alles Umstände, welche Wolkenbildung und
Niederschläge begünstigen.
Bei aller Regelmäfsigkeit, die sich im Allgemeinen in der jährlichen
Periode der meteorologischen Elemente der Station Monte Cafe zeigt, findet
man doch, dafs die einzelnen Jahre, deren Mittelwerthe in Tabelle I gegeben
sind, in den Witterungsverhältnissen oft ziemlich stark von einander und von
dem fünfjährigen Mittel abweichen, mehr als man von einem tropischen Klima