196 Annalen der Hydrographie und Maritimen Meteorologie, April 1902.
erheblich, so dafs das Thermometer stellenweise dem Gefrierpunkt sich nähert.
Nach dem 12. September dehnt sich das Depressionsgebiet auch auf Nord-
jeutschland aus; vom 13. bis 17. September herrscht daher über ganz Deutschland
Regenwetter. Dann aber erfolgt ein vollständiger Umschwung in den Wetter-
verhältnissen; ein heiterer, warmer und meist trockener Spätsommer stellt sich
ein, der etwa zwei Wochen d. i. bis zum 3. Oktober anhält. Das Thermometer
übersteigt in dieser Zeit mannigfach 25°. Während dieses Zeitraumes besteht
hoher Luftdruck über Osteuropa; die anhaltend südlichen Winde unterstützen
die Wirkung der in dieser Jahreszeit nicht mehr sehr mächtigen Sonnenstrahlung.
Anfangs gehört Deutschland allerdings noch dem im Westen Europas lagernden
Depressionsgebiete an, ist indefs von den tieferen Stellen desselben so weit
entfernt, dals es dem Regengebiet entrückt ist; nur am 25. bis 26. September
bringt eine flache Randbildung über Westdeutschland stellenweise Niederschläge
mit sich. Nach dem 26. September bedeckt hoher Luftdruck den gröfsten Theil
Europas, die Depression hat sich gegen Nordwesten zurückgezogen.
Am 4. Oktober breitet sich der Einflufs der Depression im Nordwesten
Europas weiter gegen Südosten hin aus. An diesem Tage in Westdeutschland,
am folgenden Tage auch in Ostdeutschland stellen sich Regenfälle ein. Die
Depression gewinnt ferner an Tiefe und Ausdehnung, die Niederschläge, zum
Theil in Begleitung von Gewittererscheinungen, halten bis zum 9. Oktober an,
und die starken und stürmischen westlichen und nordwestlichen Winde führen
starke Abkühlung herbei. Infolgedessen bewirkt Aufklaren am 11. Oktober
den Eintritt von Nachtfrösten und Reifbildung. Dies Aufklaren stellt sich ein,
als nach dem 10. Oktober hoher Luftdruck von Südwesten her über Central-
guropa sich vorschiebt. Die Niederschläge lassen damit ebenfalls nach, treten
aber über Ostdeutschland am 12. und 13. Oktober wieder auf unter dem Einflufs
einer flachen Depression, die an diesen Tagen über dem östlichen Central-
guropa lagert.
Im Laufe des 14, Oktober verbreitet sich von Westen her eine Depression
ostwärts bis gegen Mitteleuropa, während über Osteuropa der hohe Luftdruck
sich erhält. Diese Druckvertheilung bleibt bis zum 22. Oktober bestehen. In
dieser Zeit verursachen nur gelegentlich flache Randbildungen der grofsen
Depression über einzelnen Theilen Deutschlands Niederschläge. Die Luftwärme
steigt wieder, so dafs die Nachtfröste zurücktreten.
Am 23. Oktober dringt vom Südwesten Europas wieder hoher Luftdruck
nordostwärts vor. In der zunächst über Centraleuropa sich bildenden Furche
niedrigeren Luftdruckes gehen an diesem Tage nochmals über Deutschland
weit verbreitete Niederschläge nieder, dann aber lassen dieselben bald wieder
nach, da die Depression sich nach Nordeuropa zurückzieht. Vom 30. Oktober
bis 5. November bedeckt dann hoher Luftdruck fast ganz Europa, so dafs vom
24, Oktober bis zu diesem Tage das Wetter über Deutschland meist trocken
und besonders gegen Ende Oktober und Anfang November vielfach heiter ist.
Des Nachts sinkt die Temperatur stark; Nachtfröste treten wieder häufiger auf.
Nach dem 5. November entwickelt sich über Nordeuropa eine Depression,
die während der Zeit vom 6. bis 22. November zunächst weit nach Süden sich
ausbreitet, dann aber wieder nordwärts sich zurückzieht. In diesen Tagen herrscht
besonders über Norddeutschland meist trübes, niederschlagsreiches und überaus
3stürmisches Wetter, während Süddeutschland etwas begünstigter ist, da es
zeitweise noch dem Hochdruckgebiet angehört, also dann von Niederschlägen
verschont bleibt. Die Luftwärme liegt in diesem Zeitraume meist über dem
rieljährigen Durchschnitt; Nachtfröste treten aber vielfach auf. Durch niedrige
Temperaturen zeichnen sich mitten zwischen den milderen Tagen der 16., 17.
und 18. November aus. An diesen Tagen nimmt in einer über das kontinentale
Europa quer von West nach Ost sich ziehenden Zone der Luftdruck stark zu; das
damit verbundene Aufklaren des Himmels bewirkt eine stärkere Abkühlung
durch Strahlung.
Im Laufe des 22. November erscheint über den Britischen Inseln ein
intensiveres Maximum des Luftdruckes unter gleichzeitiger Ausdehnung des
Hochdruckgebietes. Das klarere Wetter in Verbiudung mit den nördlichen
Winden bringt einen starken Rückgang in der Temperatur vom 22. zum 23. No-
vember mit sich. Es stellt sich vielfach selbst am Tage anhaltender Frost ein.