Herrmann, E.: Rückblick auf das Wetter in Deutschland im Jahre 1901, 195
Am Ende des Monats Juni verlagert sich der höchste Luftdruck nach
dem nördlichen Europa. Alsdann breitet sich von Süden her eine Depression
immer weiter nordwärts bis zur deutschen Küste aus.. Demzufolge nimmt die
Bewölkung besonders im westlichen Deutschland zu und in Süddeutschland
gehen in den Tagen vom 30. Juni bis 4. Juli ergiebigere Regenfälle nieder.
Die Luftwärme bleibt nicht nur in diesen Tagen niedrig, sondern auch noch
darüber hinaus bis zum 8. Juli, da bei niedrigem Luftdruck im Nordosten,
hohem . über dem gröfseren südwestlichen Theile Europas die nordwestlichen
Winde eine gröfsere Erwärmung zunächst noch nicht aufkommen lassen... Da-
gegen verschwinden die Niederschläge nach dem 5. Juli fast allgemein. Von
diesem Tage an bis zum 21; Juli ist auch Deutschland von einem Hochdruck-
gebiet umschlossen, das meist ganz Europa bedeckt. Daher hält auch bis zum
21. Juli das heitere und vorwiegend trockene Wetter an, nur von Gewitterregen
zeitweise unterbrochen. Als der höchste Luftdruck am 9. Juli eine nördlichere
Lage annimmt, steigt auch über Deutschland die Temperatur rasch und vom
11. Juli an herrscht daselbst aufserordentlich warmes Wetter: die Mittags-
temperaturen übersteigen vielfach 30°... .
Im Laufe des 21. Juli zieht sich eine Depression in der Richtung von
Nordwest nach Südost über Europa, so dafs auch Deutschland in deren Bereich
kommt. Demzufolge treten daselbst vom 22. an häufigere und zum Theil sehr
ergiebige Niederschläge vielfach in Begleitung von Gewittererscheinungen auf,
während bei der vorherrschend südöstlichen Luftströmung die Luftwärme auch
noch ferner hoch bleibt. Diese Witterungsverhältnisse erhalten sich über
Deutschland bis zum 2. August, wenn auch zeitweise das Barometer über allen
oder einigen deutschen Landstrichen zeitweise den mittleren Stand übersteigt.
Vom 3. August an besteht niedriger Luftdruck über Nord- und über Ost-
europa, hoher über Südwesteuropa. Die nordwestlichen Winde rufen über
Deutschland stärkere Abkühlung hervor, während allerdings die Regenfälle
zunächst zurücktreten, aber wieder. allgemein sich einstellen, als am 6. und
7. August die Depressionen sich auch. über Centraleuropa erstrecken. .
Am 9. und 10. August zieht sich ein Hochdruckgebiet von Südwest nach
Nordost auch über Centraleuropa. Bei heiterem meist trockenem Wetter erhebt
sich in diesen Tagen die Luftwärme nochmals zu hochsommerlichen Graden,
Sie erhält sich in dieser Höhe in Ostdeutschland noch bis gegen den 17, August
bei nur vereinzelt auftretenden Niederschlägen. Westdeutschland dagegen
erfährt bereits nach dem 11. August Abkühlung und Zunahme der Niederschläge,
da wiederum eine Furche relativ niedrigeren Luftdruckes quer über Central-
europa sich erstreckt, während im Südwesten und Nordosten Europas der hohe
Luftdruck sich erhält. .
Nach dem 17. August gehört auch ganz Deutschland wieder zum Gebiete
hohen Luftdruckes, so. dafs die Niederschläge über Westdeutschland vollständig
verschwinden. In der Zeit bis‘ zum 24, August gehen dagegen nunmehr in
Ostdeutschland stellenweise Regenfälle nieder, insofern dasselbe von Depressionen
gestreift wird, die im Nordosten vorüberziehen. Da der höchste Luftdruck
vom 17. bis 24. August über Westeuropa sich findet, so sind höhere .Wärme-
grade in dieser Zeit seltener; die Luftwärme hält sich nahezu auf dem viel-
jährigen Durchschnitt. ; ;
Nach‘ dem 24. August gelangt Deutschland in gröfserer Ausdehnung
unter den Einflufs einer Depression, deren Minima über Nordeuropa hinziehen.
Das damit am 26. August eintretende Regenwetter, das in höheren Gebirgslagen
sogar in Schneefälle übergeht, bringt stärkere Abkühlung mit sich. Das
herbstlich kühle Wetter hält bis gegen den 17. September an. In den ersten
Tagen dieses Zeitraumes bis zum 28, August erstrecken sich die Niederschläge
über. ganz Deutschland. Vom 29. August bis 2, September, an welchen Tagen
ein das südliche Europa umfassendes Hochdruckgebiet bis nach Norddeutschland
sich erstreckt, treten in Süddeutschland die Niederschläge zurück. Umgekehrt
bedeckt. vom 3. bis 12. September ein Hochdruckgebiet das nördliche Kuropa,
ainschliefslich Norddeutschland, während Südeuropa meist einem Depressions-
gebiet angehört. Demzufolge lassen nunmehr in Norddeutschland ‚die Nieder-
schläge nach, während sie in Süddeutschland häufiger und ergiebiger auftreten,
Die Abkühlung des Nachts bei klarem Himmel ist in diesen Tagen sehr