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Full text: Annalen der Hydrographie und maritimen Meteorologie, 30 (1902)

Herrmann, E.: Rückblick auf das Wetter. in Deutschland im Jahre 1901. 193 
Aenderung des frühlingsmäfsigen warmen Wetters, sondern nur eine Zunnahme 
der Niederschläge, die in den Tagen vom 16. bis 18, März stellenweise in Be- 
gleitung von Gewittererscheinungen niedergehen, Ws 
Mit dem 20. März geht nunmehr die Periode warmen. Wetters zu Ende, 
die in den letzten. Februartagen ihren Anfang nahm, ‘und ein‘ Rückfall. in 
winterliche Verhältnisse stellt sich ein. Während die anfänglich von Südwest 
nach Nordost Europa durchstreichende Depression sich südostwärts verlagert, 
dehnt sich von dem Nordwesten Europas aus. ein Hochdruckgebiet ebenfalls 
gegen Südosten .hin aus. Die damit verbundene‘ lebhafte nordöstliche Luft- 
strömung‘ führt. starke Abkühlung ‚über Deutschland herbei; vom 21. März an 
nimmt ein Zeitraum mit stärkerem Frost über Deutschland seinen Anfang. 
Diese Frostperiode dauert bis etwa zum 30. März. In den Tagen vom, 26. bis 
29. März erhebt ‚sich auch.am Tage das Thermometer: höchstens nur: wenige 
Grade über den Gefrierpunkt;.der niedergehende Schnee gelangt daher auch zur 
Bildung einer Schneedecke.: . ; . 
Nachdem in den Tagen bis zum 24. März das Hochdruckgebiet bis nach 
den südöstlichen Gebieten unseres- Erdtheils sich ausgedehnt hatte, ‚wird es 
bereits am folgenden Tage sehr schnell wieder auf das nordwestliche Europa 
beschränkt. Dies vollzieht sich, indem eine: im Nordosten. Europas liegende 
Depression sich südwestwärts ausbreitet. Am 29, März ist das Hochdruck- 
gebiet im Nordwesten einer ‚tieferen. Depression gewichen; der. damit ver- 
bundene Eintritt südwestlicher Luftströmung bewirkt alsbald eine. Steigerung 
der Luftwärme ‚über Deutschland, ‚so dafs am letzten Tage des Monats. März 
das Thermometer. den Stand. des vieljährigen Durchschnitts zu überschreiten 
beginnt. .. a 
Es folgt nun für Deutschland ein Zeitraum zwar.warmen, aber veränder- 
lichen und vielfach recht niederschlagsreichen Wetters. Derselbe dauert bis 
etwa zum 12. April. . In dieser Zeit lagert . anfänglich, bis‘ zum 3. April, 
niedriger Luftdruck über dem nordwestlichen, hoher Luftdruck über dem süd- 
östlichen Europa, dann geht die Hauptrichtung der Grenzlinie hoher und 
niedriger Barometerstände von West nach Ost .mit dem hohen Luftdruck auf 
der Südseite dieser Linie. Nachtfröste stellen sich. während dieser Periode 
nur vereinzelt ein, dagegen erreicht besonders vom 7. bis 9. das Thermometer 
stellenweise am Tage Stände von 20° und darüber. An den wärmeren Tagen 
treten auch weitverbreitete Gewitter auf, 
Um den 12. April nimmt die Linie tiefsten Luftdruckes des nördlich ge- 
legenen Depressionsgebietes eine südlichere Lage an.‘ Deutschland gelangt 
damit auch in die mittleren Theile der umfassenderen Depression, demzufolge 
Abkühlung daselbst eintritt, während die Niederschläge noch anhalten. Als 
am 16. April im Westen Europas ein Hochdruckgebiet erscheint, nimmt die 
Luftwärme weiter ab und die Niederschläge gehen vielfach in Schnee über, Die 
Tage vom 14. bis 18. April bringen für Deutschland somit recht unfreundliches, 
kaltes Wetter mit sich. ; 
Nachdem am‘ 19. April das Hochdruckgebiet über den gröfsten Theil 
Europas sich verbreitet hat und Centraleuropa in dessen mittleren Theil gelangt 
ist, lassen die Niederschläge nach und der Himmel klart auf. Die Sonnen- 
strahlung erhöht am Tage die Luftwärme, während allerdings auch Nachtfröste 
noch bis zum 26. April häufiger gemeldet werden. Nach dem 20. April werden 
mannigfach höchste. Wärmegrade in Höhe von 20° und darüber beobachtet. Der 
höchste Luftdruck verlagert sich zwar nach dem 23. April nach dem Nordosten 
Europas und über den südlichen Gebieten unseres Erdtheils gewinnt eine De- 
pression an Ausdehnung: Indefs ist die Abkühlung der nordöstlichen Winde 
nicht mehr so bedeutend, dafs sie nicht durch die Sonnenwirkung überwunden 
werden könnte, so dafs ‚ein sehr erheblicher Rückgang in der Wärme nicht 
stattfindet. Am 26. April hat sich dann das Hochdruckgebiet wieder auch über 
das südöstliche Europa verbreitet, während die Depression nunmehr das süd- 
westliche Europa umfaßt. Die südöstliche Luftströmung fördert daher die Er- 
wärmung. Dagegen gelangt Deutschland unter den‘ unmittelbaren Einflufs 
kleinerer Depressionen, demzufolge die Bewölkung besonders. in Westdeutschland 
zunimmt und auch häufigere Niederschläge, vielfach begleitet von Gewitter- 
erscheinungen, niedergehen. Mit dem Schlufs des April verlieren sich die kleineren
	        
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