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Full text: Annalen der Hydrographie und maritimen Meteorologie, 30 (1902)

192 Annalen der Hydrographie und Maritimen Meteorologie, April 1902. 
temperatur überstieg in diesen Tagen auf der Schneekoppe um 17°, auf dem 
Brocken um 14° die an der entsprechenden Basisstation. 
Die Depression über Nordeuropa nimmt alsbald eine gröfsere Tiefe an 
und verbreitet sich nach dem 25. Januar auch über die südlicheren Theile Europas. 
Es herrscht daher in dem letzten Drittel des Januar vorwiegend trübes, nieder- 
schlagsreiches und unruhiges Wetter über Deutschland. Am 27, und 28. zieht 
ein Minimum, unter 725 mm tief, über die Nordsee und die südliche Ostsee; in 
seiner Begleitung treten über Centraleuropa heftige und ergiebige Schneestürme 
mit Gewittererscheinungen auf. 
Nach dem Vorübergange dieses Minimums bleibt zwar der Luftdruck über 
Europa zunächst noch niedrig; doch tritt in der Luftdruckvertheilung insofern 
eine Aenderung ein, als von Mitteleuropa aus der Luftdruck nach Westen hin 
zunimmt. Da demzufolge Centraleuropa nicht mehr von Luftströmungen aus 
wärmeren ozeanischen Gebieten erreicht wird, so sinkt mit dem 29, Januar 
wieder die Luftwärme über Deutschland, und Nachtfröste zeigen sich allgemeiner, 
D-s veränderliche Wetter mit strichweisen Schneefällen, Frösten in der Nacht 
und am Tage meist den Gefrierpunkt übersteigender Temperatur ist von Dauer 
nicht nur über die Zeit, in welcher sich der niedrige Luftdruck über Europa 
erhält, d. i. bis etwa zum 6. Februar, sondern auch noch die folgenden Tage bis 
zum 10., in welchen hoher Luftdruck über das kontinentale Europa sich ausbreitet 
unter Erhaltung der niedrigen Barometerstände über Nordeuropa. 
Nach dem 10. Februar erstreckt sich der hohe Luftdruck auch über das 
nördliche Europa; eine nordöstliche Luftströmung kommt über Deutschland vor- 
wiegend zur Geltung, und eine zweite Periode strenger Kälte setzt ein. .Der 
starke, vielfach am Tage andauernde Frost hält an bis gegen den 23. Februar. 
Obwohl in dieser Kälteperiode vom 10. bis 23. Februar der Luftdruck über Europa 
weitaus überwiegend hoch bleibt, so beeinflussen doch einige flache Depressionen 
das Wetter in Deutschland. Dieselben lassen ein dauerndes Aufklaren des 
Himmels nicht aufkommen und bringen stellenweise ergiebigere Schneefälle 
mit sich, so dafs im Gegensatz zum Januar in diesem Februar auch in tieferen 
Lagen eine ausgebreitete Schneedecke sich bildet. 
Nach dem 23, Februar nimmt über Nordeuropa der Luftdruck stark ab, 
das gleichzeitige HEinsetzen einer lebhaften westlichen Luftströmung erzeugt 
eine sehr starke Wärmeerhöhung über Deutschland. Bis etwa zum 6. März 
erhält sich eine Depression über dem nordwestlichen Theile Europas. Die Zu- 
nahme der Temperatur über Deutschland dauert daher fort; hierzu noch in Er- 
scheinung tretende ergiebige Regenfälle lassen die Schneedecke in Deutschland 
an den letzten Tagen des Februar wieder meist verschwinden. Nach dem 
Schwinden der Schneedecke übersteigt die Luftwärme allenthalben den viel- 
jährigen Durchschnitt in dieser Jahreszeit, mittags erhebt sich das Thermometer 
zeit- und stellenweise bis 10° und darüber; dabei bleibt der Himmel aber trübe 
und die Regenfälle häufig und ergiebig. 
Die Niederschläge lassen nach und die Temperatur sinkt ein wenig, er- 
hält sich aber noch etwa auf dem vieljährigen Durchschnitt, als nach dem 
7. März der Luftdruck über Europa sich in den Breitenkreisen annähernd 
parallelen Streifen, und zwar mit hohem Luftdruck in der Mitte, anordnet. 
jeser Streifen hohen Luftdruckes wird am 11. März von einem Minimum 
durchbrochen, das vom Mittelländischen Meere aus in nördlicher Richtung 
Centraleuropa durchzieht. Diese Depression ruft am 10. und 11. März über 
Deutschland ergiebige Regen- und Schneefälle hervor und führt rothgelben 
Staub aus den Gebieten der Sahara bis an die deutsche Küste mit sich. 
Im Laufe des 12. März schliefst sich der Streifen hohen Luftdruckes 
wieder, der sich von West nach Ost quer über Europa hinwegzieht. Die 
Niederschläge werden danach wieder seltener. In der weiteren Folge ver- 
lagert sich zwar der höhere Luftdruck nach Osten und Nordosten, doch ent- 
wickelt sich gleichzeitig eine Depression über dem südwestlichen Europa. Die 
über Deutschland wehenden östlichen Winde bringen daher Luft aus den 
wärmeren Gebieten Südosteuropas mit sich, so dafs bei dem Ausbleiben 
längeren Aufklarens das warme Wetter sich erhält. Die höchsten Temperaturen 
am Tage überschreiten wieder vielfach 10°. Auch die Ausbreitung der De- 
pression von dem Südwesten nach dem Nordosten Europas bewirkt keine
	        
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