Dampferwege nach und in Westindien.
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Der Strom setzt auf beiden Wegen etwa in der Richtung der zu
steuernden Kurse. Eine Ausnahme davon macht nur die Gegend zwischen
Alta Vela und Point Gravois vor der Südküste. von Haiti, wo man starken
nach Land zu und ostwärts setzenden Strom findet.
4. Von St. Thomas nach La Guaira. .
S. M.S. „Vineta“ verliefs am 24. Dezember 1901 den Hafen von St. Thomas;
um nach La Guaira zu fahren. Man wählte die Durchfahrt zwischen der Los
Roques-Gruppe und den Aves-Inseln. In 28 Sm Abstand erblickte man aus
14 m Augeshöhe die Insel El Roque mit dem Leuchtthurm.‘ Zuerst erschien
die Insel wie ein doppelter Hügel. Die westlichste Insel der Gruppe konnte
erst. in 7 Sm Abstand davon ausgemacht werden; sie ist kenntlich an einigen
darauf stehenden Bäumen. Die Küste von Venezuela kam bereits in 60 Sm
Abstand davon in Sicht und mit ihr der charakteristische dreieckige Einschnitt
im höchsten Kamm der Gebirgskette beim Silla de Caracas.
Der Strom setzte während der ganzen Fahrt von Santa Cruz bis zum
Kap Blanco bei schönem Wetter und östlichem Winde (ONO bis OSO, Stärke
2 bis 4) nach WNW mit 0,7 bis 1 Sm Geschwindigkeit in der Stunde.
5. Von St. Thomas nach Newport News. ;
S. M. S. „Vineta“ verliels am 20. November 1901 den Hafen von St. Thomas,
um nach Newport News zu fahren. Nach dem Passiren von Savana-Eiland wurde
der Kurs auf die Einfahrt zur Chesapeake-Bucht genommen. Die angetroffenen
Wind- und Wetterverhältnisse entsprachen den Angaben der Segelanweisung.
Der Wind war zunächst östlich, frisch, nahm aber von 281° N-Br und
70,4° W-Lg an an Stärke zu und erreichte langsam rechtdrehend aus NWzW-
Richtung seine gröfste Stärke mit 9 der Beaufort-Skala. .Der niedrigste beob-
achtete Barometerstand war 755,0 mm. Die Küste wurde oberhalb Kap Hatteras
bis zur 36 m- (20 Faden-) Grenze angesteuert und dann längs derselben weiter
efahren,
> Strom. Bis nach 31,9° N-Br und 72,2° W-Lg wurde kein Strom ge-
funden, worauf der Golfstrom begann, der in N 25°0.- Richtung mit 1 bis
25 Sm Geschwindigkeit setzte, aber. in 35,0° N-Br und 73,2° W-Lg plötzlich
aufhörte, also viel früher, als die in der englischen Adm.-Karte No. 2060 B an-
gegebenen durchschnittlichen Grenzen vermuthen lieflsen. Später wurde kein
Strom gefunden.
Damnferwege
von San Francisco, Cal., nach St. Michael, Alaska,
über Dutch harbor und Kap Nome. © 0°
Nach „Notice to Mariners“ No. 165. Washington 1902. |
Auf dem Wege von San Francisco nach dem Behring-Meere sichtet man bei
sehr klarem Wetter, wenn man einen der Pässe zwischen. den Fox-Inseln be-
nutzen will, zuerst die Vulkane auf der Unimak-Insel; im anderen Falle sichtet
man zuerst die bei mäfsig klarem Wetter aus grofsem Abstande sichtbaren hohen
Fox-Inseln. Bei der Annäherung an die Sannak-Insel halte man sich vorsichtig
10 bis 15 Sm südlich von den muthmaflich dort liegenden Leonard- und Anderson-
Klippen, deren Lage nicht genau festgestellt ist. Nach dem Passiren der Klippen
kann man Kurs: auf die Pässe setzen. Die Davidson-Bank dehnt sich nördlich
und’ westlich von den Klippen aus, man brauche daher bei nebligem Wetter das
Loth. Wenn Landmarken auf 1'/ bis 2 Sm Entfernung sichtbar sind, so nähere
sich ein Dampfer nur mit Vorsicht den Fox-Inseln, da vor ihren Südküsten
Untiefen liegen. Bei nebligem Wetter sei man der unbekannten Strömungen
halber sehr vorsichtig. Für Segelschiffe bietet der Unimak-Pafs die meisten
Vortheile, da er breiter ist als die anderen Pässe und Stromwirbel seltener
auftreten. . ;
Der Dampferweg nach Unalaska-Insel wird durch den Akutan- oder den
Unalga-Pafs abgekürzt. In beiden Pässen, namentlich im ersteren, treten bei