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Full text: Annalen der Hydrographie und maritimen Meteorologie, 30 (1902)

186 Annalen der Hydrographie und Maritimen Meteorologie, April 1902. 
Landmarken und Leuchtfeuer verdecken, mufs man die Dog-Klippen in größerem 
Abstande passiren, bis das weithin sichtbare Saba-Eiland ausgemacht ist, womit 
alle Schwierigkeiten behoben werden. Durch die zahlreichen Landmarken und 
Leuchtfeuer kann man den Kurs gut kontroliren. 
2. Von Martinique nach Santiago de Cuba. 
Der Weg führt von Martinique direkt nach der vor der Südküste von 
Haiti liegenden Insel Alta Vela, die wie ein glockenförmiger Hügel erscheint 
und unter Wasser steil abfällt. Dann führt der Weg weiter nach Point Gravois, 
welche bewaldete Huk steile Abhänge zeigt und an die tiefes Wasser ganz 
nahe hinan reicht. Darauf wird der Kurs auf die Irois-Huk gesetzt, die leicht 
auszumachen ist; auf ihrem Ende erhebt sich ein Hügel, der aus einiger Ent- 
fernung wie eine kleine Insel erscheint. Auch diese Huk ist frei von Gefahren, 
denn bis dicht vor ihr findet man tiefes Wasser. Bei dieser Huk wird der 
Kurs direkt nach Santiago aufgenommen. Lange vor der Ankunft bei Santiago 
erblickt man viele Landmarken, von denen der östlich von der Einfahrt liegende 
Gipfel Gran Piedra und der westlich von der Einfahrt liegende Torquino-Gipfel 
die augenfälligsten sind; die Hafeneinfahrt selbst erscheint wie eine Schlucht 
zwischen den Bergketten. 
Die Strömungen im Karaibischen Meere ändern sich mit der Richtung 
und Stärke des Windes. Unter gewöhnlichen Verhältnissen darf man bis nach 
Alta Vela auf einen mit der Kursrichtung ähnlichen Strom rechnen, doch 
zwischen Alta Vela und Point Gravois mufs man auf starken nach Land zu 
setzenden Strom rechnen, der nahe unter Land nach Osten setzt, also Neer- 
atrom ist. Ein Dampfer von 8 Sm Fahrgeschwindigkeit mufs seinen Kurs 
dieses Stromes halber um 5° bis 7° ändern, je nach den Windverhältnissen 
mehr oder weniger. Zwischen Point Gravois und der Irois-Huk setzt der Strom, 
wenn überhaupt welcher vorhanden ist, in der Richtung des Kurses. 
3. Von St. Thomas nach Santiago de Cuba. 
Für diese Fahrt giebt es zwei Wege, der eine führt nördlich von Puerto 
Rico und Haiti entlang, der andere südlich davon. Die Meinungen der 
Kapitäne über diese Wege sind sehr getheilt, nur in einem Punkte stimmen 
sie alle überein, nämlich, dafs der beste Weg der südlich von den Inseln ent- 
lang führende ist, wenn man St. Thomas bei stürmischem nördlichen Winde 
verläfst, und der Weg nördlich von den Inseln der bessere, falls man beim 
Abgang von St. Thomas stürmischen südlichen Wind. hat. 
Manche Kapitäne geben dem nördlichen Weg im Sommer, dem südlichen 
im Winter den Vorzug, weil im Sommer südliche, im Winter nördliche Stürme 
häufiger auftreten. Einige Kapitäne mit langjähriger Erfahrung auf diesen 
Reisen nehmen immer, aufßser wenn beim Abgange von St. Thomas nördlicher 
Sturm weht, den Weg nördlich von den Inseln. Sie halten den kürzeren Weg, 
die stärkere mitlaufende Strömung und die nothwendige Umsteuerung weniger 
Huken mehr als genügend, um die auf diesem Wege gewöhnlich herrschende 
rauhere Witterung gegenüber dem südlichen Wege auszugleichen. 
Die Berge von Puerto Rico und Haiti bilden für beide Wege ausgezeichnete 
Landmarken. . 
Auf dem südlichen Wege kann man den Kurs bei sichtigem Wetter 
so nehmen, dafs man die vorspringenden Küstenpunkte von Puerto Rico in 
2 Sm Abstand passirt, bei unsichtiger Witterung ist es jedoch sicherer, dafs 
dieses in 5 bis 6 Sm Abstand geschieht. Die Schiffsführer ziehen es indessen 
allgemein vor, die Landmarken und Leuchtfeuer in Sicht zu laufen, um Fühlung 
mit der Küste zu behalten. Die vorspringenden Küstenpunkte von Haiti fallen 
unter Wasser steil ab, und vor ihnen giebt es keine Untiefen. 
Auf dem nördlichen Wege fällt auch die Nordküste von Haiti steil 
ab mit Ausnahme bei den Monte Christi-Bänken. Am Tage und bei klarer 
Witterung kann man diese Bänke genau ausmachen, doch in der Nacht oder 
bei unsichtigem Wetter sollte man in jener Gegend den Kurs gut nördlich 
setzen und gleichzeitig den Einflufs des Windes auf den Strom feststellen und 
berücksichtigen, um keine Gefahr zu laufen.
	        
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