Mossel-Bucht,
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Schiffe in Quarantäne werden von den anderen entfernt verankert. Ein Kranken-
haus für ansteckende Krankheiten ist in der Nähe des Leuchtthurmes,
Zollbehandlung ist sehr gut. Ladungsmanifest und Proviantliste sind
dem Zollamte einzureichen sowie auch ein Ladungsmanifest für den nächsten
Hafen in der Kolonie.
Ankerplätze in der Bucht gewähren im Winter, zwischen April und
September, guten Schutz. Man ankert vor der Stadt Aliwal auf etwa 11m
Wasser, Grund feiner Sand. Man peilt von da die Bake mit rautenförmigem
weils und schwarz wagerecht gestreiftem Toppzeichen auf einem Hügel rw.
S 7° O (mw. SSW) in Eins mit dem Flaggenmaste bei der Postanstalt, St. Blaize-
Thurm in etwa rw. S21°0 (mw. S’/4W) und die 45m hohe Seal- Insel im
Innern der Bucht rw. S4°W (mw. SWzS). Nachts dampfe man nach dem
Passiren des Kaps St. Blaize auf 11m Wassertiefe langsam in die Bucht ein
und ankere, wenn das grüne Feuer auf der Landungsbrücke in rw. S7°W
(mw. SW*%/4S) in Sicht kommt.
Im Winter treten starke Nordweststürme häufig auf, in den Jahren 1880
bis 1882 ergab sich aus zweimal täglich angestellten Beobachtungen, dafs auf
97 Westwinde 35 Ostwinde kommen. Da die See in der Bucht dann schlicht
ist, können Schiffe hier einen Sturm besser abreiten als gegen die See beim
Kap Agulhas aufarbeiten. Drehbt der Wind dann nach West und WSW, so
setzt häufig starke südwestliche Dünung in die Bucht hinein, wodurch der
Ankerplatz unsicher und eine Landung zeitweise fast unausführbar wird. Süd-
östliche Stürme treten im Winter gemäfsigter und weniger häufig auf, halten
auch nur kurze Zeit an.
Im Sommer, von Oktober bis März, kommen auf 109 Ostwinde 65 West-
winde. Südöstliche Stürme treten dann auf. Die Bucht ist dann dem Seegange
voll ausgesetzt. Die Stürme dauern jedoch selten länger als 36 Stunden an. Alle
Schiffe müssen in der Mossel-Bucht gutes Ankergeschirr und gute Hanf- oder
Graskabeltaue an Bord haben, auch müssen die Anker und Tampen der Ketten
mit guten Bojen und Bojenleinen versehen sein. Man ankert am besten vor
dem schwersten Anker und 110 m (60 Fad.) Kette und läfst bei Aufkommen
eines Südoststurmes, ehe man Kette steckt, den zweiten Anker fallen, und
steckt dann die Kette des ersten Ankers voll aus, auf der man eine Grastrosse
befestigt hat. Bei Südoststürmen setzt der Neerstrom stark nach Osten, wo-
durch Anker und Ketten entlastet werden.
Westnordwestliche Stürme treten am stärksten auf. Im Winter begiunen
die Stürme aus NNW zu wehen und sind von schweren Böen, die in Richtung
und Stärke verschieden auftreten, begleitet, dann drehen sie nach WNW und
West, von wo sie bei niedrigem Barometerstande andauernd stark wehen und
schliefslich auf SW springen und abflauen.
Hafensignale. Vom Flaggenmaste beim Hafenamte werden, wenn
schlechtes Wetter in Aussicht ist, folgende Signale gezeigt, die sofort be-
antwortet und ausgeführt werden müssen. Die Nichtbeachtung dieser Vor-
schriften wird dem Rheder und dem Lloyd’s-Bureau gemeldet,
1. Flagge S unter dem Union Jack | Bereite vor auf schlechtes Wetter,
2, " T Lasse einen zweiten Anker fallen, versieh Ankerketten mit
Springtrossen und Bojen, mache Alles klar, um Ketten
schlippen und in See gehen zu können, -
Suche die hohe See zu gewinnen.
Hieve die Ketten so weit ein, wie zuerst geankert.
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Den Schiffsführern wird in der Hafenordnung anempfohlen, nachts an Bord
zu sein. Sollte ein Schiff ins Treiben kommen, so schlippe man die Kette und
suche in See zu gehen; ist dies auch nicht möglich, so halte man auf mw. WzS-
Kurs auf das rothe Bakenfeuer auf dem höheren Lande in der Erme-Bucht zu,
das nur bei schlechtem Wetter für solche Schiffe gezeigt wird und den hesten
Ort zum Aufstrandsetzen des Schiffes bezeichnet.
Gezeiten. Die Hafenzeit ist 3° 30”, die Fluthhöhe beträgt etwa 2,0 m.
Regelmäfsige Gezeitenströme treten in der Bucht nicht auf.
Der Ort Aliwal liegt an der Südseite der Bucht. Er zählt etwa 3000 Eiv-
wohner, davon 10 deutsche.