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Annalen der Hydrographie und Maritimen Meteorologie, April 1902.
Eisenbahnlinien. Centralmexikanische Eisenbahn nach San Luis
Potosi, Monterey-Bahn nach Monterey über Ciudad Victoria. Telegraphen-
kabel giebt es nicht mehr. Depeschen gehen über Land nach New York.
Wasserwege ins Hinterland. Das Hinterland im Umkreise von 100 Sın
ist wenig bevölkert und noch unbebaut. Der Handel des inneren Mexico geht
über Tampico. Der 400 Sm lange Panuco-Flufs ist für Fahrzeuge bis zu 2,9 m
Tiefgang bis Panuco, einer Stadt am rechten Ufer, 80 Sm oberhalb der Mündung,
schiffbar; grofse Leichter können noch bis San Juan, 87 Sm weiter stromaufwärts
gelangen.
Schiffsausrüstung. Kesselkohlen amerikanischen Ursprungs werden
von der KEisenbahngesellschaft gegen 22. die Tonne abgegeben. Frischer
Proviant ist genügend zu verhältnilsmäfßsig niedrigen Preisen zu haben. Dauer-
proviant ist nur in kleinen Mengen zu haben. Andere Ausrüstungsgegenstände
sind infolge des hohen Zolles nur in geringer Menge zu haben.
Auskunft für den Schiffsverkehr. Deutscher Konsul ist Gerhard
Claussen, das Konsulat befindet sich Calle de la Riviera 557. Hafenamt,
Zollamt, Hafenpolizei und Lootsenamt sind im Zollhause untergebracht. Der
Administrador de la Aduano ist zugleich Hafenmeister. Agent der Hamburg—
Amerika-Linie ist am Orte. Agent mehrerer deutscher Seeversicherungs-Ge-
sellschaften ist Gerhard Claussen. Ein städtisches Lazareth ist vorhanden.
Mannschaftsentweichuugen kommen nicht vor. Deutsche Schiffsleute sind nur
ausnahmsweise anzuheuern. Kinrichtungen zur Prüfung von nautischen Instru-
menten sind nicht vorhanden. Seekarten sind nicht zu haben.
Mossel-Bucht.
Nach Konsulatsfragebogen No. 800 vom 28. Juni 1898, No. 1647 vom 15. April 1901 und Frage-
bogen No, 1890 des Kapt. Heinrich Schmidt, D. „Flensburg“, ergänzt nach englischen Queilen.
Luandmarken. Die etwa 6 Sm breite und 2 Sm tiefe Mossel-Bucht wird
an der Westseite von einem Sandstrande begrenzt. Von Osten kommend,
sind die zwischen dem kleinen Break - Flusse, der Nordgrenze der Bucht, und
dem Hartenbosch-Flusse liegenden Sanddünen gute Landmarken. Auf dem Kap
St. Blaize, der südlichen Grenze der Bucht, ist der viereckige weiße Leucht-
thurm, der sich von dem dunklen Hintergrunde gut abhebt, gut auszumachen.
Obgleich anhaltender Regen herrschte, konnte Kapt. Schmidt diese Landmarken
ohne Schwierigkeit ausmachen.
Ansteuerung. Von Westen kommend, halte man die Pinnacle - Huk
südlich frei von der Klippe unter den Küstenabhängen eben westlich von Kap
St. Blaize, bis die Sanddüne beim Hartenbosch-Flusse rw. N 24° W (mw. N!40)
peilt, dann umsteuere man das Kap in gehörigem Abstande und halte auf den
Ankerplatz zu.
Lootsenwesen. KEin patentirter Lootse ist am Orte. Wenn von einem
Schiffe das Lootsensignal gezeigt wird, kommt er in einem Schiffsboote dem
Schiffe 3 Sm weit entgegen. Lootsenhülfe ist nicht erforderlich. Lootsentaxe
besteht nicht; man bezahlt nach Uebereinkunft, meist 3 £. Der Hafenmeister
wies der „Flensburg“, die Sprengstoffe geladen hatte, einen Ankerplatz an.
Leuchtfeuer siehe Leuchtfeuer-Verzeichnifßs Heft VII, Tit. 1X, No. 4 bis 6.
Schleppdampfer sind zwei vorhanden, die aber für grofse Schiffe nicht
geeignet sind. Signalstellen. Der Leuchtthurm von St. Blaize steht mit
Aliwal in telephonischer Verbindung. Tags können Schiffe nach dem inter-
nationalen Signalbuche signalisiren.
Quarantänevorschriften sind dieselben wie in anderen Häfen der Kap-
kolonie. Von dem Schiffsführer ist ein Formular auszufüllen, das 12 Fragen
enthält über Schiff, Abfahrtshafen u. dgl. und über Krankheiten an Bord oder
auf anderen Schiffen oder in anderen Häfen, mit und in denen man auf der Reise
verkehrte. Zum Schlusse folgt eine Erklärung, dafs die Gesundheitsverhältnisse
auf dem Schiffe gut sind. Unrichtige Beantwortung der Fragen wird mit
strengen Strafen geahndet. Der Hafenmeister nimmt in die Gesundheitspässe
Einsicht und ertheilt, je nach den Umständen, Erlaubnifs zum freien Verkehr.