Zur Küstenkunde Kubas.
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räthig, obgleich Trinkwasser in Booten aus dem Rio Grande herbeigeholt
werden könnte. Der Flufßs ist jedoch nur bei Hochwasser fahrbar. Schiffe,
die nach Port Tanamo bestimmt sind, müssen in Baracoa einklariren.
Landmarken. Der Hafen wird von 30 bis 90 m hohen Hügeln umgeben,
die die Ausläufer des 13 Sm entfernten, 1200 m hohen Cristal-Gebirges sind.
Oestlich vom Hafen liegen die Cuchillas del Pinal-Berge. Von See aus erblickt
man das Land als eine Kette unebener Hügel von steigender Höhe, im Hinter-
grunde davon das Cristal-Gebirge.
Die gewundene Einfahrt zum Hafen ist aus 3 Sm Entfernung von der
Küste ganz unsichtbar. Der Pico Miguel, ein auffälliger spitzer Gipfel östlich
vom Abhange des Cristal-Gebirges, ist für die Ansteuerung der Einfahrt eine
vorzügliche Landmarke und führt in rw. S2°W (mw. S'/sW)-Peilung gehalten,
auf die Einfahrt zu. Der Gipfel wird durch die Hügel im Vordergrunde ver-
deckt, wenn man nur noch !/4 Sm von der Einfahrt entfernt ist, von wo aber
die Ansteuerungstonne und die trichterförmige Einfahrt sichtbar sind. Der Pico
Miguel kann an einem auffälligen, sattelförmigen Hügelpaare aufgefunden werden,
das zwischen ihm und Cuchillas del Pinal liegt.
Eine neue weifse Bake, deren Spitze über die Bäume gut hinwegragt,
ist als Einsteuerungsmarke auf dem Alto-Inselchen errichtet worden. Von der
Ansteuerungstonne peilt die Bake S34°W (mw. SSW"'/sW). Sie ist, je nach
Luftbeschaffenheit und Schiffsort, weit sichtbar.
Eine grofse eiserne Kugeltonne bezeichnet die östliche Seite des
Einfahrtkanals. ;
Die Küste in der Nähe des Hafens verläuft in Ost — Westrichtung.
Sie wird von einem Korallenriffe eingefafst, dessen Grenzen vor der Einfahrt
und östlich davon dicht an die Küste herantreten, bei dem nicht schiffbaren,
5 Sm westlich von der Einfahrt mündenden Teneme-Flusse jedoch */s Sm von
der Küste abliegen. Die abschüssige Kante dieses Riffes beginnt bei der 180 m
(100 Fad.)-Grenze. Wassertiefen unter 180 m deuten eine gefahrvolle Nähe des
Riffes an. Das Wasser ist meist sehr klar; bei guter Beleuchtung ist der
Grund in 18 m Tiefe sichtbar.
_ Lootsen sind für Ortsunkundige wünschenswerth; sie halten sich bei der
Einfahrt in den Hafen auf.
Einsteuerung in den Hafen. Das Küstenriff wird vor dem Hafen durch
die kaum 1 Kblg breite, tiefe und reine Einfahrt unterbrochen, Die Kanten
des Riffes fallen an den Seiten der Einfahrt steil ab. Bei Seegang jst die
Einfahrt leicht sichtbar. Bei guter Beleuchtung ist sie auch meist sichtbar,
man darf sich aber darauf nicht verlassen. Die kugelförmige Ansteuerungs-
tonne läfst man !/s Kblg an B-B. und hält dann auf rw. S5°O0 (mw. S’/hO)-
Kurse die Fahrwassermitte. Als Leitmarke für den Fall, dafs die Tonne ver-
treibt, halte man die weifse dreieckige, 4,6 m hohe Vermessungsbake eben
frei von der rechten Kante des Balkens des dahinterstehenden Strohdaches.
Die linke Kante einer felsigen Stelle am Ufer liegt in derselben Peilung.
Steuert man auf der erwähnten Peilung des Pico Miguel ein, so befindet man
sich fast auf der Leitmarke, die dann nicht verwechselt werden kann.
Auf dieser Leitmarke steuert man bis zur scharfen Wendung des Fahr-
wassers an St-B. Das Küstenriff erstreckt sich bis zu der Huk an St-B., die
Wassertiefe an der Südseite der Huk ist bis dicht unter Land grofs. In der Nähe
der West-Huk stehen einige Häuser der Eingeborenen. Diese Niederlassung führt
den Namen Boca. Die beiden Biegungen des Fahrwassers sind scharf und
folgen dicht aufeinander. Für schnell manövrirende Dampfer hält es nicht schwer,
im Fahrwasser zu bleiben, für langsam arbeitende ist es schwieriger. KEin-
oder auslaufend mufs man hier die dem Fahrwasser folgenden Gezeitenströme,
die höchstens 1,3 Sm Geschwindigkeit erreichen, beachten,
Ansteuerung des Ankerplatzes. Nach dem Passiren des West-Huk
umsteuert man die Westspitze des kleinen bewaldeten Juanillo-Eilandes, das
verhältnifsmäfsig niedrig ist und durch eine flache Barre an seiner Nordostseite
mit dem Festlande verbunden ist. Man ankert auf 3 bis 3,7 m Wasser über
gut haltendem, blauem Thongrunde in der Mitte zwischen dem Festlande und
dem hohen Alto-Inselchen, das den Ankerplatz im Westen begrenzt. Vom
Ankerplatze peilt man West-Huk zwischen Festland und Juanillo-Eiland,