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Annalen der Hydrographie und Maritimen Meteorologie, April 1902.
Civita vecchia.”)
Nach Konsulatsfragebogen No. 1201 vom 11. November 1899, No. 1714 vom 1 Mai 1901, No. 1857
vom 27, November 1901, Fragebogen No. 95 des Kapt. S. Wohlmuth, D. „Borussia“, vom März 1896,
Bericht No. 1884 des Kapt. G. Koopmann, D. „Hermann“, vom 26, Januar 1902, ergänzt nach
englischen und französischen Quellen,
Der stark befestigte Hafen von Civita vecchia (das alte Centum Cellae)
war früher der bedeutendste Hafenplatz des Römischen Reiches. Obgleich
neuerdings grofse Anstrengungen gemacht werden, den Hafen durch Baggerungen
zu vertiefen und durch Hafendämme sicherer zu machen, bietet er doch nur
einer beschränkten Anzahl von Schiffen Raum, so dafs viele Schiffe auf der Rhede
warten müssen, was zeitweise sehr gefährlich ist. Neue Kaie sind im Bau, um
ein beschleunigteres Entlöschen der Dampfer ermöglichen zu können. Geo-
graphische Lage des San Pietro-Thurmes 42° 5,5‘ N-Br und 11° 47,2‘ O-Lg.
Landmarken. Von Weitem wird man die hochgelegene auffällige Stadt
Corneto 10 Sm nördlich von Civita vecchia und die vorspringende Linaro-Huk
mit dem daraufstehenden Thurme, 5 Sm südlich von Civita vecchia, auszumachen
suchen. Näher kommend, ist der hohe Schornstein der Seifenfabrik an der Nord-
grenze der Stadt, besonders bei dunstigem Wetter, eine gute Landmarke, auch
wird der 20 m hohe achteckige steinerne Leuchtthurm auf dem Kopfe der Ver-
längerung des früheren Wellenbrechers bald sichtbar.
An- und Einsteuerung, Die südliche Hafeneinfahrt ist für immer
geschlossen worden. In der nördlichen Einfahrt ist eine 80 m breite und 8 m
tiefe Fahrrinne ausgebaggert, deren Grenzen durch sechs Treibbaken bezeichnet
werden.
Lootsenwesen. Lootsenzwang besteht nicht, zehn Lootsen und zwei
Oberlootsen sind vorhanden. Das Lootsenamt liegt am Kai. KEine Lootsen-
wache befindet sich auf dem Kopfe der Bicchiere-Mole. Auf Ansuchen bringen
die Lootsen Schiffe von 4 Sm aufserhalb des Hafens ein, auslaufend verlassen
sie das Schiff, sobald es vom Wellenbrecher frei kommt. Die Lootsen können
Schiffe nach anderen Häfen bringen, wenn dort keine Lootsen sind, sonst
müssen sie vor dem Einlaufen in den anderen Hafen das Schiff den Lootsen
jenes Hafens überlassen. Lootsengeld einlaufend 10 Centes., auslaufend 5 Centes.
die Registertonne.
Schleppdampfer sind fünf oder sechs vorhanden, die aber nur bei ruhigem
Wetter Leichter und Segler schleppen können.
Quarantäne. Gleich nach Ankunft mufs sich der Kapitän ins Gesundheits-
und Hafenamt begeben, um unter Vorzeigung des Gesundheitspasses und der
anderen Schiffspapiere Erlaubnifs zum freien Verkehr zu erhalten. Kine
Quarantäneanstalt ist nicht vorhanden.
Zollbehandlung ist strenge. Die Gegenstände, die Monopol der Regierung
sind, wie Tabak, gebrannte Knochen, Kaffee, Zucker, Spirituosen, Liköre,
Petroleum, Zündhölzer, Salz, sind besonders genau in die Proviantliste einzu-
tragen. Werden von der Finanzwache Abweichungen bemerkt, können beträcht-
liche Strafen deshalb verhängt werden.
Der Hafen von Civita vecchig besteht aus vier Theilen, dem Vorhafen
und der Nuova Darsena, dem inneren Hafen und der Darsena. Der äufsere
Hafen wird durch einen Wellenbrecher an seiner Westseite geschützt, den man
an beiden Seiten um das Doppelte seiner Länge verlängert hat. Zwei Ein-
fahrten führten bislang in den Hafen, die südliche davon wird jetzt mit Steinen
zugeworfen und der dadurch gewonnene Hafendamm bis zum Lande fortgeführt,
um den vor Allem gegen Südostwinde schlecht geschützten Hafen zu sichern.
Der innere Hafen wird an seiner Südseite durch die gekrümmte Bicchiere-Mole
begrenzt, an seiner Nordseite durch die Lazzaretto-Mole, die Einfahrt zwischen
4) Letzte Veröffentlichung in den „Ann. d. Hydr. etc.“ 1898, Seite 149, Brit. Adm-Krt.
No. 158, Cape Cavallo to Civita vecchia, und No. 1093, Civita vecchia.