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Full text: Annalen der Hydrographie und maritimen Meteorologie, 30 (1902)

168 Annalen der Hydrographie und Maritimen Meteorologie, März 1902. 
Stürme aus westlichen Richtungen an der Küste verursachte; in Memel- fiel das 
Barometer in 24 Stunden vom Abend des 15, bis zum Morgen des 16. um -fast 
30 mm, von 765,8 auf 736,2 mm. 
Nachdem sich am 17. und 18, hoher Luftdruck von Westen her über ganz 
Centraleuropa ausgebreitet hatte, nahte abermals eine tiefe Depression dem 
Norwegischen Meere, die ihren Einflufs bereits am 19, bis zur Küste erstreckte 
und, mit ihrem Centrum im hohen Norden vorüberschreitend, ein tiefes Theil- 
minimum am Z0, und 21. südostwärts nach dem Innern Russlands entsandte, so 
dafs an diesen Tagen, im Westen bereits in der Nacht zum 20., wieder stürmische 
Winde, in dem angegebenen Umfange, an der Küste auftraten. 
Da sich hoher Luftdruck nun nordwärts über dem Süden der Nord- und 
Ostsee ausbreitete, folgten einige ruhigere Tage. Am Morgen des 24. lag jedoch 
ein tiefes Minimum abermals nördlich von Schottland, mit seinem Depressions- 
gebiete bis nach der Biscaya-See reichend, das bei ostwärts gerichtetem Fort- 
schreiten ganz Europa südwärts bis nach dem Mittelmeere umfaßte. Bei ver- 
änderlicher Luftdruckvertheilung blieb Europa dann bis zum 28. von Depressionen 
bedeckt, so dafs wieder tägliche Niederschläge an der Küste auftraten. Tiefe 
über Jütland schreitende Theilminima riefen am 25, bis 27, vielfach stürmische 
Winde an der Küste hervor, wie eingangs angegeben. 
Im Rücken eines am 28, bis 30. von den Britischen Inseln nach West- 
russland schreitenden Minimums drang hoher Luftdruck vom Ozean vor, und 
am Morgen des 381. lag ein 785 mm übersteigendes Hochdruckgebiet mit 
höchsten Barometerständen über der Nordsee; niedrigerer Luftdruck herrschte 
über Europa nur im Bereiche einer Depression über dem Mittelmeere. Diese 
Wetterlage führte an der Küste Nordostwinde und damit Abkühlung herbei, 
und es traten meist die niedrigsten Temperaturen des Monats ein. 
a, 
Bücherbesprechung. 
Breusing’s Steuermannskunst. Im Verein mit Dr. 0. Fulst und Dr. H. Meldau 
neu bearbeitet und herausgegeben von Dr. C. Schilling. 6. Aufl. 460 S. 
M. Heinsius Nachfl. Leipzig 1902. 8°. 12 M. geh.; 14 M. geb. 
Narh längerem Intervalle erscheint das alte bewährte Lehrbuch von Breusing in nener 
Anflage. Die Aenderungen, welche bei den Methoden der astronomischen Ortsbestinmungen und 
in der Behandlung des Kompasses an Bord eiserner Schiffe in den letzten Jahrzehnten eingetreten 
sind, veranlafsten die Verfasser den zweiten "Theil des Buches, der die Steuermannskunst lehrt, in 
eingreıfender Weise umzugestalten, während der erste Theil, der die vorbereitenden mathematischen 
Kenntnisse umfafst, hiervon weniger berührt wurde. Es konnte daher die wohlüberlegte Anordnung 
des Stoffes im Grofsen und Ganzen beihehalten werden; immerhin ist nicht zu verkennen, dafs die 
systematische Darstellung in beiden Theilen gleichmäfsig durchgeführt und so der einheitliche 
Charakter des Buches gewahrt geblieben ist. 
Die Abschnitte I bia V enthalten der Reihe nach: Arithmetik, Ebene Geometrie, Räumliche 
Geometrie, Ebene und Sphärische Trigonometrie, dann fulgt VI. dıe Geographische Stenermanns- 
kunst, welcher im VII. Abschnitt sich die astronomischen Vorkenntnisse anschliefsen. Im VI1L. Ab- 
schnitte „Astronomische Steuermannskunst“ werden zunächst die gewöhnlichen und wohl auch am 
meisten g-brauchten Methoden behandelt. Im $ 241 und ff. wird ferner sehr eingehend die An- 
wendung der Standlinien bei diesem Problem erörtert, für welche bereits früher in $$ 68 bis 70 
‚Kapitel „Geomeirischer Ort“) die nöthige Grundlage gegeben wurden ist. Das Kapitel Gezeiten 
88 276 bis 279 bheschliefst diesen Abschnitt. Eine ebenso tiefgehende Umarbritung hat der folgende 
Abschnitt „Der Kompafs an Bord eiserner Schiffe“ erhalten, welcher im Sinne der modernen An- 
schauungen dieses Gegenstandes, wie sie seit Jahren durch die Svewarte gefördert und im „Kompsufs 
an Bord“ niedergelegt wurden, bearbeitet ist. Auch der Schlufsabschnitt „Nautische Instrumente“ 
ist in diesem Sinne erneuert worden, ; 
Es darf noch besonders darauf hingewiesen werden, dafs die Figuren veu und gut gezeichnet, 
die Formeln und die praktischen Beispiele übersichtlich angeordnet sind und die ganze Ausstattung 
wohlgelungen ist. 
Berichtigung. 
In dem Artikel „Veracruz“, „Ann, d. Hydr. ete.“, 1902, Heft II, auf Seite 102 unter Hafen- 
unkosten mufs es heifsen: 
Gesundheitsabgabe 2 c die Registertonne netto (d, i, 65%o der Registertonne brutto). 
LAN 
Gedruckt und in Vertrieb bei E. S. Mittler. & Sohr 
Königliche Hofbuchhandlung und Hofbuchdruckerei 
Barlın SW. Kachstrafise 6871
	        
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