Wendt; E:: Korrespondirende Höhen;
155
man aber über dem künstlichen Horizont. Daher ist die zu messende korrespon-
dirende. Höhe um den doppelten Betrag von Ah; also um
23h = 240. COS 49
von der an der anderen Seite des Meridians genommenen Höhe (inkl. der vor-
handenen konstanten Instrumentalfehler). verschieden. Hat man am Vormittage
(bezw. Nachmittage) die Sonnenhöhe 7% über dem künstlichen Horizont
gemessen, so hat man am Nachmittage (bezw. Vormittage) die Höhe
n=n +24h zu beobachten. Hierbei hat man die oben für Ah gegebene
Vorzeichenregel zu beachten, Da der Betrag 24h, um den die Höhe n zu
verändern ist, nach den obigen Auseinandersetzungen 48’ nicht übersteigen kann,
so kann die Einstellung des Instrumentes auf den Winkel »‘ ohne
Benutzung der Alhidadenschraube allein durch Bewegen der Fein-
schraube vorgenommen werden, Hat man dann die Höhe %‘ beobachtet, so
liefert das arithmetische Mittel der zu % und my‘ notirten Uhrzeiten ‘sofort die
Uhrzeit im Ortsmittage. Das Eigenthümliche und Angenehme der hier be-
schriebenen Methode ist eben, dafs die ganze überaus kurze und einfache
Rechnung schon vor Beobachtung der korrespondirenden Höhe %’ gemacht ist.
Im Uebrigen kommt sie der eigentlichen Methode der gleichen Sonnenhöhen
meiner Meinung nach an Schärfe und Genauigkeit vollkommen gleich. Es sei
noch darauf hingewiesen, dafs sie eine einfache Berücksichtigung der. Ver-
schiedenheit der Strahlenbrechung am Vor- und Nachmittage gestattet. Kurz
bevor man die Höhe %‘ zu nehmen hat, beobachte man Temperatur ünd Druck
der Luft, berechne den Unterschied der beiden in Frage kommenden Werthe
der Refraktion und bringe den doppelten Betrag desselben mit dem richtigen
Vorzeichen an die zu beobachtende Höhe »‘ an,
Zur Veranschaulichung der hier entwickelten Methode mögen die folgenden
beiden Beispiele dienen, deren Grundlage ich dem „Lehrbuch der Navigation“,
herausgegeben vom Reichs-Marine-Amt, entlehnt habe (Band II, „Astronomische
Navigation“, Seite 322). Die zu: den korrespondirenden Höhen %’ gehörigen
Uhrzeiten u‘ habe ich durch Einschalten der dort angegebenen Uhrzeiten berechnet,
Am 17. September 1898 werden in Wladiwostok (43° 7‘ N, 8* 47” 35,1° 0)
nach einem Chronometer, das ungefähr mittlere Greenwicher Zeit zeigt, folgende
der Reihe nach auf dem Instrument eingestellte Höhen über dem künstlichen
Horizont beobachtet:
NY = 11° 20
80
40’
50°
O'
10°
gr
Das Mittel der Uhrzeiten ist u == 12" 27"42,3%°. Bringt man hieran .die
genäherte Zeitgleichung, welche — 5” beträgt, und die Länge an, so erhält man
den genäherten Stundenwinkel t = 240", Für t = 2"40", 0 = 43°N, d=2°N
liefern die Leckyschen A, B, C- Tafeln, wenn man © mit d vertauscht, den
parallaktischen Winkel q = 35°. Denselben Werth liefert für die mittlere Höhe
h.= 36° die Formel sin q = cos g «sint-sech, die man anzuwenden hätte, wenn
man die oben ‚erwähnten Tafeln nicht zur Verfügung haben sollte. Die stünd-
liche Aenderung der Abweichung ist o=— 58,1“, folglich wird, da sich die Sonne
vom erhöhten Pole entfernt, 40 = — 5,1’, und mit Benutzung einer Gradtafel,
in die man mit 35°. als Kurs und 5,1 als Distanz eingebe, A/h = — 4,18‘ (aus
Spalte b), weil q spitz ist. Man hat also das Instrument der Reihe nach auf
folgende Winkel einzustellen und die zugehörigen Uhrzeiten zu beobachten:
On = 71°
aU 40"
Chron, 17b 45m 50,0s
45 12,5
44 38,5
44 4,0
43 380,5
42 51,5
42 190
1
41
51
£
)
)
790 1
ı'4
40
40