Wendt, E.: Korrespondirende Höhen.
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führen. Deswegen nehme :ich von einer Darlegung desselben Abstand ‘und er-
örtere nur das zweite Verfahren, das, soviel. ich. weiß, noch keine Bearbeitung
erfahren hat.
‘Der Gedanke, der. diesem Verfahren zu Grunde liegt, ist der folgende:
Es werden nicht unbedingt gleiche Sonnenhöhen am Vor- und Nachmittage beob-
achtet, sondern solche Höhen, zu denen gleiche östliche und westliche Stunden-
winkel gehören. Es sei am Vormittage (bezw. Nachmittage) die wahre Sonnen-
höhe h genommen und die zugehörige Uhrzeit u notirt. Der dieser Beobachtung
entsprechende Stundenwinkel (östliche bezw.. westliche) heiße t, Es’soll dann
am Nachmittage (bezw. Vormittage) diejenige wahre Sonnenhöhe h’ beobachtet
werden, deren zugehöriger westlicher (bezw. östlicher) Stundenwinkel gleich t
ist. Dann wird, wenn u‘ die Uhrzeit zur Zeit der Beobachtung der korrespon-
direnden Höhe h‘ bedeutet, das arithmetische Mittel a3r “* direkt die Uhrzeit im
wahren Ortsmittage liefern. Der Unterschied der Höhen 7
Ah= WFRuh
auf deren Berechnung Alles ankommt, ist von der Veränderung abhängig, welche
die Abweichung in der Zwischenzeit u'-—u erfahren wird. Letztere ist, wenn
um den Mittag beobachtet ist, gleich dem doppelten Stundenwinkel, == 2t, und,
wenn um Mitternacht beobachtet wird, gleich dem doppelten Supplement, des
Stundenwinkels, also = 2 (12* — t). Die in der Zwischenzeit erfolgende Aenderung
Ad in der Abweichung kann man entweder, wie es gewöhnlich geschieht, mit
Hülfe der 48stündigen Veränderung u oder auf dem von Herrn Geheimrath
Dr. Schrader eingeschlagenen Wege (s. „Ann. d. Hydr. etc.“, 1901, Seite 511)
oder schliefslich am einfachsten mit Hülfe der im Jahrbuche angegebenen
stündlichen Aenderung berechnen, Bezeichnet man. letztere mit do, so ist
Add — 2t.: 6 bei Beobachtungen um den Mittag
4S = 23(12h—t) « @ bei Beobachtungen um Mitternacht.
Die Ortszeit wird, soweit sie zur Berechnung von Ad’ nöthig ist, stets
hinreichend bekannt sein,
Es fragt sich nun, welche Aenderung Ah in der Höhe dieser Aenderung
A4d in der Abweichung entspricht. Um jene zu erhalten, hat man beide Seiten
der Grundgleichung
sinh == sing + sind -+cosg + cos d + cost
zu varliren und dabei t und © als konstant anzusehen, Dann ergiebt sich
cosh + /h = (sing + cos d’— cos + sind + cost) + /d
oder, da bekanntlich die Gleichung
E cos q » cosh.= sing » cos d — cos »* sind + cost
besteht, wo q den parallaktischen Winkel bezeichnet,
Ah — 48 + cosa.
und
Hierbei kann q ebenso gut den parallaktischen Winkel zur Uhrzeit u,
wie zur Uhrzeit u‘ vorstellen. Man wird beiden Forderungen am besten genügen,
wenn man diesen Winkel mit den Argumenten: Breite des Ortes @, Stunden-
winkel t und Deklination dp == d + TE im Ortsmittage berechnet. Bezeichnet
man den auf diese Weise berechneten parallaktischen Winkel mit qo, SO hat man
11) 4h — 4d + co8qo.
Zur Berechnung von q, gebraucht man den Stundenwinkel t. Man’ kann
gich leicht überlegen, daß dieser im Allgemeinen genau genug bekannt sein
wird. Der zwischen den Beobachtungen der Höhen h und h‘' gelegene Zeitraum
kann nämlich nie 24", und die tägliche Aenderung in der Abweichung der Sonne
nie 24’ übersteigen. Die Aenderung des Kosinus ist ferner am stärksten in der
Nähe von 90°, sie beträgt im Maximum 0,017 für die Aeuderung von 1° im
Winkel.‘ Ein Fehler von 1° im parallaktischen Winkel kann also im Höhen-