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Full text: Annalen der Hydrographie und maritimen Meteorologie, 30 (1902)

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Annalen der Hydrographie und Maritimen Meteorologie, März 1902. 
und frischte rasch auf, eine hohe, steile, brechende See aufwerfend, in der zu 
segeln nicht möglich war. Obgleich wir Unterbramsegel und volles Grofesegel 
führten, machten wir bei Nord 7 bis 8 nur 2'/% Knoten, Am 5, Juni morgens 
begann die Luft mit großer Geschwindigkeit aus SO zu ziehen, so dafs ich mich 
freute, zur rechten Zeit die Japan-Küste erreicht zu haben. Wir peilten um 
Mittag Kap Goto N 10 Sm. Abends holte der Wind so weit östlich, dafs wir 
eine ganze Stunde lang Kurs steuern konnten. Dann war aber auch für dieses 
Mal der gute Wind alle; mit Regen und Nebel holte er um Mitternacht wieder 
auf NO. Wenn das nicht bald anders wird, müssen wir Nagasaki für Wasser 
anlaufen. Es ist zum Verzweifeln; heute, am 6. Juni, stehen wir auf 32° 40‘ N-Br 
und 128° 0‘ O-Lg, nahezu auf derselben Stelle, wie am 1. Der Strom setzt stark 
südlich, was bei dem starken Winde und der hohen See aus NO auch wohl nicht 
anders zu erwarten ist. 
Nach mehrmaligem Umlaufen des Windes um den ganzen Horizont, viel 
Stille, Nebel und Regen, hatten wir am 7. Juni mittags die Durchsegelung der 
Korea-Strafse glücklich vollendet und begannen den letzten kurzen Abschnitt der 
Reise. Veränderliche, vorwiegend südöstliche Winde und Stillen brachten uns 
nur langsam vorwärts, Am 10. trieben wir um Matsu-Insel herum; hier hatten 
wir leichten nach Nord setzenden Strom und keine Südwestströmung, wie in der 
Karte vermerkt ist. Am 11. erfreuten wir uns einer frischen, günstigen Briese, 
aber auch wieder nur für drei Wachen, dann wurde es von Neuem flau. Nachts 
herrschte starker Nebel, Am 12.Juni — Mittagsort 40° 59‘N-Br und 132° 10‘0-Lg — 
abermals Mallung, Stille und Nebel. Am 13. Juni morgens frischte der Wind aus 
SO wieder auf; er holte später über OSO und Ost nach Nord und brachte uns 
abends nach unserem Ankerplatz in Wladiwostok. 
Die Einsegelung war mir vom Jahre 1885 her noch gut bekannt. Alle 
Bojen und Besen waren an richtiger Stelle. Lootsen giebt es in Wladiwostok 
nicht, Schleppdampfer auch nicht; so mufsten wir denn einsegeln. Der Wind war 
günstig und wir hätten gut unseren Löschplatz erreichen können, wenn wir beim 
Passiren des Wachtschiffes nicht Order erhalten hätten, vor Anker zu gehen und 
die Visite zu erwarten. So mufsten wir denn aus voller Fahrt aufdrehen und 
ankern. Die Visite kam nach einer halben Stunde, trank mein Bier, rauchte 
meine Cigarren, und ich bekam die Erlaubnifs, weiter zu gehen, was ich dann 
auch gleich mit Hülfe einer Dampfbarkasse that. Der Hafen ist eng; man mufs 
mit südlichem Winde dicht um Kap Goldobin, jedoch klar von der weifsen Boje, 
halten, um Raum zum Aufädrehen bei der Quarantänestation zu haben. 
Also nach 152 Tagen von Hamburg glücklich am Platze, Es ist ja lange, 
aber bei den von der Gaspar-Stralse aus gefundenen Verhältnissen mufs ich doch 
zufrieden sein.!) 
Orkan im östlichen Theile des nordatlantischen Passatgebietes 
im September 1900. 
Von L. E, Dinklarge. 
Einen weiteren Beitrag zu den in dem Juli- und dem Oktoberhefte des 
vorigen Jahrganges dieser Annalen gegebenen Berichten über einen Orkan, der 
im September 1900 westlich von den Kapverden vorüberging, bringt das kürzlich 
eingegangene Journal der Bark „H. Hackfeld“, Kapt. J. A. Barber. Dieselbe 
befand sich auf einer Reise von Philadelphia nach Nagasaki, verfolgte also, 
wie „Arthur Fitger“, einen dem der „Ostara“ und des „Ammon“ entgegen- 
gesetzten Kurs. Die Bark war am 3. September auf 29° N-Br und 37,5° W-Lg 
in den Passat gekommen und fand daselbst den Wind als eine erst leichte, 
dann bis zur Stärke 5 bis 6 auffrischende Briese aus Ost bis NO.‘ Das Wetter, 
anfangs schön, war vom 7. September an sehr trübe geworden. dadurch die Apn- 
1) Die mittlere Dauer von Reisen vom Kanal nach Shanghai, auf welchen 80° O-Lg im 
März und April gekreuzt wird, ist 148 Tage. Rechnet man nach Wladiwostok 10 Tage mehr, so 
ergiebt sich für die Reise dorthin 158 Tage. Die der „Pera“ von J]44 Tugen ab Ouessant war also 
für die fragliche Jahreszeit keineswegs lang. Siehe Segelhandbuch für den Indischen Ozean Seite 696.
	        
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